Sonntag, 26. April 2026 Zur Insel der Menschenfresser
Der Tag heute war gut geplant.
Es kam anders. Der Bus kam leider nicht. Ich habe dann noch 10 Minuten länger gestanden und gewartet, aber dann musste ein neuer Plan her. Es gab noch eine andere Möglichkeit, ein Stück mit der Metro zu fahren und dann weiter mit einem anderen Bus.
| Metro-Bahnhof |
Also stiefelte ich zur Metro Station die auch wieder, wie alles hier, riesig war und suchte meinen Weg zur richtigen Bahn. Fünf Station später stand ich auf einem noch größeren Bahnhof, weil hier eine Kombination aus Busbahnhof, U-Bahnbahnhof und Eisenbahnbahnhof war. Ein bisschen suchen, ein bisschen fragen und dann hatte ich den richtigen Bus erwischt.
Es ist auch wieder ein moderner Bus, allerdings mit deutlich geringeren Sitzabständen als zum Beispiel im Zug. Der soll mich jetzt nach Dongguan bringen, wo dann hoffentlich die Fähre zur Insel rüberfährt.
Aber die Fahrt ging erstaunlich schnell zu Ende. Vielleicht hab ich zwischendurch auch ein bisschen geschlafen. Der Bus hat unterwegs allerdings auch nicht angehalten.
Am Terminal war dann so ziemlich die Hölle los. Viele Leute kamen aus allen Ecken und Enden und sammelten sich im Fährterminal. Ich hatte nur einen QR-Code und bin damit zu einem Schalter gegangen, der offensichtlich für Online-Buchungen verantwortlich war. Eine freundliche Frau schaute auf den QR-Code meinte aber, sie könne ihn nicht lesen. Das fing ja gut an.
Wir diskutierten eine Weile, dann kam ich auf die Idee, mal nach der E-Mail zu schauen, mit der ich das Ticket bekommen habe. Als sie das dann sah, hellten sich ihre Züge auf und sie meinte: okay du kannst direkt damit zur Fähre gehen.
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Die Fähre ist leider geschlossen, man konnte also nicht draußen sitzen oder stehen sondern nur in einem Raum, der auf gefühlt 14° heruntergekühlt ist und die Scheiben sind sehr verschmutzt von dem Meersalz. Es wird also mehr oder weniger ein Blindflug werden. Schade. Aber ich bin auf dem Weg!
Als ich in den Fahrgastraum gegangen bin, standen da zwölf Eimer am Gang, als ich ausgestiegen bin, standen da noch drei. Obwohl die See wirklich sehr ruhig war, scheinen die Leute hier einen nervösen Magen zu haben.
Das kann einem natürlich die schönste Seefahrt vermiesen! Angekommen im Hafen von Liuqiu war ich konfrontiert mit unzähligen Scooter-Verleihern. Ich wusste aber vorher, dass Scooter hier sehr beliebt sind. Als ich dann meinen Buchung angesehen habe, sah ich, dass ich offensichtlich schon im vornherein die Fähre und einen Scooter kombiniert gemietet habe (die Buchung ist schon länger her).
Jetzt musste ich nur noch herausfinden, wie ich da dran komme. Ich ging in den ersten Scooter-Shop und zeigte denen meinen Voucher. Es folgt dann die Unterhaltung der Maschinen.
Die Frau sprach in ihre Übersetzung App und ich in meine. Dann fanden wir in der Mail eine Telefonnummer und sie rief dort an. Wenig später kam dann ein Mitarbeiter dieser Firma und hat mit mir zusammen nach der Buchung gesucht, sie aber nicht gefunden.
Dann, so ganz langsam, dämmerte es mir: es gab diese Option, Fähre und Scooter zusammen zu buchen, aber sobald ich mein Alter eingegeben hatte, verschwand der Scooter.
Schade.
