Freitag, 17. April 2026 Museumsbesuche



Der Tag begann mit einer Lektion im geduldigen Warten. Das ist ja etwas, was die Koreaner aber auch die Menschen hier in Taiwan gut können. Ich habe die Prüfung heute auch bestanden und fast 20 Minuten für einen Eggburger angestanden. Das ist dieses leckere Teil, dass ich gestern schon gegessen hatte und auf das ich mich heute auch schon sehr gefreut habe. Aber vor dem Genuss stand das Warten. Vor mir waren elf Leute, die die gleiche Idee hatten. 


Der Mann, der das zubereitet hat, hat sich wirklich ein Bein ausgerissen. Er hat nicht 1 Sekunde still gestanden, sondern immer irgendwo gerührt irgendetwas sauber gemacht, etwas neu angelegt, man wurde schon schwindlig, wenn man ihm zusah. Und in dieser Hektik wusste er aber auch immer ganz genau, wer welche Art von Burger bestellt hat. Bei mir war es heute ein Egg Pork Burger. Und was soll ich sagen, das Warten hat sich gelohnt.


Der erste Weg sollte mich zu einem Museum für moderne Kunst bringen und auch hier war die U-Bahn wieder sehr hilfreich. Ausgestiegen bin ich dann an dem gigantisch großen Hauptbahnhof und brauchte echt etwas Zeit, den richtigen Ausgang zu finden. Auf dem Weg dahin musste ich über mehrere Fußgänger-Ampeln gehen, und ich dachte ja, dass das hier recht locker gesehen wird, mit bei Rot über die Straße gehen, aber hier standen an einer Ampel, die rot zeigte auch noch jeweils zwei Polizisten oder Ordnungskräfte, die mit einem roten Stab bewaffnet die Fußgänger daran hinderten, über die Straße zu gehen. Doppelt hält besser!




In dem Museum sah ich zuerst eine interessante Videoinstallation, bei dir die Präsentation vielleicht wichtiger war als der Inhalt. Auf eine sehr großen Leinwand lief ein Video und der spiegelnde Vinylboden vergrößerte die Projektionsfläche. Interessant. 



Etwas später kam aber ein Kunstwerk genau nach meinem Geschmack. Es lagen Werkzeuge auf dem Boden, unter anderem eine Bohrmaschine und aus der Wand sprudelte aus einem Loch das Wasser. Die Tragik dieser Installation war deutlich.





In einem anderen Raum war ein sehr interessantes Skelett eines Dinosauriers oder eines großen Fisches und das beeindruckende Skelett eine Riesen, interessanterweise waren aber, dass an seiner linken Hand Maschinenelemente zu entdecken waren. Spannendes Werk!










Es war eine nette kleine Ausstellung. Bevor ich dann weiter ging, habe ich mir in dem Museumscafé noch einen leckeren Eiscafe getrunken. Auf dem Weg zur METRO (mittlerweile habe ich das System verstanden) komme ich an sehr fantasievollen Skulpturen vorbei. Sehr nett! 








Mit der U-Bahn ging es dann zum Museum des 28. Februar. Das war ein schwarzer Tag in der Geschichte Taiwans.


Hier der Hintergrund: Der Zwischenfall vom 28. Februar 1947 ereignete sich kurz nach dem Ende der japanischen Kolonialherrschaft über Taiwan.
Taiwan wurde 1945 von der Kuomintang unter Führung von Chiang Kai-shek übernommen.Viele Menschen in Taiwan waren unzufrieden mit Korruption, Inflation und schlechter Verwaltung. Reispreise explodierten und die Arbeitslosigkeit stieg stark an.
Am 27. Februar 1947 wurde eine Zigarettenverkäuferin von Beamten brutal behandelt. Als ein Zuschauer protestierte, wurde er erschossen.
Dies löste am 28. Februar landesweite Proteste und Unruhen aus. Die Bevölkerung forderte Reformen, Gerechtigkeit und politische Mitsprache.


