Montag, 27. April 2026 Liuqiu

Nachdem ich herrlich geschlafen und auch dieses Mal leckere Kekse zum Frühstück hatte, brach ich auf. Ich hatte gestern überlegt, mir einen Roller zu mieten, habe mich dann aber doch für den Bus entschieden. Der fährt hier an der Küste entlang, die Strecke, die ich gestern auf der Straße auch gelaufen bin. Ich wollte gerne weiter runter in den Süden nach Shanfu Harbour oder noch weiter, das war mir zu Fuß ein bisschen zu weit.









Zuerst ging ich aber von meiner Unterkunft aus dem Berg hoch zum Longsaxiang Tempel. Genau 121 Treppenstufen später stand ich vor dem gewaltigen Portal des Tempels. Es ist ein sehr großer Tempel, der sehr reich verziert ist und bei den 121 Stufen bis oben muss auch der Glaube der Menschen ebenfalls sehr groß sein.

10 Minuten später stand ich wiederum 10 Minuten zu früh an der Bushaltestelle. 10 Minuten warten ist okay. 


Sieht aber so aus, als ob die hiesige Busgesellschaft ein Tochterunternehmen der Düsseldorfer Rheinbahn ist. Der Bus kam nicht pünktlich und er hatte auch nicht 10 Minuten Verspätung und auch nicht 20 Minuten. 

Mehr kann ich nicht sagen, denn dann war meine Geduld in der Hitze auch zu Ende. Also bin ich erst mal wieder runtergegangen zum Wasser, um dort einfach Richtung Süden zu laufen, solange wie ich Lust hatte. Immerhin gab es die Option, eventuell auf dem Rückweg einen Bus zu erwischen. 


Auf der Suche nach etwas Schatten bin ich dann in den ebenfalls sehr schönen Lingshan Tempel gegangen. Hier sind mir die sehr schön gemachten Fresken aufgefallen und auch die bereits automatisierten Geräte, um etwas Lärm zu machen (Trommel und Glocke).








Im Wesentlichen war das heute anfangs die gleiche Strecke, die ich gestern gegangen bin, nur dass ich dieses Mal im überwiegend auf der Straße geblieben bin. Ich kam an einem schönen Aussichtsturm vorbei, dessen Schönheit im Wesentlichen darin bestand, dass in der oberen Etage ein sehr angenehmer Wind ging und es auch noch Schatten gab. Herrlich! 







Etwas später kann ich an einer kleinen Ansammlung von Häusern vorbei, und da gab es sogar eine Kartbahn. Die Gokarts sah ganz anders aus als die, die man in Deutschland kennt, vielleicht eher an diesen Bahnen auf der Kirmes, wo diese elektrischen Autos immer gegeneinander fahren. 



Das Besondere hier war die beiden Wagen, die gerade auf der Bahn waren; sie wurden jeweils von zwei Leuten gelenkt. 

Ja genau: es gab zwei Lenkräder, und beide, die nebeneinander saßen, lenkten auch. Verrücktes Taiwan.


Es ist heiß heute und durch den Asphalt wird es nicht kühler. So richtig leicht fiel mir das laufen nicht. Bei jedem Schritt dachte ich daran, dass ich ja wahrscheinlich auch wieder zurückgehen muss.

Nach anderthalb Stunden hatte ich noch keinen Bus gesehen. Weder in der einen noch in der anderen Richtung.


Wenig später führte du mich der Weg an einem alten, chinesischen Friedhof vorbei, der leider schon ziemlich verfallen war. Einzelne Gräber wirkten aber noch sehr gepflegt.





Dann kam ich nach Shanfu. 

Was ist Shanfu? 

Das wusste ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht. Es waren zwei Pavillons, um etwas Schatten bekommen konnte und von wo aus man auf das Meer sehen konnte. 

Und es gab ein Schild Eingang. 

Keine weitere Erläuterung

Dem folgte ich, obwohl ich ein bisschen die Befürchtung hatte, dass das der Eingang zu einer Toilette sein könnte. 

Aber ich ging trotzdem. 

Der Gang ging abwärts und in Zickzack und endete weiter unten an einem sehr dunklen Gang. 

Dieser dunkle Gang endete dann an einem noch dunkleren Gang. 




Es war hier viel dunkler, als auf dem Photo!


Es war hier viel dunkler, als auf dem Photo!


Es war hier viel dunkler, als auf dem Photo!



Ich war jetzt hier irgendwo unter der Erde und konnte kaum etwas sehen. Ich folgte dem Gang, obwohl rechts und links ab und zu auch mal Öffnungen waren aus denen ebenfalls kein Licht drang. 

Ein bisschen komisch in der Bauchgegend war mir schon. Ich hatte das Licht von meinem Handy angemacht, aber so richtig viel kann man damit auch nicht sehen. 





Aber dann sah ich Tageslicht. Ich ging raus und kam auf einem großen Platz. Die riesige Eingangspforte, die ich gerade durchschritten hatte, war mit Camouflage-Malerei getarnt und bestätigte, was ich mir vorher schon gedacht hatte: es war eine Verteidigungsanlage. Hier stand dann auch ein Schild, dass das bestätigte und wo auch beschrieben war, dass diese Anlage quasi entmilitarisierte worden ist. Im geheimen dachte ich, dass die Leute hier in Taiwan die Anlage vielleicht doch wieder in Betrieb nehmen sollten, falls Mister Xi…..


Von hier aus führt ein schmaler Schotterweg weiter. Es ist ein künstlich angelegter Weg ist, auf dem man Kunstwerke platziert hat. Es sind kleine Figuren, bei denen mir der Begriff „Kunst“ schwer von den Lippen kommt. 







