Mittwoch, 6. Mai 2026 Weiter nach Thailand
Thailand war das Land, das ich als 2. besucht habe und in meinen letzten Pässen waren zusammen über 20 Einreisestempel vermerkt. Einerseits war ich oft in Thailand, aber ich habe Bangkok auch oft als Zwischenstation (für 2-3 Tage) genutzt. Irgendwie kann ich aber bei jedem Besuch in der Hauptstadt etwas neues entdecken. Thailand ändert sich sehr stark, aber es ist immer noch ein gutes Land und das Leben und Reisen macht Spaß. Die sollten nur mit diesem Krieg mit dem Nachbarland aufhören….
Letzter Tag in Singapur. Ich habe super tief geschlafen, bin aber schon um 5:00 Uhr wach. Danach döse ich noch, aber um kurz nach sieben stehe ich dann drauf. Das Bad gehört mir alleine und das ist auch gut so, da der Schlafsaal voll besetzt ist.
Frühstück gibt es erst ab acht, aber die Crew ist so nett, es mir auch schon früher zu servieren. So kann ich noch in Ruhe lesen, bevor ich mich dann endgültig auf den Weg mache.
Mirza, meine Reisebekanntschaft der letzten Tage stürzt extra aus dem Bett, um mich zu verabschieden. Auch Dean, der Wirt von dem Gästehaus, verabschiedet mich sehr herzlich.
Dieses Mal muss ich zum Terminal vier, das ist wohl weiter draußen. Erst ein Stück MRT, dann noch ein längeres Stück mit dem Bus bis Terminal drei, dann mit einem Shuttle Bus zum Terminal vier.
Kompliziert, aber ich bin einigermaßen gut in der Zeit und hoffe, dass es klappt.
Ich bin heute zum ersten Mal hier mit einem Bus gefahren und ich gebe zu, erst heute Morgen habe ich mir die Frage gestellt, ob ich hier auch so ganz einfach mit meiner Kreditkarte bezahlen kann. Reichlich spät, wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist, aber mein Optimismus war berechtigt.
Angekommen am Terminal drei vom Flughafen musste ich feststellen, dass die Internet-Beschreibung vielleicht nicht ganz richtig war. Aber einer der (ich denke es war ein Wachmann) hat mir nicht nur erzählt, wie ich zu dem Shuttle-Bus komme, sondern er hat mich auch ein kleines Stück des Weges gebracht, bis ich die ersten Schilder sehen konnte. Diese Freundlichkeit…
Aber dann klappte es. Der Bus stand schon da und fuhr eine Minute später los und so war ich noch vor zehn in der Warteschlange am Schalter von Thai Lion Air. Jetzt habe ich noch etwas über 2 Stunden Zeit, von hier aus durch die Security und durch die Ausreise zu kommen, das sollte klappen. Ich werde zwar gleich noch etwas hier rumhängen, aber das ist mir egal. Hauptsache, stressfrei!
Eine kleine Schrecksekunde gab es noch. Als ich in der Schlange stand und meinen Pass rausholte, fiel mir ein, dass ich irgendwo gelesen habe, dass man für die Ausreise hier mindestens zwei freie Seiten in seinem Pass braucht. Bei mir ist zwar (leider) noch relativ viel frei, aber komplett freie Seiten habe ich nur noch eine. Auf den anderen, hinteren Seiten, haben irgendwelche Zollbeamte, die keine Lust hatten, lange zu Blättern, Stempel reingemacht. Spannend!
Und ich sollte Recht behalten. Beim einchecken wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, dass ich mir bald einen neuen Pass besorgen müsste. Dann mit anklagendem Gesicht: Only One Page!!
| Mein Name musste wieder korrigiert werden…. |
Aber das Abenteuer sollte eine andere Wendung nehmen. Die Ausreise ist mittlerweile aber auch an vielen Flughäfen völlig automatisiert, wenn man den Reisepass mit dem Chip hat. Das Ganze dauerte vielleicht 10 Sekunden, und ich war raus. Danach kam dann die Security und hier begann mein Problem.
Meine Schultertasche ging ohne Probleme durch und Herr Rucksack wurde ausgesondert. Die sehr freundliche Zollbeamte meinte, da sei ein Messer oder irgendetwas spitzes sehr weit unten drin. So etwas habe ich natürlich nicht, und ich dachte zuerst, irgendwas in meiner kleinen Elektrotasche, wo die ganzen Kabel und alle möglichen Ladegeräte drin sind.
Aber sie meinte nein, es sei in der Mitte des Rucksacks. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als den gesamten Rucksack auszupacken.