Also gab ich erst mal auf. Und machte mich zu Fuß auf den Weg zur Unterkunft. Kurz davor war ein 7/11 und ich habe da erst mal Pause gemacht und einen Kaffee getrunken.
Dann habe ich meine Unterkunft kontaktiert. Ich hatte vorher schon per Mail versucht, Kontakt aufzunehmen, aber da ist nie eine Antwort drauf gekommen. (Die Mail läuft über booking.com und ist damit die sicherste Form der Kommunikation)
Jetzt versuche ich es mit Lime, das ist so etwas ähnliches wie WhatsApp.
Aber gruseliger.
Das will was heißen.
Ich fragte, wo ich mich hier melden kann und die Antwort, die ich auch schon erwartete, war, dass das Zimmer noch nicht fertig sei.
Okay.
Dann kam die Message dass ich das Gepäck aber vorher unterstellen kann.
Ich habe dann gefragt wo?
Dann kam die Antwort in dem Container rechts neben dem Haupthaus.
Jetzt muss ich dazu sagen, dass die ganze Anlage aus Containern bestand. Aber rechts neben dem Haus war ein Container und da steckt sogar ein Schlüssel in der Türe. Aber ich war nicht sicher, ob das der Container war den sie gemeint hat und schickte ein Foto mit der Frage, ob das der richtige Container sei.
Darauf die Antwort es wäre der rote Container.
Für mich war der Container rot, aber ich schickte noch ein Foto von einem anderen Container auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Die Antwort kam zurück: nein es ist der rote.
Dann habe ich zurückgeschrieben meinen Sie den hier? Und habe ein neues Foto von dem roten Container gemacht.
Dann kam erst mal nichts mehr.
Zur Erläuterung: das Ganze ging wie folgt ab: der Vermieter schrieb auf Chinesisch, ich kopier das in den Translator, las es und antwortete dann im Translator.
Das kopierte ich dann, ging zurück zum Messenger und fügt dir das da ein und schickte es ab.
Dann kam die Antwort vom Vermieter, ich kopier das, füge das im Translator ein, verstand es, antwortete im Translator und kopierte dann den chinesischen Text wieder in den Messenger. Das Ganze ziemlich häufig bei 28 / 29° in der prallen Sonne.
Viel Spaß hat das nicht gemacht.
Dann kam keine Antwort mehr und ich dachte mir schon, dass der Vermieter jetzt bald vorbeikommen würde.
| Der IST rot! |
| Keine Alternative |
| Mein Heim… |
| Die anderen Appartements |
Es war eine hübsche junge Frau, die zeigte auf diesen roten Container, der die ganze Zeit Mittelpunkt unserer Diskussion war und sagte das ist dein Zimmer!
Dann machte sie die Tür auf und siehe da: das Zimmer war bezugsfertig.
Die ganze Zeit schon!
Hätten wir das einfach haben können?
Ich konfrontierte sie dann mit der Diskussion, bekam aber keine befriedigende Antwort. Aber was soll’s! Jetzt bin ich drin und die Klimaanlage läuft!
Ich wohne in einem Container. Das Ding ist sehr viereckig, hat eine Tür, zwei Fenster, Badezimmer, Kühlschrank und Wasserkocher, Ventilator und Klimaanlage und einen Fernseher, den ich noch nie gebraucht habe.
Davor ist noch eine kleine Terrasse mit Tisch und Stühlen das ist eigentlich ganz nett, aber in den Foren wurde hier auch vor Insekten gewarnt. Also muss ich vorsichtig sein.
Hier gibt es eine Wäscheleine, also ist automatisch Waschtag. Als ich das erledigt habe, bin ich losgegangen, die Insel zu erkunden.
| Waschtag |
| Abends |
Das erste Stück, durch den Hauptort, war etwas anstrengend, weil es unzählige (es sind wirklich unzählige) Mopeds hier gibt und nicht alle sind wirklich geübte Fahrer.
