Freitag, 24.April 2026 Cijin Island


Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel hier ist wirklich einfach. Durch die Chipkarte, die ich habe, kann man problemlos einsteigen und im Bus auf dem Display wird einem auch immer das Restguthaben gezeigt. Mit Google Maps kriegt man gut die Verbindungen raus und ich mache das fast schon routiniert. Der sechziger Bus bringt mich noch mal zum Pier 2 und von da aus geht es zu Fuß weiter. Heute ist es bewölkt und am frühen Morgen auch noch erträglich von der Temperatur her, für morgen ist allerdings Regen angesagt. Mist!







Im Hamasenpark hinter dem Pier 2 stehen noch einige Lokomotiven und Eisenbahnanhänger auf Schienen, als Zeitzeugen aus einer vergangenen Zeit. Die Straßen sind sehr leer, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Temperatur steigt. Selbst beim langsam Gehen kommt man schön ins schwitzen. Dann komme ich am Terminal der Fähre an. Direkt daneben ist der Fischmarkt!

Sagt der Reiseführer. 

Aber da ist kein Fischmarkt. 

Da sind mehrere Fischrestaurants!

Schade eigentlich! 




Yellow Submarine





Meine Fähre



Also bin ich zum Fährterminal gegangen und habe die Fähre nach Cijin Island bestiegen. Die Passagiere bestehen 80 % aus Rollerfahrern, die im unteren Bereich warten und dann sind da noch ein paar Fußgänger wie ich, die eine Etage höher Platz nehmen dürfen. 






Die Fahrt dauert dauert nicht lange ist aber so etwas wie ein Wunder. 


Google kannte diese Verbindung nicht. 

Google zeigte einen Tunnel, durch den man 30 Minuten laufen muss??? 

Womit mal wieder bewiesen wäre: Google weiß nicht alles. 


Die Fähre ist Teil des lokalen Beförderungssystems und kann natürlich auch mit der Easy-Card bezahlt werden.

Wenn man sich an das moderne Kaohsiung gewöhnt hat, fühlt man sich hier arg in die Vergangenheit versetzt. Kleinere Häuser, alles hier ist alt, schmale Straßen…

Der Weg zum Strand ist nicht weit. Es ist ein sehr breiter Strand mit sehr feinem Sand allerdings nicht blütenweiß, sondern eher anthrazitgrau. Vielleicht auch vulkanischen Ursprungs? 






Es ist eine riesige Sandfläche und man sieht keine Leute. An der Straße stehen einige und machen Selfies von sich und dem Strand und dem Meer. Aber da wo der Sand ist, bin ich alleine. Das Ganze bei 28° und bedecktem Himmel (man muss noch nicht mal so viel Angst vor der Sonne haben). Es ist mir völlig unverständlich, dass hier keiner am strand liegt oder badet, aber okay, andere Länder andere Sitten. 


Aber es ist der erste Strand, den ich als einen erkenne. Am Ufer stehen einige Fahnen. Die roten warnen offensichtlich vor dem Schwimmen und grün scheint etwas besser zu sein. Ich denke, dass da irgendein Baywatch ist. 


Anders als sonst im Land sieht man jedoch etwas Untat. Einige Sachen werden angeschwemmt, andere sind hier offensichtlich von Touristen liegen gelassen worden. Die Schifffahrtsstraße, auf die ich schaue, ist die Straße von Formosa (auch Taiwanstraße genannt) und trennt hier Taiwan von China. Allein jetzt wo ich hier komme, schaue, ziehen hier acht große Frachter vorbei. Viel Verkehr! 


Thunfischbonbons







Gegenüber vom Strand ist eine große Markthalle mit einem Fischmarkt. Ist das der Fischmarkt, den ich auf dem Festland gesucht haben, der jetzt hierher umgezogen ist?

Auf fast allen Ständen werden Bonbons angeboten. Es ist seltsam, dass neben Fisch auch Süßigkeiten verkauft werden. Also schließe ich messerscharf, dass das auf keinen Fall Süßigkeiten sind! Aber es wäre sicherlich lustig, die zu kaufen und zu Hause jemandem unterzujubeln. Das dürfte ein böses Erwachen geben! 😄

Ich habe dann aber mal Google bemüht und mir übersetzen lassen, was an einem der Bonbonhaufen stand. Es waren tatsächlich Thunfischbonbons.

An einem Stand habe ich mir dann mal einen zum probieren geben lassen. Natürlich war er nicht süß, es war ein kleines viereckiges braunes Würfelchen. Ich habe es erst mal ausgepackt und dran gerochen, aber es war eigentlich geruchlos. Als ich dann drauf rumgekaut habe, war es ein ganz schwacher Fischgeschmack, nicht unangenehm, aber nicht lecker genug, um auf meine Liste von Lieblingsspeisen zu kommen.

