Freitag, 10. April 2026 Nordkorea

Gestern Abend war ich in einem Restaurant, dass mir von meiner Gastgeberin empfohlen worden ist. Es ist ein original Koreanisches Restaurant mit typisch Koreanischem Essen. Ich entscheide mich für eine Galbitang Suppe, das ist eine Suppe mit Rinderrippen vom Black Angus und traditionellem Koreanischem Gemüse.





Die Suppe wird wahrscheinlich zubereitet in den ewigen Feuern von Mordor. Das Gefäß, in dem sie gereicht wird, ist aus Gussstahl und hat eine Außentemperatur von circa 1200°. Da drin brodelt die Suppe. Ich brauche einige Zeit, bis ich mich überhaupt in die Nähe des Tellers wage. ALs Beilage gibe es Reis und eingelegtes Gemüse (genau wie gestern). Eines sind Zwiebeln, die beiden anderen Sorten kann ich nicht identifizieren. Der Einlage-Sud ist unterschiedlich, aber immer „spicy“. Sehr sehr lecker! Es regnet immer noch leicht, und ich hoffe, dass bis morgen früh die Klamotten wieder trocken sind. 


Ich schlafe in einem Zehnerschlafsaal, und erwartungsgemäß ist es nicht leise hier. Die Leute, die hier nach zehn reinkommen (ich bin um elf ins Bett gegangen) machen relativ viel Lärm, aber wenigstens unterhalten Sie sich nicht. Ich habe dann so mittel gut geschlafen und bin von alleine um 5:40 Uhr aufgestanden. 


So hatte ich noch viel Zeit zum duschen und für einen ausgedehntes Frühstück.

Ich hatte gehofft, dass es heute nicht regnen würde und auch der Wetterbericht hatte den letzten Regen für 6:00 Uhr vorhergesagt. Die Realität war allerdings anders. Am Treffpunkt warteten bereits 50-60 Leute und ich hatte einige Mühen, meinen Tour Veranstalter zu finden. Aber schließlich gelang es und so fuhren wir pünktlich los.




Erstes Ziel war die Suspension Bridge, die eigentlich ein Denkmal ist. Sie geht über ein breites Tal als Hängebrücke, und man kriegt einen Eindruck von der wilden, zerklüftete Landschaft hier. Vorher hatte unsere Führerin uns ein wenig über den Krieg zwischen Nord und Südkorea erzählt, der bis heute nicht beendet ist. Seinerzeit hatten die Amerikaner Südkorea unterstützt und die Russen Nordkorea und später sind dann auch noch die Chinesen eingefallen, um den Nordkoreaner Bruderhilfe zu geben. Man hatte einen Waffenstillstand vereinbart, und daraufhin ist diese Trennlinie gezogen worden. 


Bei der Gelegenheit wollte Südkorea gerne seine 100.000 Leute wiederhaben, die als Kriegsgefangene in Nordkorea waren, aber Nordkoreaner leugnete die Existenz dieser Menschen und hat sie „eingebürgert“. Sie mussten dort schwerste Arbeit verrichten. Nur circa 12.000 von denen konnten später zurückkehren.


In einem Film wurde zuerst die glänzende Fake-Fassade von Pjöngjang gezeigt, später dann das sehr einfache Leben auf dem Land. Dazu gab es Ausschnitte von dem brutalen Vorgehen der Militärs und Polizeikräfte gegen Regimegegner. 


Im Freedom Park lernen wir nach einem interessanten Film einen Frau kennen die aus Südkorea geflüchtet ist. Sie ist nach China gegangen, von da aus nach Vietnam, dann später über Cambodia nach Südkorea. Sie hat das mit Schleusern zusammen gemacht, die ihr geholfen haben, durch die Länder zu kommen. In Kambodscha hat sie fünf Monate in einem Flüchtlingskamp gesessen.

