Samstag 18. April 2026, Ausflug nach Jiufen

Der Tag begann, wie die letzten Tage auch. Aufstehen, duschen, Kaffeetrinken und dann Ximen gehen und einen Eggburger kaufen. 70$ kostet so eine Leckerei (umgerechnet 1,89€)

Heute ist die Temperatur sehr angenehm, es sind 24°, aber es ist den ganzen Tag über Regen angesagt. Trotzdem habe ich mich entschlossen, nach Jiufen zu fahren. In der Nähe von Ximen Station fährt ein Bus direkt dorthin.





Jiufen wurde vor allem bei einem Goldrausch bekannt. 1893 wurde Gold gefunden, später auch bemerkenswerte Kupfervorkommen. Die Japaner haben hier ein Lager für Kriegsgefangene errichtet und ca. 1000 überwiegend britische Häftlinge haben hier in den Minen gearbeitet. Ein Kuriosum hier ist der Teekannenberg, der je nach Blickrichtung angeblich die Form einer Teekanne zeigt. 


Mit dem Bus zu fahren, den Vorteil gegenüber der Metro, dass man ein bisschen was sieht. Allerdings hat der Fahrer einen ziemlich forschen Fahrstil, vielleicht ein Grund mit, warum man sich hier in den Bussen anschnallen muss. Ein Schild weist dezent darauf hin und die Strafe für Nichtbefolgen liegt bei 25 €. Natürlich schnalle ich mich an!


Als ich mich im Bus umsehe, fallen mir die Kameras auf. Hier sind überall Kameras. Nicht nur im Bus, sondern auf den Straßen, in den U-Bahn Tunneln, an Kreuzungen… Auch hier gibt es eine lückenlose Überwachung und zusammen mit den Fortschritten bei der Gesichtserkennung finde ich das ziemlich beunruhigend.


Auf der Fahrt begleiten mich die hohen Wohnblocks noch eine Weile, bis die Gegend etwas grüner wird. Langsam nähern wir uns Keelung..


Kurz hinter Keelung verlassen wir dann die Autobahn und fahren durch kleine Dörfer in die Berge. Der Bus hat an den Steigungen und ein wenig zu kämpfen, schafft es aber und man merkt, dass es langsam auch kälter wird.


Und dann sind wir da. 

Tempel in Jiufen



Metzgerei?





Ein Highlight hier ist die Jiufen Old Street, eine schmale, spärlich überdachte Gasse, in der ungefähr 100.000 Souvenirshops,  Garküchen und andere kleine Shops sind. Es ist immer noch gerade 10:00 Uhr, als ich hier bin, und viele der Läden sind noch geschlossen. Allerdings sind auch kaum Touristen da, was ich wieder als sehr angenehm empfinde.










Von der „Hauptstraße“ gehen noch viele kleine Gassen links und rechts ab, meistens sind es Treppen, die einen den Berg hochführen. Mit den wenigen Touristen ist es eine friedliche Atmosphäre und auch der Blick aufs Meer wirkt irgendwie beruhigend.


Ich denke, das war zu der Goldgräberzeit mal ein sehr lebendiges Bergdorf aber jetzt ist es, wie so vieles, zu einer großen Geldmaschine verkommen. Ich möchte nicht wissen, was hier morgen am Sonntag (das Wetter soll wieder besser werden) los ist.


In einem Laden verkaufen Sie kleine Holzpuppen, die offensichtlich eine Feder unter dem Kopf haben, und der wackelt die ganze Zeit hektisch hoch und runter. 

Keine Ahnung, wie die Dinger funktionieren, sie haben keine Batterien und auch kein sichtbares Solar-Panel. Das wäre ein tolles Spielzeug für Kinder, die ADHS haben.

24/7 mit dem Kopf wackeln. Hurra!


In vielen Läden werden die Snacks, die hier verkauft werden, auch direkt hergestellt. Alles in reiner Handarbeit und es sieht wirklich beeindruckend aus.


Und dann plötzlich, von jetzt auf gleich, brach der Sturm los. Offensichtlich sind mehrere Reisebusse angekommen, und große Menschenmengen ergießen sich in den engen Gassen. Jetzt wird es hier ungemütlich, weil es einfach zu viele Menschen sind, von denen sehr viele mitten im Weg stehen bleiben und irgendwelche Selfies zu machen oder die einfach so in Gruppen zusammen stehen und sich unterhalten. 


Aber zu dem Zeitpunkt war ich bereits auf dem Rückweg von daher war es okay. Ich habe dann noch in einem Café bei einem Cappuccino mit herrlichem Blick über die Bucht diesen Tag genossen.


