Dienstag, 5. Mai 2026 Blick von oben und viel Regen

27 Grad um 7:30. Der Tag beginnt. 

Mein Dorm



Bisschen unordentlich



Die Sanitäreinrichtungen hier sind ja nicht so meins, aber das Personal ist unglaublich nett. Nicht nur, dass mich jeder mit Namen anspricht oder, wenn ich reinkomme, mich jeder einzelnen begrüßt, heute Morgen hatte ich mir mein Frühstück bestellt und bekam meinen Kaffee und mein Toast mit Rührei von einem Mädchen, dass ich noch nicht kannte. 


Sie aber wusste auch meinen Namen, und das Gedeck stand vielleicht 5 Sekunden, dann kam ein mir bekannter Angestellter und sagte, hattest du nicht gestern Zucker für den Kaffee gewollt? 

Willst du heute vielleicht auch Zucker? 

Und dann schickte mir das Mädchen noch mal vorbei, dann eben mit Zucker und Löffel zum umrühren. Diese Aufmerksamkeit finde ich sehr außergewöhnlich! 

Ewig lange Gänge unterirdisch



Putzroboter!



Aber nach dem Frühstück, ist vor dem Frühstück, und so ging ich erst mal wieder zu meinem Foodcourt, um doch noch mal diesen dreifarbigen Kaffee zu kaufen. Lecker! Ich habe jetzt mal nachgefragt, und wenn ich es richtig verstanden habe, ist der Kaffee drin, diese gesüßte Milch und Kokosmilch. Gewagte Kombination!



Der Skyway


Es tropft und es ist kühl





Ich bin dann zu dem Super tree Skyway gegangen. Die Hitze ist ziemlich unerträglich. Leider habe ich vergessen, den Hut mitzunehmen. Zu dem Skyway kommt man, indem man in einen von den Super Trees geht, der innen drin einen Aufzug hat. 

Wenn man da wartet, hört man die ganze Zeit Wasser tropfen. Natürlich wird diese ganze Anlage, die von außen begrünt ist, auch entsprechend gewässert, deshalb ist auch alles so herrlich grün. Und hier, nur 2 m vom Eingang entfernt, ist es auch deutlich kälter. Da spielt natürlich der Schatten einer Rolle, aber ich weiß auch, dass die Beschattung durch Bäume oder Pflanzen sehr viel Kühle bringt. 


Oben angekommen (und es ist nicht der höchste Baum) schaut man auf den Dschungel unter einem. Es ist nicht nur ein ganz toller Blick, sondern hier oben geht auch eine kleine Spur von Wind, die das Leben etwas angenehmer macht.









Der Blick ist spektakulär. Da ist natürlich einmal der Park unten, der von hier oben auch noch irgendwie farbiger aussieht und der sehr beeindruckt mit dem kräftigen Grün, das er überall zeigt. 

Bei der Hitze! 

Dann sind da natürlich noch die Super Trees, die man jetzt wieder aus einer anderen Perspektive sieht und vielleicht ist gerade der Punkt, dass der natürliche Bewuchs ziemlich weit oben aufhört und dann die Strahlkonstruktion sichtbar wird, reizvoll. 


Der Skyway ist in einem großen Bogen zwischen zwei der Super Trees aufgehängt und hängt an dünnen Stahlseilen. Schon im Reiseführer stand, dass das Schwingen der Brücke für manche unheimlich sein könnte. 


Mir macht so etwas nichts, aber ich weiß, dass meine Frau hier Panik kriegen würde. Man sieht natürlich von hier aus die Hochhäuser der Stadt, aber man sieht auch die Kräne des Hafens, das Meer und auch ein paar Schiffe, die draußen vor Anker liegen. Der Blick ist wirklich toll und ich genieße es sehr.





Der Flyer



Orchideen



Man kommt sehr nah an den Baumwipfeln der Super Trees vorbei und kann feststellen, dass die Vögel diese Infrastruktur auch annehmen. Hier oben sitzen welche uns singen aus Leibeskräften. Hier oben wachsen auch einige Orchideen, die Samen werden vom Wind hierher getragen und mit etwas Glück können Sie sich festsetzen und hier wachsen und blühen.


Ich habe heute noch mal einen guten Übersichtsplan gefunden, wie hier mit der Energieversorgung umgegangen wird. Die Kette sieht wie folgt aus: 



Die Biomasse wird gesammelt aus den ganzen Parks und Haushalten, die es hier gibt und von allen anderen Stellen die Biomasse erzeugen. Die kommt in einen großen Kocher hinein. Der treibt dann mit seiner Energie einen Generator an der wiederum liefert Strom für das Elektrische Netzwerk. Daneben gibt es noch einen Wärmetauscher der thermische Wärme und Kälte erzeugt. Thermische Wärme wird natürlich genutzt, da, wo Wärme gebraucht wird, und die Kälte wird genutzt in den umliegenden Häusern und in den großen Hallen der U-Bahn und so weiter. 


