Mittwoch, 22. April 2026 Taitung
Ich war heute eine Viertelstunde vor dem Wecker wach und hab die Zeit genutzt, ausgiebig die Dusche zu genießen und Zeitung zu lesen. Ich hatte mir gestern ein Taxi bestellt, weil ich hätte alleine schon eine Viertelstunde bis zum Bus laufen müssen.
Der Fahrer war auch pünktlich da und hat mich dann deutlich zu früh am Bahnhof abgesetzt. Gut so!
Es scheint ein schöner Tag zu werden. Die Sonne scheint, und endlich tauchen mal die Berge aus den Wolken auf. Auf dem Bahnhof ist es noch sehr entspannt und nur wenige Reisende sind auf dem Bahnsteig.
Wenig später fahren wir durch grüne Felder in dem sehr komfortabel Puyuma Express. Die Sitzabstände sind so groß, das es keine Rolle spielt, ob der vor einem Sitzende die Lehne nach hinten klappt.
Der Zug ist auch auffallend leise und so schaukeln wir ganz gemächlich Taitung entgegen.
Auf diese Art zu reisen ist wirklich superschön. Es ist nicht so eng wie im Flugzeug, im Auto oder im Bus, man kann zwischendurch aufstehen, speziell in diesem Fall könnte man sogar schlafen. Nach meiner Erfahrung sind die Preise in den meisten Ländern auch sehr moderat. Die Fahrt Düsseldorf-Frankfurt hat mich 64 € gekostet, jetzt die Fahrt von Hualien nach Taitung (knapp 2 Stunden) 14€.
Nach einer Zeit ändert sich die Landschaft und wir kommen an unzähligen Reisfeldern vorbei. Pünktlich (nimm das, Deutsche Bahn!!) erreichen wir unser Ziel.
Am Bahnhof fällt mir schon die Freundlichkeit der Leute auf. Ich habe auf meinem Handy nachgesehen, wie ich am besten zum Hotel komme und ein junger Mann kam zu mir und fragte ob er mir helfen können.
Allerdings funktioniert Google hier wirklich gut. Ich habe schnell den Bus gefunden, der mich in die Innenstadt brachte. Hier stieg ich in einem großen Markt aus und ging die letzten 500 m zu meiner Unterkunft. Auch hier war eine sehr freundliche und hilfsbereite Gastgeberin.
Nicht weit von hier ist eine Insel, Green Island und da soll es sehr schön sein. Ich habe das leider zu spät gesehen und schon im Internet war es nicht möglich, Fährtickets zu besorgen. Trotzdem fragte ich sie, ob es noch Tickets gibt.
Für 13:00 Uhr hätte ich noch ein Schiff bekommen können, aber es wäre erst am nächsten Tag wieder zurückgekommen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihr das leid tat und dann kam sie auch sofort an, mit einem kleinen Touristen-Stadtplan und hat mir die Orte eingezeichnet, die ich stattdessen besuchen sollte.
Ich finde sowas immer überwältigend! Als erstes bin ich dann zu einem Park gegangen am Meer.
Der Reiseführer meinte, dass die Strände hier nicht so schön wären wie in Hualien. Und er hat recht! Die Strände hier sind im Prinzip genauso oder wirklich noch etwas schlechter als die von gestern. Wieder nur Steine und scharfkantiger Schotter. Das Meer ist ja irgendwie überall schön, aber wenn dann an diesem Strand auch noch diese hässlichen Wellenbrecher liegen wirkt das nicht so toll.
Etwas weiter Richtung Norden war dann noch mal ein Strandabschnitt und ein kleiner Park. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier am Wochenende in dem Park viele Leute sind, ob die an den Strand gehen oder gar schwimmen vermag ich nicht zu sagen.
Um 12:30 Uhr konnte ich dann einchecken, bei dem Zimmer gibt es nichts zu meckern. Gute Klimaanlage (die braucht man hier) Sitzgelegenheit, großes Bett, Kühlschrank, Kaffeemaschine und die Unterkunft ist sogar mit Frühstück. Meine Gastgeberin war immer noch sehr freundlich, als ich das Zimmer bezog und so habe hier für eine Nacht eine gute Unterkunft. Getoppt wird das Ganze durch den elektrischen Stuhl! Damit meine ich natürlich das elektrische Klo im Badezimmer. Ich liebe es!
