Donnerstag, der 7. Mai 2026 Treffen mit Jongkol
Ich habe morgens die Augen aufgemacht und vom Gefühl her sollte es 6:00 Uhr morgens sein, aber es war 9:20 Uhr. Vielleicht die erste Nacht wieder im privaten Schlafzimmer? Auf jeden Fall fühle ich mich großartig, ein kleines Frühstück, ein bisschen lesen und mir ging es gut, bis ich die Tür aufmachte.
Gestern hatte ich gedacht, so heiß ist es ja auch nicht, aber heute musste ich meine Meinung ändern. Es ist verdammt warm! Ich bin dann in Richtung Altstadt gegangen und stolpert da quasi über eine Menschentraube. Sie stand vor einem Kaffeegeschäft und warte geduldig darauf, dass ihr Kaffee fertig wird. Ich brauchte einen Augenblick, bis ich verstand, was da passiert.
| Innen: Warteschlange |
Diesen Kaffee kenne ich aus Indonesien, es ist ein extrem starker Kaffee, der mit viel gesüßter Milch und viel Eis gemacht wird. Das Ganze kommt dann in eine große Plastiktüte rein, zusammen mit einem Strohhalm und das ist, so erinnere ich mich zu mindestens in Indonesien, unvorstellbar lecker.
Hier war mir allerdings heute die Schlange etwas zu lang, vielleicht ein anderes Mal. Ich bin dann noch mal auf die Suche nach meinem Quarantäne-Hotel von 2022 gegangen und habe es dann im hellen auch sofort gefunden. Der Unterschied zwischen damals und heute ist sehr groß. Damals war ja alles tot, und heute ist es ausgesprochen lebendig.
In der Hitze gefällt mir ein Drachenfrucht Smoothie gut und kühlte zu mindestens Teile meines Körpers. Dann bin ich zum River gegangen, um nach Nonthaburi zu fahren. Die alten hölzernen Schnellboote auf dem Fluss sind das ultimative Verkehrsmittel in Bangkok. Kein Stau, keine Ampel, nichts. Die Maschinen sind sehr stark, und die Schiffe donnern dann mit ihren Passagieren über den Fluss. Die Boote haben ein Dach, aber keine Fenster, so dass der Fahrtwind ungehindert für etwas Kühlung sorgt.
Allerdings hat es heute auch schon geregnet, die Wolken sprechen auch eine deutliche Sprache und ich glaube nicht, dass ich heute den ganzen Tag trocken bleiben werde. Man merkt aber, dass die Saison vorbei ist. Das Schiff hält nicht an an allen Haltestellen und so kommen wir sehr zügig voran. Nonthaburi liegt ziemlich im Norden der Stadt, circa 20 km von der Altstadt entfernt.
Es ist ein alter Stadtteil und direkt am Jetty stehen auch ein paar alte Holzhäuser, wie sie früher immer gebaut worden sind. Ein Stück die Straße runter ist der Markt, der sich überdacht an der Straße entlang zieht. Hier gibt es natürlich wieder alles, von Rasierklingen über Damenunterwäsche bis zu Ladekabel für Smartphones und natürlich auch einen Bereich mit Obst, Gemüse und Fleisch.
| Schweinefleisch bei 35 Grad?? |
Der Markt ist ziemlich leer, was ich verstehe. Ähnlich, wie ich das aus der Sauna kenne, merke ich, wie mir am Arm und auch im Gesicht Tropfen herunterlaufen. Es ist ziemlich warm hier.
Ü
Auf der Suche nach etwas Kaltem habe ich mir zuerst eine Packung Melonenstücke geholt. Ein guter Anfang! Sie waren schön kalt und zuckersüß. Auf dem Rückweg von dem Markt musste ich mir dann aber auch noch einen Smoothie holen. Diesmal einen aus Erdbeeren. Vitamine sind wichtig!
Am Jetty hätte ich beinah einen Fehler gemacht. Das ist ein vielen Bootshaltestellen so, dass da zwei Verkaufsausschalter sind. Einer gehört zu einer privaten Gesellschaft und die Fahrt mit deren Boten in die Stadt kostet umgerechnet 16,50 Euro. Die andere Gesellschaft ist eine städtische und sie ist vom Prinzip bei dem Personenverkehr verpflichtet. Hier kostet das Ticket 50 Cent.