Das erste eher als Kunst erkennbare Objekt ist ein kleines Häuschen mit einer Bank und mit Blick auf das Wasser. Es gibt hier sogar eine englische Erklärung die folgende sagt: dieser Raum stellt für jeden etwas anderes dar. 

Für Frauen hier von der Insel bedeutet es warten und denken. 

Für welche, die von weiter wegkommen, ist es der Gedanke an daheim 

Für Seeleute und Fischer bedeutet es Geld und Stoltz 

Für ein Kind, dass sein Heim verloren hat, bedeutet es Nostalgie und 

generell für die Leute von der Insel bedeutet es Kampf um die Existenz. 


Die letzte Frage in der Erklärung ist: was bedeutet es für dich?


Das kann ich schnell beantworten. Wenn ich hier so sitze und auf das Meer heraus gucke, ist da einerseits meine langjährige Liebe zum Wasser und andererseits die Sehnsucht nach der Ferne.






Und dann war ich angekommen in Shanfu Fishing Harbour. Es ist ein kleiner Hafen und es liegen auch nur die sehr kleinen Fischereischiffe da drin, das sind offene Boote, von denen aus teilweise mit kleinen Netzen gefischt wird. Ich bin hier nur einmal rumgeschlendert einfach um die Atmosphäre einzuatmen.






Während ich da so aufs Wasser gucke, taucht so 2-3 m entfernt von mir wieder eine Schildkröte auf. Das ist wirklich nett!


Mittlerweile gehe ich etwas breitbeiniger, weil nicht nur mein Hemd ziemlich durchgeschwitzt ist, sondern der Slip ist auch ziemlich nass. Die Shorts, die ich trage auch teilweise. Die Temperatur ist schon ziemlich heftig, wobei der Wind es etwas abmildert hat. ich muss nur aufpassen, dass ich mir keinen Wolf laufe, das kann ich jetzt nicht gebrauchen.


Und da ist dann auch wieder ein sehr großer Tempel, der aus mehreren Gebäuden steht. Es ist der Shangshan Fuang Tempel.



Ofen


Schöner Ofen


Phantastischer Ofen






Am schönsten finde ich eigentlich immer die Dächer, die oft sehr kunstvoll gestaltet sind. Natürlich überwiegen auch hier die Farben rot und gold. Neben dem Tempel stehen einige Öfen, teilweise sind das einfache Blechfässer, teilweise aber auch sehr kunstvoll gestaltete Türme oder auch ein Ofen in Form eines Löwen. 

Hier wird, ich nenne es mal Opferpapier, verbrannt. Das kann geweihtes? Papier sein oder auch primitive nachgemachte Geldscheine. Man schickt sie den Toten, damit es ihnen im Jenseits gut geht. Man opfert es auch an Götter.


An dem einen Tempel ist an der Seite ein Wasserhahn, und da steht mir zur Zeit sehr der Sinn nach. Etwas Abkühlung oder vielleicht auch mal was trinken? Allerdings ist das Wasser fast kochend heiß und trinken traue ich mich auch nicht so richtig. Später am Nachmittag bin ich noch durch das Dorf gegangen und sah dort eine seltsame Zapfsäule mit Münzeinwurf und einen Mann, der daraus Wasser in einen Kanister füllte. Solche Automaten habe ich schon öfter gesehen, wusste aber nie, wofür sie gut sein sollten. Jetzt weiß ich es, und auch, dass das Wasser aus dem Wasserhahn mit Sicherheit nicht genießbar ist.


Ein paar 100 m weiter kam ich an einer Garküche vorbei und die hatten einen Kühlschrank draußen stehen. Chapeau! Ich kaufte mir eine Flasche Wasser und trank.

Und trank.

Und trank.



Wieder später kam ich noch mal am Beauty Beach vorbei und fand dort eines chattige Stelle, wo ich mich hinsetzen und anlehnen konnte. Hier habe ich dann das 2 Stunden vor mich hingeträumt.


Angelockt durch die Korallen gibt es natürlich mehrere Tauchschulen hier auf der Insel. Man sieht überall die Flaschen, die Gürtelgewichte und am Strand sieht man auch oft kleinere Gruppen mit ihrem Lehrer zusammen. Das Geschäftsmodell ist so, dass der Lehrer und seine Gruppe (oft 20 Mann) mit Motorrollern zu den entsprechenden Plätzen fahren, wo man gut ins Wasser kommen kann. Sie sitzen auf den Rollern, immer zu zweit und meistens auch im Neoprenanzug. 

Neoprenanzüge bei 30° im Schatten sind diskussionswürdig. 


Und dann fahren die, meistens auch auf Scooter der gleichen Flotte an einem vorbei und man erkennt ein bisschen, dass die Leute wahrscheinlich noch nicht tauchen können, aber sie können auch noch nicht so furchtbar gut Roller fahren. Spannend!


Morgen verlasse ich die Insel wieder. Die erste Fähre geht um 7:40 Uhr und die nächste erst wieder um 9:00 Uhr. Das fand ich seltsam, weil zum Beispiel gestern Nachmittag die Fähren hier in 10 Minuten Takt rein und raus fuhren. Als ich heute an den Hafen kam, war da absolut nichts los. Wenig Menschen, keine Fähren. Aber dann fiel es mir ein, gestern war Sonntag. Da strömen die Menschen aus Taiwan vom Festland gerne mal auf die Insel. Also werde ich morgen früh aufstehen müssen.

Kommentare

  1. Diesmal hast du viele Schildkröten getroffen.Der Räucherständer im Tempel wird von dir als Backofen bezeichnet, was wirklich amüsant ist.

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