Samstag, 11. April 2026 Ausflug nach Suwon
Gestern war ich, nach dem frühen Aufstehen, abends rechtschaffen müde. Ich war in einem Restaurant in meinem Viertel, aber toll war das nicht. Eigentlich viel zu viel und nicht wirklich schmackhaft. Ich werde morgen wieder meine Wirtin fragen…
Heute soll es mal nicht regnen und auch wirklich wärmer werden.
Gerne!
Ein schöner Morgen. Ich bin gut aufgestanden und habe noch besser geschlafen. Heute bin ich allerdings schon um 7:30 Uhr aufgewacht. Ich nähere mich also wieder meinem alten Standard an. Ich freue mich auf mein kleines Frühstück und fast noch ein bisschen mehr auf die Toilette danach.
Es geht nicht um die Erleichterung, sondern eher darum, dass hier die Toilettenbrillen vorgeheizt sind. In Japan muss man erst auf einen Knopf drücken und dann werden sie schnell warm aber hier kann man sich ins gemachte Nest setzen. Und dann die Reinigungs-Arie: herrlich! Aber jetzt genug davon.
Heute will ich nach Suwon. Das ist nicht so einfach, aber irgendwie schaffe ich das. Erst mal zu der U-Bahn-Station bei mir gehen, dann die U-Bahn zur Seoul Station nehmen und von da aus dann weiter nach Yongsan. Eine nette Frau hilft mir beim Kauf des Tickets, aber in der Yongsan Station bin ich erst mal etwas überfordert. Es gibt jede Menge Wegweiser, aber natürlich nicht in meiner Sprache.
Dann gelingt es mir, ein Ticket zu kaufen und nun will ich eigentlich einsteigen. Aber nirgends findet man einen Hinweis auf das Gleis. Ich suche und suche, bis ich mir dann doch wieder Hilfe holen muss. Eine freundliche Frau erklärt mir dann, dass das Gleis erst immer eine Viertelstunde vor Erreichen des Zuges definiert wird. Ähnlich wie manchmal am Flughafen mit den Gates muss man auch hier auf einer Anzeige gucken und warten, bis die notwendige Information kommt.
Und pünktlich fuhr der Zug los. Es ist nicht das neueste Modell, und von außen ist ja auch schon ein wenig verbeult, aber innen drin ist alles sehr gepflegt und sauber! Heute ist es wärmer und ich gehe im Sweatshirt, ohne Jacke. Aber hier im Zug haben sie es wieder zu gut gemeint und auf sommerliche Temperaturen hochgeheizt. Irgendwas ist immer!
Wir fahren durch Seul und erreichen auch die Außenbezirke. Hier gibt es immer noch viele hohe Wohntürme mit unzähligen Klimaanlagen unter den Fenster. Bei diesen reinen Wohnhäusern steht immer oben (anders als bei Bürogebäuden) im großen Ziffern die entsprechende Hausnummer. Für die Orientierung ist das sicher sehr gut. Vor allem, weil in einem Bereich die Häuser auch alle gleich aussehen.
Schon in der ersten Station füllt sich der Zug und bald sind alle Plätze besetzt. Bei meinem Ticket war zum Glück ein Sitzplatz dabei, so dass ich mir keine Sorgen machen muss.
Und dann erreichen wir Suwon.
An den unzähligen Bushaltestellen in der Gegend des Bahnhofes bin ich dann fast verzweifelt. Ein Typ hat mir dann den Weg gezeigt, zur richtigen Haltestelle und drei sehr nette Frauen, die sich als Muslima aus Indonesien herausstellten, haben mir dann noch verraten, wie ich an mein Ticket komme (Barzahlung im Bus klappt).
| Meine freundlichen Helferinnen |
Mit dem Bus ging es dann Holterdiepolter zum Hwaseong Fort. Das ist eine riesig große Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist über 1 km² groß und hat wunderschöne Türme. Vor dem Fort ist eine hübsche Plastik, die die Verteidigungsanlage gut präsentiert.
Als erstes bin ich auf einem der Wachtürme geklettert, der ein reich verziertes Holzach mit bunten Malereien hat. Von hier aus hat man sicherlich einen guten Überblick.
Und dann erkenne ich erst mal langsam das Ausmaß dieser Anlage. Die Mauer zieht sich endlos lang um den dazwischenliegenden Stadtteil bis zum Horizont und sie erinnert mich ein ganz klein wenig an die ebenfalls sehr endlos wirkende chinesische Mauer. Am Eingang hatte ich gefragt, wo ich Tickets kaufen konnte, aber der freundliche Mann meinte: no, it’s free!
Aber ich muss dazu sagen, dass bisher die meisten Dinge, die ich besichtigt habe, auch nur umgerechnet einen Euro gekostet haben. Vor der Kultur werden hier keine großen Barrieren errichtet!
