Sonntag, 3. Mai 2026 Reise nach Singapur
Ich habe extrem schlecht geschlafen. Habe ich überhaupt geschlafen? Vielleicht 1 1/2 Stunden. Erst konnte ich nicht einschlafen, dann wurde ich dauernd wieder wach. Nicht wegen der Mitbewohner, die waren leise. Einfach so. Doof!
Um 4:15 bin ich dann früher als geplant aufgestanden und konnte wenigstens noch einen Kaffee trinken. Und bin dann gemächlich zum Bahnhof gegangen.
Gestern hatte ich auch noch Stress beim Einchecken bei China Airlines. Die wollten immer irgendeine Anmeldung von mir, bei der ich eine Mitgliedsnummer brauchte. Wollte ich mich dann registrieren, hieß es: in diesem Land nicht möglich!
Ich hatte das Ticket bei Trip.com gekauft und habe auch die App von denen. Ich prüfte da, ob es eine alternative Möglichkeit geben würde. Und tatsächlich: es gab einen Checkin Service für 1,50 €! Das war es mir wert, und tatsächlich bekam ich 1 Stunde später meine Bordkarte. Kann sowas nicht mal einfach gehen?
| Als ich das Foto gemacht habe, war ich schon save! |
Dann ging ich los. In weniger als 1 Minute war ich am Eingang zu der Unterwelt. Leider war der verschlossen.
Für notorische Sünder vielleicht eine gute Nachricht, für mich aber eine Katastrophe.
Ich stand ungläubig davor und dachte: okay auf der anderen Seite ist noch ein Eingang. Schauen wir da mal. Auch geschlossen!
Ein Mann kam und sagte mir, dass der Eingang geschlossen sei.
Chapeau!
Ich sagte ihm, dass ich zum Flughafen muss und dass mein Zug um 5:30 Uhr geht. Mittlerweile war es 5:00 Uhr! Er meinte, die Gitter würden vielleicht um sechs hochgehen.
Das entsprach allerdings nicht meinen Plan. Langsam wurde ich nervös. Ich konsultierte Google, ob es vielleicht einen Weg gibt, oberirdisch nahe an die MRT Station zu kommen, dass da vielleicht Tore offen wären. Aber Google wollte mich konsequent durch die Unterwelt schicken.
Gegenüber war das alte Hauptgebäude des Bahnhofes, und ich dachte, dass da vielleicht eine Tür offen sei. Ich musste über eine zehnspurige Straße, wo in der Mitte auch noch ein kleines Mäuerchen war, aber das war mir jetzt egal.
Vor dem Bahnhof waren circa 40-50 Obdachlose, die überall rumlagen, aber die Tür war offen! Ich fand auch schnell ein Schild, was in Richtung Flughafen MRT wies und folgte den Schildern mit einer Geschwindigkeit, die ich sonst selbst beim Nordic Walking nicht an den Tag lege.
Ich traf auch noch zwei Frauen, die das gleiche Problem hatten. Wir kamen ein kleines Stückchen weit, teilweise durch dunkle Gänge, bis wir wieder vor einem geschlossenen Rolltor standen.
Aus dem Nichts kam ein Mann und sprach mit den Frauen. Dann zeigt er aufgeregt in einer Richtung. quasi eine Alternativ Route. Ich hetzte weiter durch Gänge, die alle nur mit einem Notlicht beleuchtet waren. Und dann, plötzlich, ging das Licht an. Ich kam um eine Ecke herum und eine Rolltreppe lief! Und 3-4 Minuten später stand ich vor dem Tickets Scanner. Geschafft!
Sowas liebe ich ja: kein taiwanesisches Geld mehr, wenig Zeit, laufen mit Rucksack. Was, wenn ich den Flug verpasst hätte? Sooo billig war der auch nicht. Und ich sah mich schon gemütlich durch die unterirdischen Gänge bummeln… Wenn einer eine Reise macht…
Geschafft?
Nicht ganz!
Laut Google fliegt China Airways üblicherweise von Terminal zwei ab. Also fahre ich zu Terminal zwei. Da stehe ich vor der digitalen Tafel und suche meinen Flug, findet ihn aber nicht. Schaute 3-4 mal (es ist eine rollierende Anzeige) aber davon wurde es nicht besser.
Besser wurde es erst, als ich sah, dass ich auf die Ankunftstafel schaute. Kein Wunder! So ging ich weiter zur Abflugstafel und suchte da.
Fehlanzeige!
Weder die Flugnummer noch irgendein Flug nach Singapur um diese Zeit. Zum Glück gab es da eine Information und ich fragte nach. Antwort: der Flug geht von Terminal eins.