Apropos Geld: der alte König Bhumibol ist von dem Geldschein mittlerweile komplett verschwunden und ersetzt worden durch den neuen König, der seinen Hauptsitz am Starnberger See hat. Er ist nicht sehr beliebt hier! Aber Majestätsbeleidigung steht immer noch unter sehr strenger Strafe (bis zu 15 Jahre) in Thailand.
Obwohl die Wolken sehr dunkel sind und es ab und zu donnert, hat es hier nicht geregnet. Als ich dann auf das Boot gehe, sind auf der linken Seite fast alle Sitze besetzt und die rechte Seite ist frei. Ich kann mir gut vorstellen, dass die einheimischen Wissen, wo hier der Wind herkommt und was die bessere Seite bei Regen ist. Deshalb will ich auch nicht schlauer sein als der Rest und setz mich ebenfalls links hin.
Im Laufe der Fahrt setzt sich ein junges Mädchen neben mich. Eine hübsche Thai, vielleicht 20 Jahre alt, und nach wenige Minuten fragt sie, ob sie ein Selfie mit mir machen dürfte.
In Thailand ist mir das neu, aber in Indien und vor allem in Indonesien kommt das sehr häufig vor. Ganze Familien haben sich da mit mir zusammen fotografieren lassen. Aber das Mädchen war nett und sah auch nicht so aus, ob sie das professionell macht und ich sagte okay. Ich bat sie dann aber auch mir das Bild zu schicken und jetzt habe ich ein schönes kompromittierendes Foto, mit dem ich unter Umständen auch meine Frau zu Hause ein bisschen unter Druck sitzen kann. Auf dem Weg vom Pier zurück in meine Unterkunft wurde ich gleich zweimal angesprochen wegen meiner Tätowierung.
Ich trage heute ein ärmelloses Hemd, so dass man sie gut sehen kann. Auch dass ist mir schon mal passiert und auch diese beiden Male war es so dass die beiden Männer, die mich drauf ansprachen, aus Burma kamen. Und sie konnten das natürlich lesen und stellten die beliebteste Frage die ich auch schon oft von Burmesen gehört habe: weißt du was das heißt? Nun ja, wäre ja schlimm, wenn ich das nicht wüsste.
Für heute Nachmittag und auch Abend ist ein Treffen mit meiner Freundin Jongkol und ihrem Mann geplant. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren und haben uns mal bei einem Workshop auf Konzernebene kennen gelernt. Sie war damals Vertriebschefin der World Gas, die damals noch zu dem gleichen Konzern angehörte, wie die Firma für die ich gearbeitet habe. Ich habe sie öfters besucht, auch mit Dagmar zusammen und jetzt haben wir uns schon viele Jahre nicht mehr gesehen und freuen uns glaube ich beide auf ein Wiedersehen.
Der Himmel wurde dunkler, als ich darüber nachdachte, loszugehen. Also schwenkte ich um auf Taxi. Ich rief mir einen Bolt, das ist hier das Äquivalent zum Uber und der brachte mich zu dem Restaurant in der Nähe vom Chaopaya River. Ich war 10 Minuten zu früh da, und während ich wartete, öffnete den Himmel seine Pforten. Aber richtig!
Der Regen hier in Südostasien ist vielleicht anders als bei uns in Deutschland. Um diese Jahreszeit regnet es sehr häufig, aber meistens nur für 1 Stunde und dann ist die Welt wieder in Ordnung. In der Stunde kommt aber so viel Wasser runter wie bei uns in 5 Stunden. Aber ich konnte mich gut unterstellen von daher war das kein Problem.
Meine Freunde Jongkol und Paitoon kamen und wir gingen in das Restaurant. Jongkol ist etwas verrückt um das mal ganz vorsichtig zu sagen aber vielleicht macht sie das auch liebenswert. Sie ist unglaublich hektisch und unglaublich trifft das nicht ansatzweise. Sie springt von einem Gedanken zum anderen, ändert ihre Meinung sehr schnell und es ist manchmal schwierig, ihr zu folgen.