Coole Nummer! Und dann plötzlich hatte ich es in der Hand. Ich gebe zu, ich hatte es völlig vergessen.
Auf einem Markt in Busan in Korea gab es ein paar nette Gegenstände zu kaufen und dort habe ich eine sehr hübsche kleine Phurba erstanden.
Das hat zwar wenig mit Korea zu tun, sondern eher mit Tibet, aber ich mag diese Kultgegenstände.
Jetzt muss man wissen: Ein Phurba (auch Phurpu oder Kila) ist ein dreiseitiger Ritualdolch aus dem tibetischen Buddhismus, Bön und Schamanismus, der als mächtiges Werkzeug zur Zähmung von Dämonen, Beseitigung von Hindernissen und Transformation negativer Energien dient. Er wird oft in tantrischen Ritualen verwendet, um spirituelle Hindernisse zu durchtrennen und Schutz zu bieten. Wenn man die Phurba an einer Ecke seines Grundstücks in die Erde rammt, ist das Grundstück und alle, die dort sind, geschützt! Ein mächtiger Zauber!
Das war also mein Problem. Nun muss ich sagen, dass das keine echte Phurba war, sondern eine nachgemachte. Und sie war auch nicht scharf, und sie war auch nicht sonderlich spitz.
Sie war einfach nur hübsch und circa 6 cm lang.
Aber die wackere Zöllnerin ging damit offensichtlich zu ihrem Chef und der genehmigte das dann.
Meine letzten 6$ habe ich dann in Pommes Frites mit Käsesauce investiert. Das war das Einzige, das man hier für die Summe bekam und der Burger King war auch der Einzige Shop, der Barzahlung akzeptierte.
Es war eine völlig neue Erfahrung für meinen Magen, speziell um diese Uhrzeit.
Der Flieger war voll, aber der Mittelsitz in meiner Reihe war frei! Super!
Der Flug hat geklappt. Wir sind angekommen an dem alten Flughafen und während die Abflughalle neu gemacht worden ist, ist die Ankunftshalle immer noch so wie früher. Welcome Home! Die Immigration ging blitzschnell, viel schneller, als dass ich das von früher kenne, die Automatisierung trägt ihre Früchte. Die Simkarte hatte ich schon in Singapur aktiviert, und so war ich auch hier direkt wieder online.
Jetzt schnell zum Geldautomaten Geld holen und dann den Bus suchen, der in die Khao San Road fährt. Von da aus müsste ich dann laufen, allerdings bin ich da nicht so scharf drauf, weil es gerade angefangen hat, zu regnen. Es scheint das gleiche Gewitter zu sein, dass gestern in Singapur gewesen ist. Alte Bekannte!
Ein Taxi von hier aus in die Stadt kostet 300-400 Baht, wenn der Taxifahrer ehrlich ist. Aber das letzte ist natürlich ein Oxymoron, Taxifahrer und ehrlich. Sie sind nicht ehrlich, wenn sie einen Touristen oder schlechtes Wetter wittern. Dann gewinnt die Gier. Das ist aber fast überall in der Welt so.
Es gibt einen Bus, den A4, der fährt auch in die Stadt. Wenn er fährt. Durch das Unwetter gibt es wohl einen riesigen Verkehrsstau und eine nette Frau sagte mir, das mag noch eine halbe Stunde oder länger dauern, bis der kommt und dann weiß man nicht, wie lange er braucht, um in die Stadt zu kommen.
Welche Alternative habe ich? Ich kann mit der MRT fahren, müsste aber umsteigen. Nun, das ist überhaupt kein Problem also bin ich mal eben zu der MRT rübergegangen. Mal eben heißt hier 700 m. Das ist ein ordentliches Stück, aber zumindest ist es hier klimatisiert, dann tut es nicht ganz so weh.
Die Schlange an der Kasse war lang und als ich dann mein Handy vorzeigte zum bezahlen, sagte er. Nein, das wollte er nicht.
Ob ich eine physikalische Karte habe? Ja sagte ich, die habe ich auch. Dann bräuchte ich hier nichts zu stehen, meinte er, sondern könnte direkt zur Schranke gehen.
Es ist offensichtlich das gleiche System wie in Singapur, nur, dass es hier nicht mit Handys funktioniert also nicht mit Apple Pay, sondern lediglich mit Kreditkarten. Wenn man das weiß, ist das cool!
Die MRT hier hat eigentlich einen guten Ruf, sie ist sehr schnell und sehr sauber, steht also den in den anderen asiatischen Ländern auf keinen Fall etwas nach.