Ich laufe und laufe, auch in dem Sweatshirt wird es mir irgendwann mal zu warm und ich binde es mir um den Bauch. Die Anlage ist wirklich gewaltig.
Sie wird aber die Koreaner auch nicht vor dem nördlichen Feind schützen. Gestern in der DMZ gab es die Information, dass die Raketen von Kim Jong Un bis Suwon reichen. Ich denke aber, dass diese Information alt war, weil sie mittlerweile schon deutlich weiter reichen dürften.
Eigentlich war mein Plan ein anderer gewesen. Ich wollte hier herkommen, mir für eine halbe Stunde das Fort ansehen und dann vielleicht noch ein bisschen in der Stadt rumlaufen und dann wieder zurück.
Der Rundgang über die Mauer dauert allerdings über 2 Stunden. Der Weg hört überhaupt nicht auf. Und zwischendurch kommt man immer wieder an Kirschbäumen vorbei und überall auf dem Boden liegen die Blütenblätter. Ich kann den Hype jetzt verstehen, wenn Leute zur Kirschblüte nach Japan fahren, das sieht wirklich toll aus.
Aber dann sehe ich plötzlich, wie der Weg sehr steil den Berg hochgeht. Nicht nur sehr steil, sondern auch recht lang. Das ist der Punkt, wo ich entscheide, diese Challenge doch nicht anzunehmen. An einem kleinen Fluss gibt es ein Tor, so kann ich von dem Rundgang herunter wieder zurück in die Stadt.
| Bettler |
Das Viertel, wo ich hier gelandet bin, ist beherrscht von vielen großen Märkten. Ich gehe durch einen Markt durch, aber der ist sehr Textillastig und komme dann in einen Food-Markt, das liegt mir schon eher.
Einige der Dinge, die hier verkauft werden, kenne ich schon, andere sind mir völlig fremd. Aber es ist wie immer auf den Märkten: es ist bunt, es ist laut, es riecht stark und es ist einfach fantastisch.
Leider finde ich keinen foodcourt, keine sonst typische Ecke, wo die Lebensmittel nicht mehr nur verkauft werden, sondern wo sie auch zubereitet dargeboten werden. In Südamerika war das sehr häufig, aber hier in Asien kenne ich das eigentlich auch.
Hier gab es aber nur ein kleines Restaurant auf dem Markt, das Dumplings verkaufte, und die finde ich immer sehr langweilig. Ich habe dann etwas abseits ein kleines Restaurant gefunden und habe etwas bestellt, dass 10.000 Won kostete. Das war das einzige Selektionkriterium. Die Schrift konnte ich eh nicht lesen und ich wollte nichts Großes, nur eine Kleinigkeit. Und für den Preis kann das nicht so viel sein.
Dachte ich?
| Seafood-Suppe mit Beilagen |
Und dann kam die Kellnerin und brachte mir einen wirklich großen Teller mit einer Seafood Suppe (sehr scharf) dazu Reis mit Rührei und eine sehr dicken braunen Soße. Zwei Bauarbeiter, die drei Tage nichts gegessen haben, sollten davon satt werden. Dazu gab es natürlich auch noch das eingelegte Gemüse, dass ich mittlerweile wirklich sehr mag.
Das Navigieren hier ist dann so schwierig doch nicht. Ich habe zufällig entdeckt, dass Google Maps zwar nicht die Autoroute und auch nicht die zu Fußnavigation unterstützt, wohl aber die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich kann also ganz einfach mein Ziel eingeben und er zeigt mir die nächste Haltestelle und welcher Bus oder welche U-Bahn da gerade fährt. Damit komme ich dann schon mal gut klar und für den Rest verwende ich dann Apple Maps, die aber viele Destinationen nicht kennt.
Ich gehe dann noch ein bisschen durch das Viertel, einfach, weil es bunt und schön ist und weil ich Zeit habe. Dabei komme ich an einem Schild vorbei, dass offensichtlich vor dem Wegwerfen von Abfall warnt. Die Strafe geht hoch bis 1 Million Won. Das sind immerhin 580 € und das wäre mir dann doch zu teuer.
Ich habe dann den sehr überfüllten Bus schnell gefunden und war 3 Minuten vor Abfahrt meines Zuges am Bahnhof in Suwon.
Auf dem Bahnsteig kann man die Durchsage, dass der Zug 10 Minuten Verspätung habe wegen Verzögerung beim Einsteigen. Alles normal.
