Mittwoch, 29. April 2026 Beigang

Heute gibt es Frühstück. Ich habe ein Hotel, das auch Frühstück serviert und diesen Luxus gönne ich mir mal. Es ist ein schöner heller Raum und es gibt verschiedene Dinge zum Frühstück, Nudeln, Blumenkohl, Auberginen und anderes Gemüse, aber auch Eier, Nutella und Toast. 


Nudeln wären ja noch okay, aber die anderen Gemüsesorten sind nichts für mich zum Frühstück. In einer Ecke entdecke ich noch Äpfel und Birnen, da kommen wir schon näher dran. 


Dann entscheide ich mich noch für ein Toast und ein gekochtes Ei. Ich hätte mir gerne das Ei klein geschnitten und aufs Brot gelegt, aber natürlich gibt es kein Messer. Mit einem ziemlich stumpfen Löffel zerteile ich das Ei und lege es aufs Brot und esse es vorsichtig, damit es nicht runterfällt. Ein bisschen schwierig, aber zusammen mit dem Kaffee und Spiegel Online habe ich eine gute Zeit. 


Dann beginne ich mein Tagesprogramm. Zuerst will ich auf den großen lokalen Markt gehen, es sind anderthalb Kilometer, also gehe ich zu Fuß. Es ist kurz nach neun, als ich losgehe und auf dem Thermometer steht 31. Das wird ein anstrengender Tag! 


Aber die Strecke lässt sich gut gehen und bald bin ich an dem Markt. Was heißt gut gehen? Das bedeutet, dass ich große Teile der Strecke auf dem Bürgersteig gehen kann. Sonst ist er immer komplett zugestellt mit Motorrädern und man muss auf der Straße gehen. Das ist aber prinzipiell die Motorradspur, also rasieren einem die vorbeifahrenden Motorräder fast die Ohren ab. Aber wie gesagt, heute hatte ich etwas Platz für mich.









Das mit dem Platz war nun vorbei. Der Markt ist riesig groß, aber sehr eng. Es gibt einerseits schmale Straßen, und dann gibt es auch noch dunkle Gänge, die in die Gebäude hineinführen. Überall sind Marktstände, im ersten Bereich sind Dinge, die man essen kann. Entweder frisch oder gekocht beziehungsweise gebraten. 






HERZliche Grüße





Das Problem ist aber, dass hier auch überall Mopeds sind. Die sind auf diesen engen Straßen, die sind aber auch in den Gebäuden. Sie kommen einem entgegen oder sie fahren von hinten an einem vorbei machen dabei viel Lärm und Gestank und das Gehen ist wirklich schwierig. 


Ich dachte immer, dass das eine Pest wäre, die es nur in Südostasien gibt, also in Thailand oder in Kambodscha, aber hier ist es weitaus schlimmer, weil es so viele sind.

Bei den zubereiteten Lebensmitteln sind viele dabei, die echt lecker aussehen und die auch gut riechen. Vielleicht hätte ich eher nachmittags auf den Markt gehen müssen, aber jetzt so kurz nach dem Frühstück habe ich keinen Appetit.









Die frischen Lebensmittel, vor allem das Fleisch, sehen für mich nicht ganz so toll aus. Das liegt aber auch daran, dass wir in Deutschland Fleisch eigentlich nur noch verpackt im Supermarkt kennen und dabei auch nur ein paar wenige Arten von Fleisch. Das ganze Thema Innereien, dass ich aus meiner Kindheit noch sehr gut kenne, ist heute nicht mehr vorhanden. 


Gerade mal in einem griechischen Restaurant findet man schon mal gebratene Leber, aber mehr auch nicht.


Es scheint keine erkennbare Ordnung zu geben. Da ist ein Gemüsestand neben einem Fleischstand neben einem Geschäft, das irgendwelche Teigfladen verkauft. Dann kommt wieder ein Fischgeschäft und ein Porzellangeschäft und dann sieht man plötzlich einen kleinen Tempel. Aber das macht diesen kleinen Spaziergang auch noch interessanter.


Es ist auch interessant, den Leuten beim Arbeiten zuzusehen. Da wird Fleisch oder Fisch zerkleinert, mit einem offensichtlich sehr scharfen Messer und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Oder ich sehe eine Frau, die Austern ausnimmt und sich dabei mit jemandem unterhält. Sie guckt gar nicht hin, sondern sieht nur ihren Gesprächspartner an und schafft dabei (ich habe es extra gestoppt) in 10 Sekunden sieben Austern.






Nach circa 1 Stunde brauchte ich dann erst mal eine Pause. Ich bin in meinen Lieblingsladen gegangen. (7/11) um einen Kaffee oder eine Cola zu trinken. 