Die überflüssige Hitze wird durch die Super Trees abgegeben und weit nach oben geführt und last but not least wird die Asche aus der Biomasse für „grünen Zement“ verwendet. Man erzeugt hier 500.000 t von Biomasse und damit kann man die CO2 Emissionen der Stadt um 13.300 t reduzieren. Das ist schon eine Hausnummer!




Ich hatte das gestern schon gesehen, dass neben den sehr vielen Kunstwerken, die hier überall im Park stehen, auch anlässlich einer Ausstellung 110 Objekte von Botero, den ich ja schon aus Kolumbien kenne, hier aufgestellt hat. Angesichts der Größe der Objekte sicherlich ein größeres Projekt!


Ich mache mich dann auf zum Sand. Das ist dieses berühmte Haus hier. In „Jim Knopf und die wilde 13“ gab es einen Scheinriesen. Er war ein Riese, aber je näher man kam, umso kleiner wurde er. Hier ist die Welt wieder in Ordnung. Das Gebäude ist hoch, und je näher man kommt, umso höher scheint es.




In der Mall bin ich dann noch mal kurz für kleine Königstiger gegangen. Nicht, weil ich so dringend gemusst hätte, aber hier gab es eine Chance, sich etwas kaltes Wasser über die Arme laufen zu lassen und das tat ich auch. 

Dann gab es hier einen Trockner von Dyson, da habe ich mir die Hände getrocknet, aber, weil die Luft auch so schön kalt war, habe ich auch meine Brust und meinen Bauch da drunter gehalten, weil auf meinem Hemd nur in der Mitte noch ein trockener Fleck war.


Der Weg führte dann durch das Hotel und ja, mir war klar, dass ich hier die Kleiderordnung nicht ganz einhalte. 


Das scheint ja richtig teuer zu sein. 


Mit 35 $ ist der Eintritt auch nicht geschenkt, aber es ist mir das wert.

Der Aufzug hat nur zwei Knöpfe: 1 und 56. Wir fahren dann zum 56. Stockwerk und der Aufzug ruckt nur einmal ein kleines bisschen. Dann hat man eher das Gefühl, dass er sich gar nicht mehr bewegt, nur als die Ohren anfangen, zu knacken, weiß man, dass man hochfährt. 







Die Apple-Kugel






Oben dann, auf 200 m, ist eine andere Welt. Es ist ein fantastischer Blick über die Stadt aber wenn man runterschaut, sieht die Bay eigentlich ziemlich klein aus. Dafür habe ich gestern ganz schön lange gebraucht, um da rum zu laufen und auch die Kugel von Apple sieht sehr klein aus von hier aus. 


Natürlich sieht man den Hafen und die Schiffe und die Unmenge von Hochhäusern in der Stadt.

Von hier oben kann man auch toll sehen, wie viele Schiffe da in der Straße von Melaka vor Anker liegen. Wie mag das erst in der Straße von Hormus aussehen?









Auch die Super Trees sind natürlich von hier aus zu sehen und hier wirken sie jetzt doch viel kleiner. Daneben sind die beiden großen Hallen, in einer davon ist ein 35 m hoher Indoor Wasserfall. In beiden allen zusammen sind anderthalb Millionen Pflanzen aus aller Welt ausgestellt. Noch so eine Superlative hier in Singapur.


Der Singapur Flyer ist mit 165 m Höhe natürlich quasi unter uns. Also habe ich alles richtig gemacht. 


Keine Superlative dagegen ist der Bierpreis hier oben in der Bar. Eine Dose Heineken kostet zehn Dollar, das finde ich für so einen Hotspot sehr okay! 


Aber wenn ich bei der Hitze und um diese Uhrzeit jetzt eine Dose Bier trinken würde, da könnte ich mir auch gleich die Kugel geben.


Hotelgäste


Teure Geschäfte…



Von hier aus kann man noch einmal 26 Stufen höher gehen auf ein Observation Deck und ist wieder etwas näher an der Sonne. Von hier aus kann man dann auch das Hotel mit den Gästen im Pool sehen und stellt fest, dass es den Leuten dort gar nicht so schlecht geht. Man hat aber auch fast das Gefühl, dass man hier näher an der Sonne ist. Die Kamera, sie hat ein silbernes Metallgehäuse, ist schon unangenehm warm.