Und von der Sam Yot , wo ich hinfahre, kenne ich noch halbwegs den Weg in das Gasthaus, wo ich schon mal gewesen bin. Auch ein Vorteil. Aber jetzt will ich auch langsam ankommen.
Die rote Linie fährt überwiegend überirdisch auf hohen Stelzen, die hoffentlich erdbebensicher gebaut worden sind. Seit meinem Besuch mit dem in dem Erdbebenmuseum bin ich sensibilisiert.
Trotzdem war die Fahrt sehr lange, die MRT macht einen ziemlichen Umweg bis sie nach Sam Yot kommt. Aber ich bin angekommen.
Meine erste Aktion galt jetzt meiner Ausrüstung. Meine Hose hat eine Baggytasche und in der Tasche ist noch mal eine Spezialtasche für ein Handy, damit das nicht so hin und her fliegt in der Tasche.
Äußerst praktisch!
Aber leider war diese Innentasche eingerissen und jetzt suchte ich jemanden, der sie mir repariert. Ich fragte in der Nachbarschaft nach einer Näherei und eine Frau, wies mich an, ihr zu folgen.
Sie brachte mich zu einer Näherin, die einen kleinen, uralten Shop hatte. Die Frau, die mich dahin gebracht hat, hatte einen circa elfjährigen Dauni bei sich und die Näherin hatte eine auch circa zwölf Jahre alte Dauni, eine Tochter oder Enkelin. Die Näherin schaute sich die Hose an und meinte 50 Bath. Das ist okay und die beiden unterhielten sich auf Thai und ich kriegte natürlich nichts mit.
Dann stieg der Preis auf 100 Baht. Dann fing meine Frau, die mich hier her geleitet hat, an, auf die Kleidung ihres jungen Begleiters zu zeigen, mal auf das Hemd, mal auf die Hose.
Ich verstehe keinen Thai, aber ich denke es ging darum, dass ich auch hier etwas sponsern sollte. Offensichtlich hatte sie einen Geldgeber entdeckt!
Da hatte ich aber wenig Lust zu. Es ist mir gelungen, dem Ganzen zu entkommen und erst mal wieder in meine Unterkunft zu gehen. Jetzt hatte ich noch meinen alten Rucksack, der auch schon große Schwachstellen zeigte. Die Gelegenheit war günstig, und so schnappte ich mir in einem zweiten Anlauf den Rucksack und brachte ihn zu der Näherin. Sie verstand auch sofort, was ich von ihr wollte, und macht sich an die Arbeit. Das ganze machte sie mit einer mechanischen Nähmaschine von Brother, noch klassisch mit dem Fußantrieb.
Sie hatte sich irgendwie am Auge verletzt und trug eine Augenklappe, musste das Ganze also mit einem Auge machen. Das mit dem Einfädeln des Ganrs in die Nadel funktionierte schon mal nicht. Aber sie öffnete die Türe nach draußen, rief über die Straße einen Nachbarn zu sich, der das machen musste.
Problem gelöst. Dann fing sie an zu nähen, aber der Stoff vom Rucksack war zu dick und so musste sie nach einiger Zeit aufgeben. Ich hab ihr einen Hunderter gegeben, weil sie wirklich freundlich und hilfsbereit war und weil sie es zumindest versucht hat. Ich muss jetzt weiter suchen.
Zum Abendessen gehe ich rüber auf die Khao San Road. Dieser ehemalige Hotspot der Backpacker ist heute eher ein Touristensumpf geworden. Trotzdem gehen viele junge Leute immer hierher, weil sie einfach neugierig sind. Und das Angebot hat sich Ihnen angepasst. Schon lange vor Corona ist die Khao San Road kaputt gegangen, weil die Steuerbehörden die ganzen illegalen Geschäfte, die die Seele dieser Straße waren, geschlossen hat. Dann durften hier nur noch die Leute verkaufen die richtige Lizenzen hatten und natürlich auch richtige Steuern bezahlt haben.
Langweilig!
In Corona (ich war ja 22 hier) war die Straße völlig tot. Heute sind zumindest die kleinen Garküchen wieder zurück und auch einige von den T-Shirt-Händlern lauern einem hier wieder auf. Ob die Seele noch da ist?
Keine Ahnung, ich gehe auf jeden Fall hier essen, ich esse das, was man immer hier ist und zwar Pad Thai und trinke dazu ein großes Leo.