Spontan bin ich dann erst mal zu dem Geldautomaten gegangen, um zu checken, was der für Gebühren zieht. Ich probierte es und: Überraschung! Er wollte nur umgerechnet 2,70€ haben. 

Das finde ich absolut moderat und dafür gönne ich mir dann noch etwas Bargeld. Das macht mich insgesamt natürlich deutlich flexibler vor allem beim Abendessen und auch auf den Märkten. 


Und dann hab ich mir natürlich einen Cappuccino geholt und den zur Feier des Tages in bar bezahlt.


Auf dem Weg zurück musste ich noch einmal quer über den gesamten Markt gehen. An einem Stand entdeckte ich dann zufällig diese Thunfischbonbons und,  jetzt mit Bargeld ausgestattet, kaufte ich mir eine Tüte. 


So interessant der Markt auch ist, so nervig ist das auch mit den Mopeds. Einige von denen fahren unglaublich schnell durch die engen Gassen zwischen den Leuten durch und bei vielen sehe ich, dass sie nicht die Hand an der Bremse haben. 


Wenn ich fahre, sind liegt fast immer wenigstens ein Finger jeder Hand an der Bremse, so dass ich auf jeden Fall immer bereit bin zum Bremsen. 



Hunde sieht man oft!



Aber es gibt auch kuriose Dinge, zum Beispiel habe ich hier eine Frau gesehen, die hatte auf dem Roller vor sich einen richtigen kleinen Kinderstuhl und darauf saß ihre kleine Tochter. 


Der deutsche TÜV würde sowas ungern sehen.


Laut Reiseführer gibt es hier im Ort eine Spezialität, die aus Truthahn gemacht wird. Vielleicht probiere ich es heute Abend mal. An einer Ampel sehe ich dann zufällig, dass über dem roten oder grünen Männchen, das entweder steht oder läuft dann auch oben drüber einen animierter, grüner oder roter Truthahn zu sehen ist. Nett!



Nach einer kurzen Pause bin ich dann noch mal losgezogen. Ich möchte nach Beigang fahren, das ist eine kleine Stadt circa 1 Stunde und Chiayi entfernt. Ein Bus bringt mich ohne Umsteigen dahin. 


Der Bus ist schon ein bisschen älter und hat wahrscheinlich schon viel gesehen, aber was soll’s? Er fährt.






Unterwegs kamen wir durch einen kleinen Ort und plötzlich fielen Schüsse. In Deutschland hätte ich mir jetzt fast in die Hose gemacht, aber hier weiß ich, dass die Menschen hier gerne aus irgendwelchen Gründen mit Feuerwerkskörpern hantieren. 

Normalerweise sind das keine Raketen, sondern irgendwelche Objekte, die Krach machen. Das ist hier völlig normal, das kenne ich aber auch aus China oder aus Malaysia, wo auch viele Chinesen leben. 


Von der Haltestelle in Beigang waren es nur noch ein paar Schritte bis zur Beigang Old Street. Wie zu erwarten, war ich hier nicht der einzige Tourist. 


Am Straßenrand waren unzählige Geschäfte, um den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. 











Dann kam eine kleine Parade, angeführt von zwei sehr bunten Autos, dahinter dann zwei riesige, was auch immer Monster oder Götter, keine Ahnung. Aber sie sahen sehr beeindruckend aus und auch die ganze Aufmachung war sehr liebevoll angelegt. 


Sie standen eine zeitlang still, und ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte, aber dann hörte ich hinter mir wieder Explosionen und Schüsse. Und ja, da wurde auch wieder reichlich Feuerwerk abgebrannt. 

Eine tolle Performance!. 

Es sind überwiegend alte Häuser hier. Bei Old Street passt das ja auch. Hier sehe ich auch zum ersten Mal in Taiwan mehrere Bettler sitzen, aber wahrscheinlich ist der Touristen Hotspot attraktiv für Sie.




Ich denke, die Leute werden hier mit Bussen rangekarrt. Auf jeden Fall sieht man mehrere große Gruppen, wo immer einer mit einer Fahne vorne wegläuft, und wo die Teilnehmer alle irgendwelche Namensschilder um den Hals haben.

Neben der sehr bemerkenswerten Brücke war dann auch wieder ein Laden mit diesen Kirmesautomaten, wo oben ein Greifer ist und man muss mit einem Joystick versuchen, einen der Gegenstände, die da unten liegen, zu greifen und in ein Fach zu werfen. 