Von den Leuten, die mithilfe von Schleusern das Land verlassen, sind 70 % erfolgreich. Aber man braucht viel Geld dafür. 130.000$


Heute ist die Flucht nicht mehr möglich, weil nach COVID überall elektrische Zäune und Kameras aufgebaut worden sind


In Nordkorea gibt es kein Gehalt für die Leute, die dort arbeiten, sondern es werden Lebensmittelrationen ausgegeben. Das sind heute nur noch sehr kleine Rationen, weil das Meiste für Funktionäre und Soldaten draufgeht.


Wenn potentielle Flüchtlinge erwischt werden (wenn sie z.B. nach China zum arbeiten gegangen sind), kommen Sie für drei Jahre ins Gefängnis. Wenn sie in der Nähe einer Grenze nach Vietnam oder Thailand erwischt werden, sind sie politische Gefangene und werden in einem sehr „schwieriges“ Gefängnis gesteckt und die Familien ebenfalls.


In Korea werden die alten Menschen sehr geachtet. Zweimal im Jahr erinnert man sich auch an die verstorbenen alten und das ist immer ein Familienfest, was immer zu Hause gefeiert wird. Man hat hier jetzt einen Altar aufgebaut für diejenigen, die jetzt in Nordkorea sind und nicht mehr hier herkommen können.

Die Statue mit den beiden Frauen stehen zum Gedenken an die koreanischen Frauen, die von den Japanern während der Besatzung zur Arbeit angeheuert worden sind. Sie haben dort gearbeitet wurden, aber dann, wenn sie nicht mehr „nützlich“ waren, getötet. 


Nicht mehr nützlich waren sie, wenn sie schwanger waren. 




An vielen Stellen im Land sind diese Stühle aufgestellt und es sind immer zwei Stück, aber man hofft, dass eines Tages einer davon auch nach Nordkorea kommt.







Die Lokomotive ist ein Zeitzeuge aus der Zeit des Krieges. Es ist eine südkoreanische Lok, die von chinesischen Truppen gestoppt wurden, und man kann, wenn man geduldig ist, auch heute noch die 1200 Einschlusslöcher zählen, die das Fahrzeug durchlöchert haben.




Die Holzbrücke war ursprünglich an anderer Stelle aufgebaut, ist aber hier auch zum Gedenken wieder errichtet worden. Das war die Brücke, die extra gebaut wurde, damit Kriegsgefangene aus Nordkorea in den Süden gehen konnten, als anfangs die Grenzen noch offen waren.


Insgesamt werden hier Unmengen von Touristen durchgeschleust. Zig Busse stehen hier und Heerscharen von Touristen laufen hier durch. Und das um diese Jahreszeit! Ich möchte nicht wissen, was hier im Sommer los ist. Und das Ganze noch ein bisschen lustiger zu gestalten, hat man direkt neben dem Gelände auch eine kleine Kirmes aufgebaut.





Hier ist auch ein Bunker, den man besichtigen kann und freundlicherweise ist am Ende der Treppe auf dem Boden eine M 15 Panzermine drapiert. Natürlich tritt man, weil man nicht drauf achtet, drauf. Aber zum Glück ist sie nicht scharf. 

In Wahrheit haben beide, Nordkoreaner und Südkoreaner Minen aus Plastik verwendet. Das Opfer ist dann nicht tot und wird liegengelassen, sondern es ist schwer verwundet und die anderen Soldaten müssen sich darum kümmern. Das macht sie langsamer und außerdem sind die Minen billiger.

In dem Bunker sollte eine Kunstausstellung sein, aber es sind eigentlich nur wenige Fotos aus Nordkorea und einige Animationen. Interessant ist, wie immer, die Architektur des Bunkers, aber er ist sehr klein, bietet aber einen guten Blick auf die andere Seite.


Die Soldaten im Norden müssen übrigens einen Pflichtwehrdienst machen von zehn Jahren und sind da vom 16. bis zum 25. Lebensjahr. Frauen brauchen nicht können aber wenn Sie wollen. Dann aber mindestens für sieben Jahre.