Anfangs versuchten lokale Gruppen, die Ordnung selbst zu organisieren.
Die Regierung reagierte jedoch mit harter militärischer Gewalt. Truppen vom Festland wurden nach Taiwan geschickt. Es kam zu systematischen Verhaftungen und gezielten Tötungen. Besonders betroffen waren Intellektuelle, Studenten und lokale Eliten. Schätzungen gehen von 10.000 bis 30.000 Todesopfern aus.
Das Ereignis markierte den Beginn des „Weißen Terrors“, einer langen Phase politischer Repression. Langfristig stärkte es das taiwanische Identitätsbewusstsein und führte später zu Demokratisierung und Gedenkkultur.


In der U-Bahn waren unter anderem eine junge Frau mit einer seltsamen Tasche auf den Knien. Ich bin dann etwas näher gegangen und sah, dass die Tasche im Grunde genommen ein Käfig für einen Papagei war. Es war ein Fenster zum rausschauen, ein kleiner Napf mit etwas Wasser und ein weiterer mit ein paar Körnern. Frauchen und Vögelchen und Tour. Hab ich auch noch nicht gesehen!




Das Museum war nicht so einfach zu finden, unter anderem auch, weil hier zwar Google Maps grundsätzlich funktioniert, aber der Standort schwankt immer sehr stark und vor allem die Richtungsanzeige ist fast immer falsch. 


Man kann sich also nicht auf das Bild verlassen, sondern man muss erst immer ein paar Schritte in die Richtung gehen, um herauszufinden, welches die richtige ist. 


Aber schließlich fand ich das Museum und hier war direkt im ersten Raum eine vollständige Dokumentation des Ereignisses. Allerdings war sie sehr umfangreich und natürlich auf Chinesisch. 

Es waren neun circa 1 m hohe Stapel mit DIN-A, vier Papier, voller chinesischer Schriftzeichen!

Leider ist alles in dem kleinen Museum auf Chinesisch. Die Aufarbeitung des Ereignisses scheint also mehr eine interne Angelegenheit zu sein.







Hier noch mal die Geschichte, wie sie hier erzählt wird: Nach der 50 Jahre währenden Herrschaft der Japaner in Taiwan, wünschte sich das Volk die Freiheit. Aber das nationalistische Government des Landes erstickte das Land mit Korruption und Vetternwirtschaft. 


Die Verwaltung hat Monopole geschaffen und so einen freien Wettbewerb verhindert und daraufhin sind die Reisepreise explodiert wie auch die Arbeitslosigkeit. 


Am 27. Februar 1947 haben Polizisten der Regierung einen Bürger erschossen, der geschmuggelte Zigaretten bei sich hatte. Das führte zu einem massiven Aufstand.

Eine riesige Menschenmenge machte sich auf zum Regierungsgebäude, um gegen diese Erschließung zu protestieren. 


Sie sind dort mit offenem Feuer empfangen worden und viele starben. Das brachte Menschen im ganzen Land auf die Straße. Die Regierung hatte das  Militär in ihrem Rücken, und es gab auch am 1. März viele Tote. Aber dann haben die Führer von 17 Städten und Ländern im ganzen Land ein Komitee gegründet, dass zum Ziel hatte, die Regierung zu stürzen und die Waffen niederzulegen. 


Im Anschluss sollten freie Wahlen abgehalten werden, und die politische Kraft sollte wieder in die Hand der Bürger zurückkehren.

Bei diesen Protesten haben die Demonstranten riesige Mengen von Geld bei den korrupten Beamten entdeckt und haben es auf Plätzen und Bahnhöfen offen verbrannt.


Bis es soweit war wurden im ganzen Land Menschen abgeschlachtet, deren Leichen wurden später in hastig gegraben Löchern und in Flüssen sowie in Seen entdeckt. 


In Folge werden in der Ausstellung Fotos aus der Zeit, Portraits von Opfern und Führern und einzelne Waffen und Ausrüstungsgegenstände gezeigt. Leider ohne jede englischsprachige Erklärung.


In Orten wie zum Beispiel Keelung sind die Militärs einmarschiert und haben die Leute an ihren Arbeitsplätzen oder auf dem Weg dahin erschossen oder auf dem Schulweg und sie haben auch blind in Häuser hinein geschossen.