Hier sind es nicht nur kleine Plüschtiere, sondern durchaus auch schon mal Kopfhörer oder andere höherwertigere Gegenstände. Aber auch was man dafür einwerfen muss, ist unterschiedlich hoch, das einzige, was all diese Automaten hier oder auch in Deutschland auf den Jahrmärkten  gleich macht, ist, dass man mit Sicherheit nicht das bekommt, was man will. Wohl aber der Automatenbesitzer. Der bekommt, was er will. Solche Automaten-Batterien habe ich bisher in jeder Stadt hier in Taiwan sehr oft gesehen. Die Menschen hier im Lande finden das offensichtlich ganz toll!


Und dann bin ich am Chaotian Tempel angekommen. Es ist ein Mazu Tempel. Mazu, die Schutzgöttin der Meere, ist seit Jahrhunderten eine zentrale Figur in der chinesischen und ostasiatischen Kultur. Ihre Rolle als Beschützerin der Seefahrer und ihr kulturelles Erbe haben weltweit tiefe Spuren hinterlassen.

Der Tempel wurde im Jahr 1694 erbaut und ist der wichtigste Mazu Tempel in Taiwan. Über 1 Million Pilger besuchen ihn jedes Jahr. 1694 brachte ein Mönch die Göttin Mazu von Festland-China nach Taiwan und gründete den Tempel. Der Tempel wurde über Jahrzehnte ausgebaut und expandierte. 1730 wurde er umbenannt zum Tempel Chaotian Tempel (Tempel der Himmelskaiserin).












Die Dächer sind unglaublich bunt und schön, und ich bin davon überzeugt, dass hier ganze Geschichten erzählt werden. Eine unglaublich aufwändige Arbeit.

In dem Ofen vor dem Tempel wird wieder sehr viel verbrannt und eine Frau mit einem Kind auf den Arm hält ihre Hand über den Rauch, und dann legt sie die Hand auf den Kopf ihres Kindes. Sie wiederholt das, und legt dem Kind die Hand auf die Brust. Eine andere hält ihren Rucksack in den Rauch.









Natürlich verstehe ich die ganzen Rituale, die hier ablaufen, nicht. Ich kann nur sehen und staunen. In einem weiteren Raum wird ein in einem großen Fass auch ein offenes Feuer erzeugt und dann wird eine kleine Puppe, die wohl einen Heiligen darstellt, der auf einem Stuhl sitzt, über diesen Rauch gehalten. 


Und dann bekommt irgendjemand diesen Stuhl mit der Puppe. Ich gehe davon aus, dass die Leute diese Figuren für ihren Hausaltar gekauft haben und ihn hier segnen lassen. 

Während der ganze Zeit wird über die mechanische „Fernsteuerung“ Krach gemacht. Eine kleine Hammer schlägt an eine große Glocke und ein anderer gegen die große Trommel. Also abwechselnd ein „Boom“ und ein „Kling“. Sehr mystisch!

Hier gibt es auch wieder so eine Wunschwand mit ganz vielen Botschaften. Der Tempel ist sehr groß und besteht aus vielen Räumen, aber er ist auch sehr voll und ich will die Leute hier nicht zu sehr stören.


Es gibt einen Raum, da sind sehr viele leuchtende Säulen aufgestellt. Es sieht fast aus, als seien das Gebetsmühlen, es scheint aber etwas anderes zu sein. In den Säulen sind ganz viele kleine viereckige Bilder, manchmal sind es kleine weibliche Puppen, die da drin sitzen, manchmal aber auch nur eher abstrakte Abbildungen. 







Und das darf auch nicht fehlen…




Aber es sieht fantastisch aus! Ich denke es hat irgendetwas mit real existierenden Personen zu tun, weil es gibt einen Automaten, wo man irgendwie über die Nummer herausfinden kann, was was ist.


In dem Tempel ist es durch die vielen Feuer noch wärmer als draußen, daher brauchte ich etwas Abkühlung und fand sie in einem super klimatisiertem 7/11. Die gibt es hier wirklich überall. 


Ich bestellte mir einen Kaffee und bat das Mädchen, meine Easy Card zu überprüfen. 

Man kann ja in den Supermärkten überall Aufladungen kaufen, und die können auch checken, wie viel Guthaben noch auf der Karte jeweils ist. Meistens kann ich das dann auf dem Display der Kasse lesen, hier aber nicht. Hier konnte das nur das Mädchen lesen. Aber sie sprach kein Englisch und konnte mir deshalb nicht den Betrag nennen. 


Dann kamen zwei andere Mädchen zur Hilfe und versuchten zu helfen. Für mich sah es so aus, als ob jeweils eine von denen jeweils eine Zahl auf Englisch konnte! Es war noch 285 $ auf der Karte und eine hat „two“ gesagt die andere „eight“ und die letzte „five“. Das brauchte ich mir nur noch zusammensetzen. Aber wir haben alles sehr gelacht.




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