Obwohl eigentlich jeder hier in Taiwan Moped fährt, aber die hier kamen mir schon etwas komisch vor.
Sie eierten ziemlich rum, blieben unmotiviert stehen und versperrten überall den Weg.
| Wunderbare Farben |
Aber als ich am Hafen angekommen war, wurde es ruhiger. Es ging dann, leider über eine Straße, weiter an der Küstenlinie entlang. Von der gepflegten, asphaltierten Straße gegen kleine Wege ab, aber einerseits stehen keine Wegweiser dran, andererseits kennt auch Google diese Wege nicht, so weiß ich nicht, zu welchen Schönheiten sie einen führen.
Einmal komme ich an einer Akku Austauschstation vorbei, wo sich gerade eine junge Frau einen neuen Akku für ihr Scooter im Tausch holt. Cool!
Mein Ziel ist jetzt die Beauty Cave und der Beauty Beach. Ich hatte schon von vornherein (Erfahrung macht klug) nicht damit gerechnet, dass ich hier einen feinsandigen Strand finden werde. Und der Reiseführer weiß das auch zu bestätigen, dass hier nur Steine sind. Aber es soll angeblich sehr schön sein und darauf baue ich.
Und dann entdecke ich das Geheimnis: es gibt einen Ticketshop und egal, wo man von dem Weg abbiegen will, alles ist gebührenpflichtig. Aber klar, wenn ich so ein Paradies hätte, würde ich es auch gegen Geld zeigen. Das Problem ist nur, dass die Straße fast die ganze Zeit bergauf geht und wenn man zum Wasser runtergehen will: genau: Treppen.
Erst runter, dann wieder rauf. Wie gesagt, fast 30 Grad.
| Immer Schildkröten! |
Manchmal muss man unten auch noch ein bisschen über die Felsen klettern, und ich lasse mir die Frage gefallen, ob man das als 70-jähriger noch machen muss. Aber wenn man da runter will?
Laut Google her müsste ich jetzt an der Beauty Cave sein. Das ist eines der Highlights hier an der Küste.
Ich komme zu einem kleinen Strand, es ist, wie ich mir gedacht habe, kaum Sand da, aber viele Kiesel oder auch Felsen. Die Felsen sehen eigentlich fast alle aus wie Versteinerungen von irgendwelchen Lebewesen und vor allem von Korallen, die hier vor langer, langer Zeit mal gelebt haben. Auch wenn es kein typischer Badestrand ist, es ist wunderschön!
Es gibt überall hier kleine Höhlen und man hat in die Spalten der Felsen Treppen gehauen, so dass man da durchgehen kann. Es gibt viele Bergüberhänge, da muss vor allem ich mit meiner Größe (und Breite)😎 aufpassen, dass ich nicht gegen die sehr scharfkantig Felsen komme. Aber es ist fantastisch und man spürt förmlich, welche Kraft die Natur hier hat wirken lassen.
An einer Stelle habe ich dann tatsächlich Meeresschildkröten gesehen.
| Leider nur schwer zu erkennen 😥 |
Auch größere, als die, die ich schon mal auf den Philippinen gesehen habe. Ich stand in den Felsen, circa 20 m über dem Wasser und unten, wo die Wellen ans Land schlugen, dachte ich zuerst es sind Felsen, die sich irgendwie bewegen, aber das konnte ja nicht sein. Dann sah ich es deutlich zwei große Schildkröten. Kurz darauf sah ich etwas weiter draußen wie eine Schildkröte den Kopf raus steckte, sie war dann aber auch, bevor ich auch nur daran denken konnte, den Fotoapparat rauszuholen, wieder weg. Aber das Bild war schon toll und ich werde es in mir bewahren.
Und dann kam der Moment, wo ich zum TikTok Star wurde.
Unglaubwürdig?
Quatsch!