Als wir zu der DMZ kommen, gibt es eine Passkontrolle, die wird allerdings nicht von Koreanern durchgeführt, sondern von der Militärpolizei der UN. 


Der nächste Punkt auf der Tour war dann in der DMZ das Zollgebäude und die Zollschranken. Hier sind also die Schicksale bestimmt worden zwischen Nord- und Südkorea. Der Grenzübergang ist nicht mehr in Betrieb, er wird nur noch bewacht. 


Abseits der Straßen ist die DMZ mit circa 10.000 Landminen gepflastert.


Dann ging es weiter zum „dritten Tunnel“. Dieser dritte Tunnel wurde von den Nordkoreaner gebaut zur Invasion von Südkorea. Er wurde rein zufällig entdeckt. 


Der Tunnel ist insgesamt 2 km lang, aber für die Touristen sind nur 350 m geöffnet. An dem Punkt, wo wir da rein durften, mussten wir alle unsere Dinge, die wir in den Taschen haben, in einen Schließfach packen. 


Man durfte nichts mitnehmen noch nicht mal seinen Pass oder seine Armbanduhr. Vor dem Eingang wurden wir dann auch noch entsprechend durchleuchtet und erst dann bekamen wir unseren Bauhelm. 


Jetzt ist das bei über 70-jährigen Herren schon mal so, dass sie sich Sachen nicht mehr so gut merken können. Im Normalfall hätte ich mir die Schrank Nummer und den Pincode auf mein Handy geschrieben aber jetzt musste ich ihn merken und hatte natürlich die ganze Zeit Panik, dass ich ihn eventuell vergesse.

Vom Besucherzentrum aus führt ein fast 400 m langer, sehr steiler (moderner) Tunnel hinunter in die Tiefen des Berges. Der Tunnel ist über 2 m hoch und bis auf die Tatsache, dass ich ungern mit meinen Knien bergab gehe, war er gut zu begehen. Der Boden war mit Gummimatten ausgelegt, die sehr rutschfest waren. Das war auch nötig, weil hier alles nass war. 


Unten angekommen standen wir dann vor dem eigentlichen Tunnel. Der war nur im Schnitt 1,60 hoch und schon bald merkte ich, dass der Helm sehr hilfreich war.


Ich ging also mit gesenktem Kopf, konnte aber dann nicht nach vorne sehen, weil der kleine Schirm des Bauhelmes mir die Sicht versperrte. Wenn ich den Kopf dann hoch nahm, (klonk, klonk, klonk), schlug ich mit dem Kopf gegen die Decke. 


Dank Helm machte das nichts, aber der wird schon einige Kratzer abbekommen haben.

Ich bin dann so circa 100 m den Tunnel entlang gegangen, kam dann aber in einen Stau. Der Tunnel war dann so eng, dass die Leute, die uns entgegen kamen, nicht an uns vorbeikamen, so dass immer abwechselnd ein paar Leute durchgelassen wurden. Nachdem ich dann in so einem Stau fast 10 Minuten einfach nur gestanden habe, habe ich beschlossen, wieder zurückzugeben. Ich denke das Wichtigste habe ich schon gesehen

In der DMZ leben auch Menschen. Es sind einzelne Bauernhöfe, die hier irgendetwas anbauen. Und es gibt ein kleines Dorf, das Unification Village. 