Von hier aus kann man auch ein Stückchen von Malaysia sehen. Wenn man an den Hochhäusern von Singapur vorbei kuckt, sieht man weiterhin etwas Wald und ein paar Häuser, das ist Johor Bahru, und 5 km dahinter ist Melakka, wo ich 2013 gewesen bin.


Die Fahrt runter war so, wie die Fahrt hoch. 

Der Aufzug ruckte sehr weich an und das Bremsen hat man so gut wie nicht gemerkt. Wieder nur der Druckausgleich in den Ohren. 


Ich war auch heilfroh, wieder im Schutz der Klimaanlage zu sein und von hier aus kann man auch sehr gut durch die Shopping Mall in die MRT und von da aus, dann nach Maxwell. 


Eigentlich ist es schade, dass ich hier nur ein paar Tage bin. Das gilt auch für die anderen Orte. Sobald ich mich einigermaßen mit der U-Bahn auskenne, fahre ich wieder weg und lerne ein neues Verkehrssystem kennen. Naja, man bleibt im Training!


Der Foodcourt war mittags brechend voll. Ist mir unverständlich, wie man bei der Hitze etwas warmes essen kann, aber es scheint ja zu gehen und ich mache es ja auch. 





Teilweise stehen vor den einzelnen Garküchen 15 oder 20 Leute in langen Schlangen, so dass man kaum durchkommt. 


In jeder der 3 Hallen hängen etwa 30 Ventilatoren an der Decke und zusätzlich sind noch welche an den einzelnen Garküche. Sie bringen sich fast um, um irgendwie Luft in die Gänge zu kriegen, aber es ist buchstäblich ein Kampf gegen Windmühlen.

Ich habe mir eine Kha Kai Suppe bestellt. Dazu die Worte Medium Spicy. Sie erinnert mich ein bisschen an das Amok aus Kambodscha. 



Eine Suppe auf der Basis von Kokosmilch mit dem typischen Tom Yam Gewürz und Pilzen, Chilis und anderem kleineren Gemüse. Ich hatte der Köchin gesagt, dass ich es medium Spicy haben will, aber ich glaube, das müssen wir noch mal diskutieren. 


Dazu gab es einen Schüssel Reis und zuerst dachte ich, den brauche ich nicht. Dann hab ich aber schnell gemerkt, dass der Reis die Schärfe ziemlich stark dämpft und habe ihn noch ganz aufgegessen. Das Bier, dass ich dazu getrunken habe, habe ich gar nicht gemerkt. Das ging so zwischendurch im kleinen Schlucken weg und wird mir gleich zu einem sehr angenehmen Mittagsschlaf verhelfen.


Nach der obligatorischen Pause um die Mittagszeit bin ich dann noch mal zu meinem Markt gegangen und habe dort wieder einen dreifarbigen Kaffee getrunken und bin danach zu MRT Chinatown spaziert, um von da aus nach Little India zu fahren. 





In der U-Bahn-Station entdecke ich dann Werbeanzeigen von Kreuzfahrten, die zum Beispiel zehn Tage lang Schlösser am Rhein besuchen wollen, die fahren von Holland durch Deutschland und Frankreich bis in die Schweiz oder ein anderes Angebot offerierte acht Tage klassische Weihnachtsmärkte von Nürnberg bis Frankfurt am Main. Jetzt weiß ich auch, wovon die Leute in Singapur  so träumen.


Als ich in little India ankam, war da ein ungewohntes Geräusch. Ein lautes Rauschen. 


Es war ein ernstzunehmender Wolkenbruch, gemischt mit etwas donnern und ein paar Blitzen. 


Weltuntergang in Singapur. 






Jetzt blieb mir erst mal nichts anderes übrig, als an der MRT Station zu warten, bis sich die Lage entspannte. Im Prinzip kann man hier vom schwitzen nass werden oder vom Regen. Die haben echt an alles gedacht!


Hier sind auch noch die alten Shophäuser, kleine Häuser, nur ein Erdgeschoss mit einem Geschäft unten und oben drüber, dann die Wohnung. Sind sehr standardisiert gebaut worden, nur dann mit individuellen Dekorelementen. Darunter dann immer dieser 5 Fuß breite Gehweg, der dafür sorgt, dass der Fußgänger im Schatten und auch trocken hier langgehen kann.


Ich hatte eine Viertelstunde oben gewartet, dass der Regen aufhört, aber den Gefallen tat er mir leider nicht. Dann bin ich wieder zwei Rolltreppen runtergefahren in die MRT, weil hier ein Temperaturunterschied von 12-15° war und ich mich da doch etwas wohler fühlte. Hier unten bei den unterprivilegierten Arbeitern, die auch hier ihre Nachtruhe verbringen.