Ich traf eine Gruppe, junger, hübscher Mädchen, die, wie immer, viele Aufnahmen von sich machten, dann aber offensichtlich eine kleine Tanz-Performance planen. Als ich das sah, habe ich freundlich und höflich mit Gesten und mit Worten gefragt, ob ich das auch filmen dürfte und nach einigem zögern (ich dachte, es ging ums übersetzen) kamen sie mit einem Gegenvorschlag: ich sollte mittanzen. Und klar, hier kennt mich schließlich keiner! Und es hat allen viel Spaß gemacht und ich habe eine schöne Erinnerung mehr.
Später kam ich noch an eine Stelle direkt am Meer mit einem kleinen Strand und ich bin eine Weile an der einen Ecke stehen geblieben und habe gewartet, ob vielleicht doch noch eine Schildkröte kommt. Aber dafür habe ich dann mit der Kamera zwei Krebse erwischt.
Dann habe ich eine Stelle gefunden, wo man gut sitzen konnte und habe da gesessen. 20 Minuten lang. Ohne nachzudenken.
Männer können sowas!
Links ein hoher Felsen, halb links ein kleiner und rechts von mir ein mittelgroßer Felsen dazwischen zwei Lücken, durch dass die Wellen sich drängen und gleichmäßig an den Strand rollen. Es ist sehr friedlich!
Ein Stückchen weiter habe ich dann noch mal mehrere Schildkröten gesehen, die relativ nah an die Küste gekommen waren. Sie sind wirklich schwer auszumachen, man kann sie so ganz gut sehen, aber sobald man auf dem Bildschirm von der Kamera schaut, verliert man schnell den Fokus.
| Vase Rock |
| Cool! |
Hier war auch der ikonische Felsen dieser Insel, der Vase Rock. Es ist wohl der meistfotografierte Felsen hier auf der Insel und auch jetzt stehen Leute davor fotografieren ihn oder machen Selfies von sich selber mit ihm im Hintergrund.
Hier ist ein winzig kleiner Strand, aber die Leute kommen hauptsächlich hierher, um den Felsen zu fotografieren. Trotzdem haben es zwei Europäer fertig gebracht, sich einfach zwischen die stehenden und fotografieren Leute zu legen und sich zu sonnen.
Nerven aus Stahl!
Ich bin dann durch den kleinen Fischereihafen gegangen, in denen kleine und winzige Fischereiboote liegen und in dem sonst nichts los war. Das inspiriere mich, mal kurz in den nächsten 7/11 zu gehen, mir da eine eiskalte Dose Bier zu kaufen und mich da an dem Hafen einfach mal auf eine Treppe zu setzen. Man muss auch mal genießen können!
Doch dann traute ich meinen Augen nicht. 1 m vor mir, im Hafenbecken, tauchte eine große Schildkröte auf. Sie schwamm unter einem Boot (circa 7 m lang) und fing wohl an, irgendwelche Algen vom Rumpf zu fressen. Dabei bewegt sich das Boot munter hin und her, man merkte, dass die hat eine Menge Kraft hat. Toll!
Xiaoliuqiu
Die Insel wird auch kurz Liuqiu genannt oder auch Lambay Island und ist eine kleine Koralleninsel südwestlich von Kaohsiung. Auf den knapp 7 Quadratkilometern leben ca. 13.000 Menschen. Die Insel wurde zuerst im 17. Jahrhundert von einem holländischen Kapitän besucht, und als mehre Monate später Soldaten von der „Goulde Leeuw“ die Insel besuchten, kehrte von denen niemand mehr zurück. Es stellte sich heraus, dass die Einheimischen hier Kannibalen waren. Daraufhin fanden 2 Strafexpeditionen statt und die meisten der Einheimischen wurden getötet, nur einige kamen nach Taipeh in ein Gefängnis. Daraufhin wurde die Insel „Goulde Leeuws Eylandt“ genannt. Man lebt hier heute von den Touristen und vom Fischfang. Gegessen wird aber nur noch der Fisch.
Tanz ist sehr interessant.
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