Habe ich schon gesagt, dass der Flughafen hier sehr groß ist? Ist er! Aber es gab einen Skytrain, der mich zu Terminal eins brachte. Das Erste, was ich hier tat war, den Flug zu suchen. Auf der Abflugtafel. Man lernt ja dazu! Aber da war er nicht.
Langsam bekam ich Panik, denn mehr als zwei Terminals gibt es hier nicht. Ich ging trotzdem durch die Security und durch den Zoll und hier wurde mein Ticket durchaus akzeptiert. Dann fragte ich einen der Leute da und der verwies mich wieder auf die Tafel. Ich erklärte ihm, dass der Flug da nicht drauf sei. Er schaute in sein System, fand aber auch nichts.
Jetzt wurde telefoniert und es gab wohl eine Antwort. Ich sollte zu Gate A4 gehen. Jetzt war ich gespannt, aber da stand tatsächlich Singapur und meine Flugnummer.
Etwas Puls bekam ich dann noch, als ich namentlich aufgerufen wurde. Man wollte mein Ticket kontrollieren. Aber da ging es dann nur darum, ob ich ein Weiterflugticket habe. Und das hatte ich!
Das Boarden ging schnell und 20 Minuten nachdem wir gestartet waren, wurde das Frühstück serviert. Eine winzige Tüte mit Chips und der Steward hat ernsthaft gefragt, was ich trinken wolle? Wasser? Wein? Bier?
Um viertel vor neun morgens! Respekt! Und er hatte die Sachen auf seinem Wagen stehen. Um viertel vor neun! Respekt!
Später gab es noch Reis mit Huhn und wieder wurde Bier angeboten, aber ich erinnerte mich noch an eine alte Segler-Regel: kein Bier vor 11:00 Uhr.
Irgendwann ging der Flug zu Ende. Während die Leute neben mir nur zu den Mahlzeiten aufgewacht sind, war ich die ganze Zeit WACH!
Dann kamen die Einreisebestimmungen. Keine Lebensmittel etc. Meine Kaugummis habe ich leider entsorgen müssen und auf Drogen ( Besitz=Todesstrafe) habe ich ausnahmsweise verzichtet.
Der erste Blick aus dem Flugzeug auf Singapur war beeindruckend. Große Stadt, viele Hochhäuser, Brücken und mehr. Vor der Küste waren viele Schiffe, große Frachter. Das ist die Straße von Melakka, auch eine der wichtige Seefahrtsstraßen und früher ein berüchtigter Seeräuber-Hotspot. Seefahrtsstraßen, klingelt da was?
Natürlich sind in dem sehr großen Flugzeug alle Leute nach der Landung gleichzeitig aufgestanden. Einige junge Männer haben dann von hinten angefangen, sich nach vorne durch zu drängeln, was die Situation nicht schöner machte.
Aber egal, die Immigration funktionierte wunderbar schnell und der Zoll wollte von meinen Drogen auch nichts wissen. Der Geldautomat überraschte mich damit, dass er keine Gebühr von mir verlangte, wohl aber meinte, dass meine Hausbank vielleicht etwas haben wollte.
Dann bin ich auf die Suche nach dem Airport Express gegangen, aber leider hörten plötzlich die Schilder auf. Nur durch Zufall fand ich dann einen Aufzug, der mich zwei Etagen tiefer brachte und da ging es weiter.
Am Ticketautomaten kann man sich Tickets kaufen entweder mit Handy oder mit Kreditkarten. Wenn ich mein Handy davor gehalten habe, macht er gar nichts und wenn ich die Kreditkarte davor gehalten habe, brachte er eine für mich nicht verständliche Meldung.
Also fragte ich jemanden, ob ich hier auch bar zahlen kann, und wurde zu einem kleinen Kiosk geschickt. Der Frau dort zeigte ich auf dem Handy, wo ich hin wollte und sie sagte nur, du hast eine Kreditkarte? Ich sagte ja. Ja, sagte sie, einfach an den Automaten halten.
Ich brauchte also keine Fahrkarte, sondern konnte einfach mit dem Handy einchecken. Auch cool! (Übrigens wie in Rumänien!)
Der Airport Express fuhr mindestens die erste Hälfte der Zeit komplett unterirdisch, bevor er dann an die Oberfläche kam. Mit dem 1. Zug bin ich nur zwei Stationen gefahren, dann kommt ein anderer Zug (MRT). An der einen Haltestelle zwischendurch wurden die Türen aufgemacht und ich bekam einen Eindruck davon, wie das Wetter draußen ist. Warm!
An der angegebenen Haltestelle stieg ich aus und suchte die laut Google angegebene Plattform B um da meinen Anschlusszug zu kriegen. Leider fand ich die Plattform B nicht.