Roboter beim schlafen…



Nach einer halben Stunde hab ich dieses Experiment abgebrochen, weil es nicht aufhören wollte, zu regnen. Ich bin dann wieder in die angenehme Kühle der MRT geflohen und zurück nach Chinatown gefahren.


Speziell jetzt, nach dem starken Regen und bei der großen Hitze ist der Übergang von der kalten MRT in die Realität der Hammer. Es trifft einen wirklich wie ein KO-Schlag, es scheint so, als ob die warme Schicht eine harte Grenze mit der kalten Schicht bildet. Während die Beine noch im Kalten sind, trifft die warme Luft den Kopf und den Oberkörper wie ein Schlag. Es ist in Wahrheit natürlich nur die empfundene Hitze durch die extreme Luftfeuchtigkeit nach dem Regen.







Was die alten Stadtteile China Town und Little India gemein haben, sind die alten Häuser mit den sehr schönen Fronten. Die Fassaden sind alle noch im alten Stil und bilden einen sehr interessanten Kontrast zu dem der modernen Architektur.

Mein Ausflugterplan war nun, an der MRT Station Chinatown in den McDonald’s zu gehen, um da noch gemütlich für ein Eis zu essen. 


Das tat ich dann auch und es hat gut geschmeckt. 


Allerdings hat das Gewitter die Zeit genutzt und ist von Little India nach Chinatown gezogen, um hier mit noch größerer Intensität zuzuschlagen. 


Das Donnern war so gewaltig und kam auch so plötzlich, dass man wirklich zusammenzucken musste. Zudem wurde der Donner durch die großen und glatten Fensterflächen der Hochhäuser auch noch verstärkt, so dass das Knallen noch viel gewaltiger war. 


Und der Regen hier konnte auch mehr, als der in Little Indien. Jetzt stand ich also hier und wartete. 


Aber nicht lange. Das Hemd, dass ich heute trug, ist sehr dünn und trocknet sehr schnell. Das muss es jetzt auch, denn ich bin ziemlich nass geworden. Ich muss allerdings zugeben: es war erfrischend!

Abends noch essen mit einem anderen deutschen Solo-Reisenden



Mein Besuch in Singapur geht jetzt zu Ende. Neben Korea war das auch eine große Überraschung für mich in Bezug auf Erwartung und Realität. 


Ich habe dank der „Fusion“ von chinesischer, indischer und malayische Küche auf der ganzen Reise nicht so gut gegessen wie hier. 

Und nachdem hier alles sehr teuer ist, habe ich auch nirgends so günstig gegessen wie hier, denn die Foodcourts sind wirklich unschlagbar! 


Jetzt bin ich noch eine Nacht hier und morgen früh geht es dann zum Flughafen. Leider gibt es hier für den Flug keinen online Checkin, also muss ich zeitig da sein, aber das bekomme ich hin. In diesem Fall bedeutet „zeitig da sein“, dass ich um 9:00 Uhr hier losfahren muss. Das schaffe ich


Singapur ist nicht meine Lieblingsstadt (das ist immer noch Buenos Aires) und ich werde wahrscheinlich auch nicht noch einmal hierher kommen. Aber ich bin heilfroh, dass ich hier gewesen bin, denn es ist eine Boah - Stadt. Boah, ist das beeindruckend, boah, ist das groß, boah, ist das essen lecker, boah, ist das heiß hier, boah, sind die Leute freundlich und hilfsbereit, und vor allem die Qualität des Stadtkonzeptes ist boah.

Und wenn ich wenigstens einmal meckern darf, dann war es die Sanitär Einrichtung in meinem Gästehaus, aber das hat der Wirt doch mehr als wettgemacht. Er und sein Team waren super freundlich super hilfsbereit und haben tolle Tipps gegeben für den Besuch der Stadt. Singapur ist für mich ein Must See! Und so 3-4 Tage braucht man schon dafür.


Aber ich lasse hier etwas zurück. Es ist nicht unbedingt mein Herz, sondern es sind meine Schuhe. Ich habe neben den Sandalen noch meine alten Laufschuhe dabei gehabt. In Korea und teilweise auch noch in Taiwan haben sie bei mir zusammen mit Socken für warme Füße gesorgt. Sie haben aber auch schon über 2500 km runter, und bei meinem Gangbild heißt das: hoher Verschleiss. Aber so finden sie Ihr Ende in einem warmen, freundlichen Land. Das haben sie verdient! Zuhause warten schon nagelneue Schuhe auf meine Runden am Rhein und mein Rucksack ist wieder etwas leichter geworden.




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