Sie ist in Russland, in England und hier in Thailand aufgewachsen und man sollte meinen, dass ihr Englisch gut zu verstehen ist. Sollte man meinen. Dazu spricht sie natürlich auch sehr schnell, so dass eine Unterhaltung mit ihr schon mal sehr anstrengend werden kann.
Aber wie gesagt, ich mag sie.
Sie ist ungeheuer großzügig und fragte mich, was ich essen wollte. Ich sagte gegrillter Tintenfisch wäre schön.
Was noch? Ich meinte ein bisschen Reis?
Was noch? Ein Papaya Salat.
Was noch…
so ging das die ganze Zeit weiter, bis wir neun Gerichte zusammengestellt hatten. Mir war aber schon klar, dass das nicht für mich war, sondern für uns.
| Da fehlten noch einige Gerichte… |
Hier ist man gerne sehr gesellig, jeder bestellt etwas und man teilt sich alles. Ungewöhnlich ist nur, dass der einzige, der was aussuchen durfte, ich war. Aber offensichtlich war ich wohl der Gast des Abends und durfte das tun. Von der Menge her war es trotzdem etwas, was sechs Leute leicht hätte satt machen können. Und es war wirklich sehr sehr sehr sehr lecker.
Ihre Interessen sind sehr vielfältig. Sie kennt die Weltwirtschaft sehr gut und wir haben uns lange über die politische Situation zwischen China, den USA und Russland unterhalten. Ihr Vater war Botschafter in England und in Moskau, von daher ist sie relativ weltgewandt und vielfältig interessiert. Manche unsere Einschätzungen decken sich auch, manche nicht. Aber Toleranz auf beiden Seiten macht das nicht so ein Problem.
Viereinhalb! Stunden später war unser Treffen beendet und wir verließen das Restaurant. Paitoon ließe sich nicht nehmen, mich noch nach Hause zu bringen und ich habe noch nie jemanden gesehen, der so schlecht Auto fährt. Wir waren in einem ziemlich großen Toyota und Paitoon hielt die selbstgewählte Schallgrenze von 16 km/h auch in dem hektischen Verkehr von Bangkok ziemlich präzise ein. Er hatte auf Google Maps meine Adresse eingegeben und guckte sich auf dem winzigen Displays seines Handys die Strecke an, bat mich aber dann, ihn zu lotsen. Auf die Idee einfach den Start Button zu drücken kam nicht.
Also machte ich die Ansagen: 300 m geradeaus, nächste rechts im Kreisverkehr die zweite rechts und so weiter. Für mich war das einfach, weil ich zwischen jedem Manöver durch die langsame Fahrweise sehr viel Zeit hatte. Aber er hat mich gut nach Hause gebracht und ich hatte mit den beiden einen wirklich schönen Abend.
Der war aber noch jung. So beschloss ich, noch mal zur Khao San Road rüber zu laufen und da habe ich dann auch noch ein Bier getrunken. Heute war ich später da als gestern und der Grad der Verrücktheit war noch mal um einiges höher. Es waren mehr Leute unterwegs, die Musik war deutlich lauter, die Bässe viel tiefer, es waren mehr Schlepper da und die Tänzerinnen (es waren nicht alles Frauen) vor dem Bars hatten sich auch verdreifacht.
Aber ich bin in dieses Bad eingetaucht und habe mich wohl gefühlt. In das Bad eintauchen hat auch noch eine andere Bedeutung. Die Temperatur war gesunken. Es waren jetzt um 11:00 Uhr abends nur noch 30°. Ich blieb noch eine knappe Stunde und bin dann in Richtung Hostel gegangen.
Auf dem Weg zurück in meine Unterkunft bin ich an einer Kneipe vorbeigekommen, vor der mehrere Autos standen. Das war fast, wie eine Zeitreise in eine Zeit, als die Autos noch irgendwie Charakter und auch Farben hatten. Offensichtlich ein Treffen von Volkswagen Freunden mit ihren Spielzeugen. Fantastisch!
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