Also, wieder jemanden suchen, den man fragen kann, fragen und die Antwort: nein, es war früher mal B, jetzt ist es F.
Übrigens, der Zug, mit dem ich gekommen bin, hatte auch auf Plattform F gehalten. Ich hätte also gar nicht los rennen müssen. Google wird mir langsam unheimlich!
Der Weg war weit, aber die Bahn war schnell. Von der letzten Station noch 800m laufen und feststellen, dass die hier Linksverkehr haben (wieder was gelernt). Dabei kam ich an einem großen Foodcourt vorbei, wenn der heute Abend noch aufhat, hat der einen neuen Gast.
In dem Hostel waren sie erst mal sehr nett, freundlich und zuvorkommend. Und ich habe incl. Frühstück gebucht, auch nett.
Direkt gegenüber von meinem Gasthaus ist die Chinatown. Einmal sind auf der Straße schon unendlich viele Marktstände, die allerdings auch voll auf den Tourismus zielen und in dem chinesischen Handelszentrum, das etwas weiter hinten ist, sieht das genauso aus.
Hier allerdings sind auch viele ältere Sachen dabei, es wirkt teilweise wie ein Flohmarkt, z.B. irgendwelche Gegenständen aber auch viele Münzen, Briefe und Geldscheine. Mir wurde erzählt, dass hier irgendein chinesisches Festival ist, daher ist noch einmal mehr Publikum da. In der ersten Etage von dem Komplex ist auch ein riesiger Foodcourt mit allen möglichen chinesischen, indischen und indonesischen Gerichten.
Das sieht doch alles sehr lecker aus, aber ich bin doch so pappsatt von dem Riesenportionen im Flugzeug, da muss ich noch etwas warten. 🤪
| Gigantische Ventilatoren |
Obwohl hier überall leistungsfähige Ventilatoren stehen, die einen wahren Sturm verursachen, ist es hier unglaublich heiß. Das ist natürlich einmal die Außentemperatur, dann kommt aber auch dazu, dass hier gefühlt auf der Etage 100 oder 130 Garküchen sind, und die kochen und braten alle auf Teufel komm raus.
Die kleine schmale Straße (5-foot-way) ist eine der ältesten Straßen hier im Viertel.
Die Straße heißt so, weil 1822 Stamford Raffles (das war quasi der Gründer von Singapur) verfügt, hat, dass die Geschäfte vor ihren Läden einen 5 Fuß breiten Weg zur Verfügung stellen müssten, der überdacht war. Das sollte die Fußgänger vor Sonne und Regen schützen, ist so auch Teil der allgemeinen Architektur in Singapur geworden.
| Diese Überdachungen sind wirklich angenehm |
Es war immer eine Straße, wo viele Händler ambulant ihr Geschäft aufgebaut haben, wo aber auch feste Geschäfte da waren und sie wurde im Volksmund die Todesstraße (death road) genannt, weil hier lange Zeit überwiegend Sargtischler und Begräbnisunternehmer waren, hier wurden teilweise auch die Essen veranstaltet, mit denen man sich von den Verstorbenen verabschiedet hat. Man hat einfach Tische und Stühle auf die Straße gestellt und gemeinsam getrauert.
Abends bin ich dann noch auf den Foodcourt gegangen. Das war wirklich nett, wenn auch warm. Es ist unheimlich wuselig, alle Leute laufen durcheinander, es ist ziemlich laut, aber das Essen kostet sehr wenig und an den großen runden Tischen kommt man schnell mit anderen Leuten ins Gespräch. Ich hatte ein leckeres Nudelgericht und ein Bier. Mal sehen, was morgen so passieren wird.
Singapur
Singapur ist ein Stadtstaat in Südostasien und eines der kleinsten, aber wohlhabendsten Länder der Welt.
Die Stadt ist bekannt für ihre Sauberkeit, strengen Gesetze und eine sehr niedrige Kriminalitätsrate. So gibt es ein Einfuhrverbot für Kaugummis und das Essen und Trinken in öffentlichen Verkehrsmittel ist ebenfalls verboten.
Singapur ist ein wichtiger internationaler Finanz- und Handelsplatz mit einem der größten Häfen weltweit.
Die Bevölkerung ist multikulturell; die Amtssprachen sind Englisch, Mandarin, Malaiisch und Tamil.
Trotz seiner Größe bietet Singapur viele Grünflächen, moderne Architektur und eine berühmte Esskultur. Die frühere britische Kronkolonie ist unabhängig von Malaysia und immer noch Mitglied im Commonwealth. 4 Millionen Menschen leben hier, davon fast 80% Chinesen, und 14% Malaien. Der Rest sind Inder und andere Nationen.
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