Alles in allem sicherlich ein interessantes Museum wieder in einem sehr schönen Gebäude, aber leider ohne englischsprachige Dokumentation. Schade.


Und weiter ging meine Kultur-Tour! 😄


Im nahegelegenen historischen Museum fragte mich die Frau am Ticketschalter, ob ich schon über 65 sei. Ich nickte. Und dann wollte sie aber meinen Ausweis sehen. Ich zeig ihn ihr, und sie lächelte und sagte okay, für Senioren ist es heute umsonst. 











Mein Glückstag! Es steht History Museum dran, aber innen drin ist eine Kunstausstellung. Schon vor dem Gebäude waren viele Skulpturen zu sehen, die offensichtlich alle von dem gleichen Künstler stammten. Sehr genial!


Während die ersten beiden Etagen der Kunst gewidmet waren, teilweise auch unterteilt nach verschiedenen Perioden, waren in den weiteren drei Etagen (kein Aufzug) dann doch Artefakte aus der alten Zeit zu sehen. Da aber auch hier die Dokumentation sehr spärlich war, fehlt mir da ein wenig der Zusammenhang.




Mein Favorit!







Auf dem Rückweg bin ich jetzt dann auf das erste Mal hier mit einem Bus gefahren. Wieder ein kleines Abenteuer. Aber durchaus positiv: nach 1 Minute Wartezeit kam der Bus und brachte mich ganz in die Nähe des Ximen Nachtmarktes.


Nach kurzer Pause bin ich dann noch mal losgezogen. Mit der U-Bahn noch mal nach Zhongshan, da musste ich allerdings fragen, welchen Ausgang ich nehmen sollte. Die U-Bahn Höfe sind ja riesig groß und haben unterirdisch teilweise auch noch Shopping Malls und so war es hier auch. Ich bin wahrscheinlich 400 oder 500 m durch so ein Shopping Paradies gelaufen, bis ich den richtigen Ausgang gefunden hatte. 


Hier im Zentrum von Taipeh sind einige U-Bahn Höfe unterirdisch durch Gänge verbunden. Man kann also alternativ statt mit der U-Bahn zu fahren, auch trockenen Fußes per pedes unter der Erde durch gigantische Shopping Malls von einer Station zur nächsten kommen. Sowas ähnliches habe ich in Japan auch schon mal gesehen, aber kleiner als hier.


Ziel meines Besuches war jetzt das Mask Cat Café. Ich habe sowas schon in mehreren Städten gesehen, hatte aber einfach mal Lust hier auch so etwas zu probieren. Ein kleines Café, mit nicht ganz so kleinen Preisen und relativ großen Katzen. Ich bin zwar nicht so der große Katzenliebhaber, aber irgendwie ist das nett. In Korea habe ich leider ein Café mit Waschbären verpasst.








In der Metrostation habe ich dann wieder was Neues entdeckt. Hier gibt es kleine Kabinen, die als Arbeitsplatz vermietet werden. Man kann sich hier in so einer Telefonzelle reinsetzen hat da wahrscheinlich Klimaanlage Internetanschluss Strom und alles und kann da ein bisschen arbeiten für digitale Nomaden sicherlich einen Gewinn, aber ich finde das ziemlich gruselig. 



Als ich dann in Ximen angekommen bin, fuhr gerade der Müllwagen vorbei und jetzt hatte ich auch wenigstens kurz Zeit, da mal ein Video von zu drehen, wie der mit der Musik von Elise durch die Straßen fährt und die Leute kommen mit ihren Müllsäcken angelaufen und werfen sie da drauf. Seltsam, aber effektiv.


Dadurch, dass ich jetzt mehrere Tage an einem Ort bin, könnte ich auch Wäsche waschen. Die Handwäsche im Waschbecken geht ja schnell, aber das Trocknen braucht immer seine Zeit, obwohl es in diesem warmen Zimmer wahrscheinlich auch sehr schnell geht. Jetzt ist der Plastikbeutel mit Schmutzwäsche wieder leer.

Kommentare

  1. Meine Reise nach Taiwan ist eine Entdeckung köstlicher Speisen, deine Reise nach Taiwan ist eine Erfahrung mit historischen Wissen.

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