Generell werden hier keine Fische verkauft, sondern viele Fertigprodukte, die in Tüten verpackt sind. Das ist viel getrockneter Fisch oder irgendwie anders haltbar gemachtes Seafood.

Direkt neben dem Markt ist ein großer alter Tempel, leider geschlossen, aber von außen wirkt er sehr beeindruckend.


Dann komme ich zur Cijin Old Street, im Grunde genommen auch ein Straßenmarkt mit vielen Ständen, wo es auch überwiegend Fisch zu kaufen gibt. 





Am Ende der Straße ist der prächtige Tian Hou Tempel. Er ist 1673 gebaut worden und ist der älteste Tempel hier. Es ist ein sehr prächtiges, farbenfrohes Haus. Vor allem das Dach ist reich verziert. Vor dem Tempel sitzt eine Figur auf einem Thron und davor ist ein kleiner Topf. Darüber ist eine Glocke gehängt. Hier werfen die Touristen Geldstücke hinein, was mit der Glocke über dem Topf nicht so einfach ist. Und ich denke, wenn die Münze in den Topf landet, hat man sehr lange sehr viel Glück. 











Ich habe dann auch mal zwei Münzen versenkt, allerdings nicht im Topf. Was wird jetzt mit meinem Glück? 


Etwas weiter steht, in meinen Augen völlig deplatziert, eine Presbyterianer Kirche mit einem sehr hohen Turm. 


Kurz bevor ich dann wieder zur Fähre gegangen bin, gab es noch zwei Shrimp-Rolls. Sehr lecker!



Ich hab mich dann noch mal aufgemacht zu dem Sunfong Tempel, bin aber genauso wie der Wetterbericht vom Regen überrascht worden. Leider war es kein Regen, dem man ignorieren konnte, sondern der meinte es ernst. 




Ich hatte gerade im Hotel meine Hose und mein Hemd zum Trocknen aufgehängt, weil ich es komplett durchgeschwitzt hatte. Jetzt hab ich eine andere Hose an und ein anderes Hemd, die werde ich dann gleich auch aufhängen. 



Zufällig kann ich an einem kleinen Restaurant vorbei, das sich offensichtlich spezialisiert hatte auf Bento Boxen. Am Eingang hingen mehrere Bilder von dem Angebot und das sah echt gut aus. (Zur Erinnerung: Bento-Boxen sind Proviantschachteln für Zugreisende) Ich hatte viel Zeit, mir das Bild anzusehen, weil es hier überdacht war und ich einigermaßen im Trockenen stand. 

Lange Zeit.

Ärgerlich!

Wie gesagt, morgen soll es auch regnen und da dann den ganzen Tag. Ich habe für morgen eine Bootstour gebucht, die uns zu irgendeinem schönen Ort bringen soll (Kultur-Yacht-Rundfahrt) und da haben wir dann 3 Stunden Zeit, spazieren zu gehen. Bei schönem Wetter ist das sicherlich toll? (so war es geplant) aber bei Regen hab ich da wenig Lust zu. Ich fürchte, werde das Ticket verfallen lassen müssen.


Na, dann wurde es weniger, und ich konnte weitergehen. Es war ganz erstaunlich, dass der Asphalt vor mir circa 3 Minuten nach dem Sturzregen wieder trocken war. Die Erde ist soweit aufgeheizt, dass das Wasser sofort verdunstet. 


Und das spürt man auch, es ist warm wie in einer Sauna. Sehr unangenehm! Der Tempel ist nicht weit und ja, er hat mich beeindruckt. 










Er ist riesig groß und im Eingangsbereich hängen nahezu unzählige rote Lampions mit Schildern daran, und soweit ich sehe, steht auf jedem Schild etwas anderes. 

Als ich zu dem Heiligtum komme, sitzt da ein Mann und macht eine einladende Handbewegung und eine Handbewegung für Fotografieren und nickt dazu. Also, ich darf rein und ich darf fotografieren. Innen ist alles sehr golden und sehr rot. 

Die Gläubigen knien vor dem Altar und haben kleine Holzklötze. Die werfen sie auf den Boden und ich denke, die Art, wie sie fallen, sagt etwas über deren Zukunft. Sie werfen die Holzstücke aber auch mehrmals, das ist wahrscheinlich so wie beim würfeln, wenn man auf dem Pasch wartet.