Die Rückfahrt war nicht ganz so toll, weil ich nur einen Stehplatz hatte, aber das kann man sich hier um die Tageszeit wohl nicht aussuchen. Aber zu mindest konnte ich mich zeitweise hinsetzen. Seltsam, dass die anderen Passagiere einfach stehen geblieben sind und den freien Platz verschmäht haben. Aber es gibt hier sehr feste Regeln! Zum Beispiel beim Anstehen wird geduldig angestanden, ohne dass sich jemand vorpfuscht. Das Respektieren von reservierten Sitzplätzen, auch wenn niemand drauf sitzt, scheint auch so eine Regel zu sein. Spannend ist auch die Beachtung von Rotlicht. Ich hatte das auf dem Flughafen schon gesehen, da war ein Info Schild, wo drauf stand, dass man bei Rot nicht über die Straße gehen soll. Und da sehe ich hier auch: auch bei relativ langen Rot Phasen, und wenn kein Auto kommt, bleiben die Leute geduldig stehen und warten auf Grün. Eigentlich nicht schlecht! Auf Rolltreppen wird grundsätzlich rechts gestanden und links gegangen.
Und dann ist dann noch der Respekt vor den älteren Menschen. Ich habe vorhin einen Busfahrer beobachtet, der viermal hintereinander die Türe aufgemacht hat für ältere Herrschaften, die teilweise am Stock auf den Bus zugehumpelt kamen. Ich denke, in Deutschland hätte der Fahrer die Türe zugelassen und vielleicht noch „Pech“ gerufen.
Der Zentralbahnhof hier in Seoul ist gigantisch, groß. Es gibt viele unterirdische Gänge, auch mehreren Ebenen, die man bewältigen muss, wenn man von der eigentlichen Eisenbahnhalle zu den anschließenden U-Bahnen will. Ich muss hier morgen auch umsteigen. Werde mir dafür eine halbe Stunde Zeit nehmen. Man läuft bequem mit Suchen 20 Minuten unterirdisch, bis man seine richtige Bahn gefunden hat.
Zum Schluss bin ich dann noch über den Myeongdong-Markt gelaufen. Ich kenne ihn zwar schon, aber es ist immer wieder phantastisch, durch die Menschenmenge, die Gerüche, die Farben und den Lärm zu laufen. Ich bin zum Glück mittlerweile knapp mit Kohle und ich will nicht noch mal tauschen. Deshalb sind mir die Leckereien verwehrt, obwohl ich mich erdreistet habe, einen Händler zu fragen, ob er auch Karte nimmt.
Nimmt er nicht.
Aber ein T-Shirt-Shop akzeptierte Apple Pay! Nun ist es so, dass ich viel viel viel viel zu viele T-Shirts haben und mein Gepäckvolumen das auch nicht zuläßt, aber manchmal habe ich mich nicht im Griff. Es ist rot.
Das ist jetzt mein letzter Abend hier in Seoul. Ich kann nicht behaupten, dass ich Korea kenne oder auch nur Seoul. Oder auch nur den Stadtteil Myeongdong! Aber ich war hier und es hat mir gefallen. Der Stadtteil, die Stadt und auch das Land sind eine Reise wert. Es ist bunt und verrückt, die K-Pop-Kultur ist allüberall und die zusammen mit den vielen jungen Leuten macht einem gute Laune. Es sind viel mehr, als bei uns, ich denke, do ein demographischer Wandel würde uns auch sehr gut zu Gesicht stehen. Ich finde Korea gut und morgen werde ich auch noch andere Orte kennenlernen. Ich bin gespannt!
Abends bin ich dann noch über den Markt gegangen, um noch ein letztes Mal einzutauchen in dieses Gewühl. Und wie der Zufall es wollte, habe ich das Restaurant vom ersten Abend wieder gefunden. Erst hatte ich überlegt noch mal diesen Salat zu essen, dann hab ich mich aber für eine Suppe (Yukkalmyeon) entschieden. Die Kellnerin guckte mich besorgt an und sagte nur das Wort „Spicy“. Ich nickte. Dann meinte ich: ja okay Little Spicy.
Als die Suppe dann kam, zeigte sie sich in feuerrot und war, die wohl hier üblich, auf 600° erhitzt worden. Es war dann dieses Wechselspiel: ich nahm einen Löffel, bliest drauf, meine Brillengläser beschlugen und ich sah nichts mehr, und als ich dann wieder was sah, war das, was auf dem Löffel war, essbar.
Es dauerte fast eine Viertelstunde, bis die Suppe so weit runtergeführt war, dass man sie gut essen konnte. Sie war mit Nudeln und Gemüse mit ebenfalls wieder gezupften Rindfleisch, also pulled Beef. Das scheint es hier öfter zu geben und dazu wieder dieses leckere eingelegte Gemüse. Von der Menge her war es gut und gerne für zwei Personen, am besten welchen, die den ganzen Tag körperlich gearbeitet haben. Ich wundere mich wirklich, warum die Koreaner nicht alle kugelrund sind, weil die Portionen hier alle gigantisch groß sind.
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