Nach einer kurzen Pause bin ich über den lokalen Markt gegangen, leider war der schon im Schließen begriffen. Hier gibt es überwiegend Lebensmittel und nur wenige Textilien oder Schuhe. Neben der riesigen Gemüseabteilung gibt es auch Fleisch und Fisch. Bei den Fischen sind mir einige relativ große Lachse aufgefallen und ich habe sehr begeistert zugesehen wie eine Frau die ausgenommen und geteilt hat. Profis am Werk!
| Nein, ich will nicht wissen, was das ist… |
Ich habe mir danach die durchaus charmante Innenstadt von Taitung angesehen und bin dann zu dem „Wave House“ gegangen. Das ist eine sehr seltsame Konstruktion, die im Kern aus Beton besteht und darüber ein riesiges Dach aus Holz. Beton ist nur die Basis für die eigentlichen Räumlichkeit. Das sind aufeinandergestapelte Industriecontainer! Wirklich mal was anderes!
Anschließend bin ich gemütlich wieder in meiner Unterkunft gegangen, um mir da ein Fahrrad zu holen. 4 km sind es bis zum Kunstmuseum und die lassen sich hier auf den Straßen relativ entspannt fahren, außer das wirklich alle paar Meter eine Ampel steht. Ich muss an fast jeder anhalten. Das Fahrrad ist „naja“, (eine 4-5). Es ist ein Klapprad mit sechs-Gangschaltung, wo aber der sechste Gang offensichtlich nicht funktioniert und leider Gottes wackelt der Lenker, so dass ich stark verunsichert bin.
Ich fahre dementsprechend vorsichtig, aber toll finde ich das nicht. Neben den vielen guten Seiten von Taiwan kann ich ganz klar sagen: Fahrräder können die nicht.
Angekommen am Kunstmuseum war es zuerst etwas schwer, den Eingang zu finden, aber dann hatte ich ihn und er war gut zu erkennen an den großen Schildern, die da dran hingen, die irgendwie nichts Gutes bedeuten.
Mit Google Translate kriegte ich dann raus, was los war: das Museum war geschlossen.
Jetzt bin ich mal ausnahmsweise nicht an einem Montag auf der Suche nach einem Museum (das passiert mir öfter) und dann sowas. Aber klar, solche Sachen können passieren und davon lass ich mir die Laune auf keinen Fall verderben.
Wenn schon kein Museum, dann wenigstens das „Railway Art Village“. Das ist nur 3 km von hier und in der letzten Stunde ist auch etwas Wind aufgekommen. Da ist zwar nicht so schön, wenn er von vorne kommt, aber er kühlt wenigstens etwas. Ich habe mittlerweile auch ein anderes Hemd an, das erste hängt auf einem Bügel zum Trocknen in meinem Zimmer. Gerade habe ich an einem öffentlichen Thermometer gesehen, dass wir 29° haben. Ich freu mich schon auf Thailand, da sind es momentan 35°.
| „Kunst“ |
Das „Railway Art Village“ hält auch nicht, was es versprochen hat. Es ist ein alter Bahnhof und man kann noch die Überdachung des Bahnsteig erkennen und die Schienen sind noch da.
Ach ja, und ein Stückchen weiter links ist unmotiviert, ohne Gleisanschluss, eine alte Drehscheibe (von der habe ich in meiner Zeit, als ich eine Märklin Eisenbahn hatte, immer geträumt). Ich habe pflichtbewusst Fotos gemacht und bin dann in einem McDonald’s Kaffee trinken gegangen.
Trotzdem finde ich die Stadt irgendwie nett. Um meine Nerven zu beruhigen hab ich dann das Fahrrad wieder zurückgebracht und bin wieder auf die alte Technik des zu-Fuß-gehens zurückgewichen.
Am Abend war ich noch in einem kleinen Cookshop. Aber immerhin hatte der Tische und eine Alkohollizenz (die meisten der kleinen Cookshops dürfen kein Bier verkaufen). Hier gab es ein sehr leckeres Nudelgericht, fast eine Suppe. Nudeln, sehr frisches und knackiges Gemüse und tolles Rindfleisch.
Das Ganze „medium spicy“. Schade, dass ich morgen nicht mehr hier bin, ich hätte das Gleiche in „spicy“ bestellt!
Die Grüne Insel ist wirklich einen Besuch wert.
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