Damit wird wahrscheinlich die Zukunft vorhergesagt



Ich habe natürlich keine Ahnung von diesen Ritualen oder von dem Glauben. Aber der Mann, der mich so freundlich reingebeten hat, winkt mir zu und zeigt auf einen QR-Code, der auf einem chinesischen Schild aufgebracht war. Den sollte ich scannen. Das tat sich und bekam eine Erläuterung über den heiligen dieses Tempels. Hochinteressant! Hier eine Zusammenfassung:


Nezha (San Tai Zi) wird im taiwanesischen Volksglauben vor allem als Schutz- und Glücksgott verehrt. Gläubige bitten ihn um verschiedene Wünsche und Unterstützung im Alltag:

  • Sicheres Reisen – besonders für Motorradfahrer, Autofahrer und Lieferdienste
  • Schulerfolg – bessere Konzentration, gutes Gedächtnis und bestandene Prüfungen
  • Karriere & Geschäftserfolg – mehr Chancen, Wachstum und finanzieller Erfolg
  • Familiäre Harmonie – Frieden, Schutz und Zusammenhalt zu Hause
  • Glück & Schutz – Abwehr von Unglück, bösen Einflüssen und Hindernissen

Weil Nezha als jung, mutig und energiegeladen gilt, fühlen sich besonders junge Menschen, Studierende und Unternehmer von ihm angesprochen.


Das Verhalten des Mannes in den Tempel empfinde ich als sehr große Toleranz. 

Da kommt so ein idiotischer Tourist, hat von nix ne Ahnung und betritt einen Raum, der für die Menschen hier eine große Bedeutung hat. Genauso, wie er irgendeine andere Sehenswürdigkeit betrachtet. Das freundliche Verhalten finde ich nicht selbstverständlich!


Ich beschließe, trotz der Schwüle, noch etwas weiter zu gehen. Der Weg führt eine Zeit lang an einem Kanal entlang und der mündet dann in den Love River. Der Fluss entspringt in der Kaohsiung und fließt etwa 12 km durch die Stadt und dann ins Meer. Es ist ein kleiner Fluss, aber es ist der berühmteste Fluss Taiwans.







Kaohsiung

Die drittgrößte Stadt Taiwans hat ca. 2,8 Millionen Einwohner und hat den wichtigsten Hafen des Landes. Die Stadt liegt im Einflussbereich des Monsuns, der viel Hitze (Durchschnittstemperatur über das Jahr 25-28° bei durchschnittlich mehr als 6 Sonnenstunden pro Tag mit sich bringt. 

Es gibt hier viele Universitäten und der Erzgebirgskreis ist quasi die deutsche Partnerstadt. 


16. und 17. Jahrhundert waren die Chinesen die ersten Siedler, die nach Cijin Island kamen.

Aber erst die Japaner haben dann im 20. Jahrhundert die moderne Stadt geschaffen. Sie kamen hierher, bauten den Hafen und legt auch den Grundstein für die Eisenbahn.

Die Japaner machten aus der Stadt einen militärischen Stützpunkt und entwickelten sie sehr stark. 


Als sie dann abgezogen sind, haben die Bürger Taiwans den militärischen Charakter quasi entfernt und mehr auf Kultur und Kunst gesetzt. Der Hafen ist auch heute noch wichtig und eine wichtige Einnahmequelle, aber der Tourismus boomt ebenfalls sehr stark.

Der Hafen, eigentlich das wichtigste Element der Stadt, wurde von den Eingeborenen Takao genannt, Bambuswald.


Die Japaner haben die hafen Hafenregion Hamasen genannt. Das bedeutet Küsten – Eisenbahnlinie. Passt irgendwie auch ganz gut.


Mit dem Abendessen, das war wieder schwierig. Bei vielen Dingen, die ich auf dem Nachtmarkt sehe, weiß ich nicht, was es ist und manche Dinge, wie zum Beispiel gebratene Entenköpfe stehen nicht weit oben auf meiner Lieblingsspeisen-Liste. Manchmal gibt es Sachen, die sehen ganz lecker aus, dann steht wieder kein Preis dran. Oder man findet etwas, dass ist auch wieder nicht falsch, aber dann gibt es keine Sitzgelegenheiten und man kann es nur im Stehen essen. Ich bin dann zu einer kleinen Garküche gegangen in einer Seitenstraße des Marktes und habe da dann mit Google Lens mir etwas ausgesucht. Ich konnte wählen zwischen „ gebratene Blumenzweige“ oder „Abwasserbad“ oder „gelber Krächzer“ und „Pfannenrühren“, habe mich dann aber sehr konservativ für gebratene Shrimps und gebratenen Reis entschieden. Sehr sehr lecker, aber leider zu viel. Vielleicht gehe ich da morgen nochmal hin…..



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