Die Rückfahrt war ähnlich unspektakulär wie die Hinfahrt. Nur dass auch jetzt vor allem in Taipeh viel mehr Verkehr war. Nachdem ich dann in Ximen noch eine kleine Besorgung erledigt habe, bin ich dann mit der U-Bahn nach Beimen gefahren und von da aus dann zu Fuß zum Yongle Markt. Schon in Ximen hatte es angefangen, zu regnen, aber zum Glück nicht so ernsthaft. Wenn man zügig ging, bekam man einige Tropfen ab, aber nicht so, dass man wirklich nass wurde.









Allerdings war der Yongle Markt ähnlich unspektakulär wie beim letzten Mal. Ja, es war ziemlich voll, aber auch prinzipiell etwas langweilig. Der normale Markt war im Grunde genommen so wie beim letzten Mal, nur die Foodcourts waren sehr voll und sahen auch toll aus. Allerdings hatte ich keinen Hunger. 


Laut Reiseführer sind vor allem die oberen Etagen interessant, aber der Reiseführer ist schon etwas älter. Die oberen Etagen sind alle leer und es gibt nur noch die Etage hier unten mit einem kleinen Kleidungsangebot, ein paar Nähstuben und wie gesagt, den Marktständen und den Garküchen.


Aber macht ja nichts






Vor dem Markt war eine Bühne aufgebaut, und da stand eine chinesische Musikgruppe, die chinesische, nennen wir es mal Musik, machte. In meinen Ohren war es aber ein ziemlicher Krach, aber die Leute hatten ihren Spaß. 


Vielleicht hört sich für einen Chinesen bayerische Blasmusik genauso gruselig an.







Nicht weit von der Markthalle steht der Xia Hai City God Tempel. Ich denke, dass heute ein besonderer Tag ist, weil viele Leute hier herkommen und mit Opfergaben in den Tempel gehen, um dort zu beten. Der Tempel selber ist sehr klein, aber vor allem das Dach ist reich verziert.


Von hier aus bin ich dann zum Jade Markt gefahren. Man kann sich hier wirklich sehr gut sehr einfach kreuz und quer durch die Stadt bewegen. Dieser Markt findet es immer nur am Wochenende statt. Der Markt ist in einem großen Tunnel unterhalb der Straße untergebracht und die Ausmaße sind beeindruckend. 












Ich denke die Halle ist gut 50 m breit und mindestens 500 m lang!


Und alles ist voll mit Händlern, die Jade, aber auch amdere Halbedelsteine, Schmuck und andere Gegenstände anbieten. Ich habe natürlich von diesen Steinen überhaupt keine Ahnung, aber ich wage nicht, mir vorzustellen, welcher Wert hier lagert.




Ich bin langsam durch die Reihen gegangen und habe mir die verschiedenen Stücke angesehen. Von den Steinen selber habe ich keine Ahnung, aber die Präsentation war teilweise sehr ansprechend und viele Dinge, die aus den Steinen geschnitzt oder gemeißelt waren, waren auch beeindruckend. 


Natürlich habe ich in den Blicken der Händler gesehen, was sie dachten: aha, ein Idiot der keine Ahnung hat! 

Und so oft bin ich auch angesprochen worden, aber ich habe nur höflich gelächelt, mich bedankt und bin weitergegangen. Ich war eine ganze Weile auf dem Markt und es war hochinteressant.


Von hier aus fuhren auch eine Metro direkt zu meiner Haltestelle und so kam ich bequem wieder nach Hause.





Beim heutigen Abendessen habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Quatsch, das ist falsch. Ich habe die Rechnung ohne die anderen Taiwaner gemacht. 

Die waren nämlich auch da. 

Der Nachtmarkt war brechend voll, so dass man kaum durchkam. An jeder Garküche standen 10-15 Leute und vor den Restaurants sogar noch etwas mehr. Ich bin dann zügig wieder zurückgegangen zu dem Restaurant bei mir, wo ich vorgestern schon war. 

Da wollte ich sowieso essen, allerdings dachte ich, es sei um 7:00 Uhr vielleicht noch etwas früh. 

Naja, als ich dort ankam, habe ich mich als 18. in die Schlange gestellt. Ich war eine Zeit lang 18., dann ging es schnell und ich war noch sehr viel länger 12. 


Das Prinzip war ganz einfach: wenn innen Plätze frei wurden, rückten andere Leute nach. Und man will hier offensichtlich sein Essen auch nicht runterschlingen, sondern lässt sich ordentlich Zeit. 

Schräg gegenüber ist noch ein Restaurant mit ähnlichem Prinzip und auch da war die Schlange sehr stabil. Nach etwas über einer halben Stunde hat es geschafft und saß am Tisch. 

Es gab ein Gericht mit Schweinefleisch, verschiedenen Gemüsen (darunter auch viele kleine, sehr scharfe Chilistückchen) und natürlich Reis. Und was soll ich sagen: das Warten hat sich gelohnt.

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