Nach dem Essen hatte ich die Wahl der Qual. Sollte ich mir ein T-Shirt kaufen? Mir gegenüber ein Tattoo stechen lassen? In dem Weed-Shop einkaufen gehen? Wie schräg gegenüber Lachgas kaufen? Ich könnte auch einen der muskulösen Schlepper, die auf der Straße stehen, fragen, ob sie vielleicht eine kleine Schwester haben? Was ist mit der supersüßen Frau, die aber irgendwie einen ausgeprägten Adamsapfel hat? Oder doch eine Massage? Ich könnte eine kleine Schlange, einen Skorpion oder eine Heuschrecke kaufen und essen. Oder sie für 10 Bath fotografieren? Oder wie wäre es mit einem T-Shirt mit der Aufschrift: I‘m not gay, but 20 $ is 20$?
Hier geht irgendwie alles. Aber nichts davon mache ich. Vielleicht ist der Punkt, dass meine Frau das auch liest, mit einer der Gründe, aber ich gestehe, ich genieße das hier.
Es ist im Prinzip wie auf der Kirmes. Man geht von Laden zu Laden und jeder Laden hat eine andere Musik. Und sie ist hier doppelt so lauten wie auf der Kirmes.
Ich bin dann erst in die Straße gegangen, wo ich 22 in dem Quarantäne Hotel war, habe es aber nicht mehr gefunden, weil es sich doch zu stark verändert hat. Dann bin ich in die Parallelstraße zur Khao San gegangen, das ist auch so eine Lieblingsstraße von mir oder besser gesagt, es gibt ein Lieblingsrestaurant, die haben Livemusik und da hab ich immer gerne mal ein Bier getrunken. So auch heute!
Fast überall Musik aus den Siebzigern und aus den Achtzigern und vielleicht aus den frühen Neunzigern gespielt. Da sind viele Beatles, Simon & Garfunkel, Bee Gees und die anderen Helden unserer Jugend, aber es ist einfach schön und irgendwie scheint es allen zu gefallen.
Rechts von mir sitzt ein Pärchen, die Sprache verstehe ich nicht kann sie auch nicht identifizieren, aber sie haben viel Spaß und auch der circa 50-jährige neben mir links, der eine große Flasche Wodka auf dem Tisch stehen hat, wo vielleicht noch 5 cl drin sind, das trinkt er zusammen mit Sprite und Eis, aber es scheint ihm dabei gut zu gehen. Vor mir sitzen drei Jungen, die auch schon einige Zeit hinter sich haben und die es jetzt mit einem Gemisch aus Wodka und Bier versuchen. Nebenbei bemerkt, als ich das beobachte, ist es kurz nach neun.
Ich finde es toll, dass all diese Sachen hier sind und ich bin dann mehr der, der zusieht. Außerdem habe ich nur 2000 Baht getauscht und viele dieser Gewerbe nehmen keine Karte!
Das Publikum hier ist auch interessant. Es sind junge, europäische Mädchen, dramatisch gekleidet (d.h. wenig), junge Männer, die sehr cool gucken und auf der Suche sind nach Mädchen, aber nicht Thai-Mädchen, denn da müsste man ja dafür bezahlen, sondern vielleicht die eine oder andere Touristin?
Da ist das Ehepaar Anfang der 60, dass sich das auch mal ansehen will, da kommen zwei Frauen, auch in ihrem Herbst, und sind auch sehr neugierig, was hier alles geht.
Und dann sind da natürlich Händler und Händlerinnen, die irgendwelche Papierregenschirme, Fächer, Saris oder irgendwelches anderes Zeug anbieten, da sind Freaks mit langen Haaren, die auch lange schon hier in Thailand sind und die auch mal checken, was hier geht: es ist unglaublich bunt deshalb komme ich auch immer wieder auf diese Khao San Road.
Die Straße macht mir gute Laune. Verdammt gute Laune! Das kann natürlich auch ein wenig an den schweren Haschisch-Dünsten liegen, die hier in der Luft schweben…
Als ich nach Hause komme (in mein Hostel), ist es schön kühl. Ich hatte ursprünglich ein anderes Hotel gebucht, das auch in hervorragender Lage ist und wo es ein gutes Frühstück gibt.
Aber als ich gesehen habe, welche Temperaturen hier herrschen, habe ich umgebucht. Das Roof View Hotel ist zwar schön, aber die Klimaanlagen schaffen nicht viel oder fallen bei so einem Wetter auch schon mal aus. Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht. Und hier gibt es zwar kein Frühstück, aber die Klimaanlage kann was.
Hier gibt es aber so einen Kasten, wo man die Karte, mit der man die Türe öffnet einstecken muss, sonst gibt es keine Elektrizität. Hier musste wieder meine Gesundheitskarte dran. Die hilft mir immer wieder und hier sorgt sie dafür, dass auch in meiner Abwesenheit die Klimaanlage voll durchpowert.
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