Sonnabend, 25.April 2026 Regen

Heute hat der Wetterbericht einmal recht. Beim Aufwachen kann ich es schon hören, es regnet. Als ich aus dem Fenster sehe, kann ich erkennen, dass sich die Scheibenwischer der Autos recht hektisch bewegen. 


Also erst mal ganz gemütlich frühstücken. Dann werfe ich noch mal einen Blick raus: es scheint aufgehört zu haben, oder es ist weniger geworden. Hoffnung? 


Heute will ich ja eine Bootstour machen und habe sie auch schon gebucht und bezahlt aber ich weiß nicht, ob ich mir das antun soll. Aber hier im Hotelzimmer. Rumhängen ist auch nicht so gut. Also entschließe ich mich, einen Regenschirm zu kaufen. Ich habe zwar einen Regen-Poncho, aber der ist bei diesen Temperaturen einfach viel zu warm. Im Family Mart gibt es Regenschirme für 300 $. 


Praktisches Packmaß


Allerdings ist er sehr schön klein, das motiviert mich ein bisschen. Generell bin ich ein großer Hasser von Regenschirmen. Eigentlich werde ich lieber nass, als mit so einem doofen Ding rumzulaufen, aber im Ernstfall wird man hier sehr nass. Und ist gleichzeitig auch immer weit weg von einer Unterkunft, wo man sich umziehen kann. 


Also gehe ich das Risiko ein, kaufe mir den Schirm und mache mich auf dem Weg zum Pier.

Mit dem Schirm habe ich wortwörtlich die Katze im Sack gekauft. Der Sack war hier die Verpackung des Schirms. Als ich ihn dann ausgepackt habe, sah ich: es ist eine sehr fragile Konstruktion, nicht für häufigen Dauergebrauch geeignet. Alles ist sehr wackelig, und ich bin gespannt, ob er diese Reise übersteht oder vielleicht auch nur diesen Tag. Bald werde ich mehr wissen.




Schon im Bus schwindet meine Hoffnung. Es regnet Hunde und Katzen. Ich sehe mich überall, aber nicht auf einem dreistündigen Spaziergang, so viel seven eleven Shops gibt es gar nicht, wo ich mich bei Bedarf unterstellen kann. 


Ich fürchte, ein Plan B muss her! Auf meinem Zettel steht noch der hiesige Zoo. Sowas mache ich sehr gerne, in fremden Ländern zoologische Gärten besuchen, aber ich mache es nicht gerne bei diesem Wetter. Aber dann hat unerwartet eine höhere Macht eingegriffen. 


Die kam in Form eines Umzuges, eine größere Truppe, sehr bunter Menschen mit vielen Fahnen und ähnlichen Dingen, zog durch die Straßen. Vielleicht ein bisschen wie ein Karnevalszug, nur wahrscheinlich mit religiösen Hintergrund. 


Und wie bei einem Karnevalszug auch bei uns die öffentlichen Verkehrsmittel warten, bis der Zug vorbei ist, taten wir das auch. Wir haben da bestimmt 7 oder 8 Minuten gestanden, und das war im Grunde genommen der Zeitpuffer, den ich hatte. Als ich dann am Hafen ankam, war das Schiff weg. Okay, wenn ich die Entscheidung nicht treffen will, muss es jemand anderes machen.


Gut, also Plan B! Mit dem Light Rail, einer hochmodernen Straßenbahn fahre ich zum Kunstmuseum. Die Bahn fährt eine interessante Strecke, größtenteils durch recht enge Straßen hindurch, wo die Häuser links und rechts fantasievoll bemalt sind. Es sind teilweise alte, hässlich Häuser, aber durch die Bemalung wirkt das alles sehr viel positiver.





Die Station heißt genauso wie das Museum und suggeriert, daß das hier auch ist. Nach dem Aussteigen blicke ich mich um, aber hier gibt es alles mögliche, nur kein Museum. Ich frage dann und die Geste der Frau zeigt einmal geradeaus und dann aber auch weiter weiter weiter. 

Ich checke dann auch mal Google und ja, das Museum ist circa 1 km von der gleichnamigen Station entfernt. Ich hätte eine Station weiterfahren müssen, die aber ganz anders heißt. Hätte man wissen müssen! 

Mein kleiner Schirm!



Bei dem Regen ist der Weg nicht die wahre Freude. Zumal ich die ganze Zeit durch tiefe Pfützen laufen muss, was mit Sandalen auch eher so ne 4 ist. Laut Google muss ich durch den Park gehen, der völlig ohne Beschilderung ist, indem aber die ersten Kunstwerke stehen. Dann irgendwann mal, trotz des kleinen Schirmes ziemlich nass, erreiche ich das Museum. 




NICHT den Kunstbegriff diskutieren!

Von außen eher unscheinbar ist die Eingangshalle aber sehr beeindruckend. Eine riesige, sehr hohe Halle!

Na ja: und ein paar Kunstwerke. 

Nun fehlt mir zugegebener Weise jedes Kunstverständnis, aber ich schaue mir die Sachen gerne an. 

Dann gibt es Kunstwerke, die mich irgendwie mitnehmen, die mich beeindrucken oder die irgendwas mit mir machen. 

Und es gibt andere Kunstwerke. 

Basierend auf diesem fundamentalen Nichtwissen tue ich mich leicht, Museen, Ausstellungen oder Kunstwerke zu loben. Ist halt meine Sicht der Dinge. 


Schwerer tue ich mich damit, so etwas zu verreißen. Frei nach den Motto: wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten. 


Nur so viel: das Museum hat vier Etagen und in der ersten Etage hatte ich die ganze Zeit meine Kamera in der Hand, damit ich von schönen Dingen ein Foto machen kann. Danach habe ich die Kamera in die Tasche getan und sie auch nicht wieder rausgeholt. 








Die Fotos, die ich gemacht habe, zeigen keine Objekte, die mir sehr gut gefallen haben, sondern sind nur Beispiele für die Ausstellung. (Aber es sind die, für die ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe)

An den Künstlern kann es nicht liegen, am Pier 2 haben sie ja gezeigt, was sie können. Oder liegt es am Kurator? Und leider waren natürlich sämtliche Beschreibungen nur in chinesischer verfügbar, was ich ziemlich schade fand! Kurator again? 😊



Anatomisch wieder was dazugelernt…





Um das Ganze zu relativieren: ich kann zum Beispiel mit van Gogh oder mit Rubens überhaupt nichts anfangen. Soviel zu meinem Kunstverständnis.


Der Besuch dieses Museums war bei dem Wetter sicher das Beste, was ich machen konnte, es ist trocken, klimatisiert und die Leute hier sind auch okay. Das Museum ist schon okay, aber eben nicht meins.


Und: Kleine Schwächen machen eine Stadt wie Kaohsiung nur noch sympathischer.


Nachmittags wurde der Regen ab und zu unterbrochen. Ich bin einfach so durch das Viertel gelaufen ohne Ziel und ohne irgendeinen Sinn. 

Cool: Scooter mit Blaulicht und Sirene!

Abends war ich dann noch mal auf dem Nachtmarkt und habe mich dann für crispy Shrimps entschieden. Lecker!




Die Kollegen standen nicht auf dem Speiseplan!



Morgen muss ich wieder früh los, da passt so ein ruhiger Tag vorher ganz gut rein.


 


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