Es gibt hier ein großes Gebäude mit einem mit einer Aussichtsplattform, von der aus man nach Nord- und nach Südkorea schauen kann. Alles ist so ein bisschen ein Hochsicherheitstrakt, fotografieren ist strengstens verboten. Unsere Führerin erklärt uns aber, was wir hier sehen können. Primär sehen wir natürlich Nordkorea. Auf der linken Seite stehen dann einige große schwarze Türme. Das sind Lautsprecherboxen, und zwar gigantische Lautsprecherboxen. Mit denen hat man Nordkorea beschallt, mit K-Pop, Music und südkoreanischen Parolen. Die Nordkoreaner haben mit mobilen Boxen gearbeitet und das Ganze zurückgespielt mit Lobeshymnen auf ihrem Führer Kim Jong Un. Ich habe auch mal in der Zeitung gelesen, dass es hier Dörfer gibt, die nicht bewohnt sind, wo man aber jedes Jahr mit schwarzer Farbe Fenster auf die Mauern malt, damit sie bewohnt aussehen. Eines dieser Dörfer können wir auch von hier aussehen. 

Weiter links kann man dann auch eine Statue von Kim Un sehen, die dank ihrer Größe von 20 m auch von hier aus sichtbar ist. 

Nach oben auf den Bergen im Hintergrund ist ein riesiger Antennenmast. Er ist ein GPS Jammer, also ein Gerät, dass die GPS Signale stören soll.


Am Horizont ist dann offensichtlich normales nordkoreanisches Leben. Kleine Dörfer und eine kleine Industrieansiedlung. Sie war mal eine Kooperation zwischen den beiden Koreas, wurde aber 2016 stillgelegt.. Wohl gemerkt. Wir sind hier nicht mehr in Südkorea und auch noch nicht in Nordkorea, sondern lediglich in der Pufferzone dazwischen. Sehr spannend!

An anderer Stelle werden ein paar Zahlen genannt. Durchschnittliche Arbeitnehmer in Südkorea verdient 894 $, einer in Nordkorea bekommt (wenn er Bares bekommt) 170 $. MONATLICH!


In einem großen Präsentations Raum ist quasi in einem riesigen Sandkasten ein Modell der Grenze mit allen Bergen und Wäldern dargestellt. Leider darf man es nicht fotografieren, aber es gibt einen guten Überblick, wo wir gerade sind. Eine Linie beschreibt die südkoreanische Grenze, ich schätze, sie ist 2 km hinter mir. Dann ziemlich nah vor mir, vielleicht in 200 m ist die militärische Demarkationslinie. Weitere 300 m dahinter verläuft die nordkoreanische Grenze. Wir sind echt mittendrin.











Als man uns absetzte, bin ich die paar Schritte zum Deoksugung Palace gegangen. Das ist einer der großen Paläste hier in Seoul. Er war geöffnet und so habe ich ihn mir angesehen. Obwohl das Gelände ziemlich groß ist und aus vielen Gebäuden besteht, berührt mich das nicht. 

Ich war mal mit meiner Frau in Peking in der berühmten verbotenen Stadt. Da war es (obwohl die noch größer war) ähnlich. 


In der Nähe der Post an einer großen Kreuzung ist eine riesige Projektion über ein Eckgebäude hinweg. Unten drunter ist ein Cartier Shop. Wie gesagt, hier diese riesige Projektionsfläche und gegenüber, an der Haltestelle, stehen bestimmt 50-60 Frauen (keine Männer) und fotografieren die Werbung, die da läuft beziehungsweise filmen die Werbung mit. Es geht um Range Rover, Schuhe, ein Hersteller von Golfausrüstungen und so weiter. Diese riesige Projektionsfläche ist sicherlich bemerkenswert, aber das kennt man aus vielen großen Städten. Worum es hier ging, wird mir ein Geheimnis bleiben.






Auf dem Weg zum Hotel sah ich dann plötzlich den hohen Turm über den Berg aufragen, der mich gestern schon theoretisch angelacht hat. Heute schien er frei zu sein, und bald entdeckte ich auch einen kleinen Aufzug, der mich mindestens bis zur Seilbahn hochbringen sollte. 





Es war ein sehr kleiner Aufzug, vielleicht doppelt so groß wie ein Telefonzelle, und er hatte einen Sicherheitssystem, dass auf das Gewicht reagiert. Erst ging vor mir eine Gruppe hinein, und dann wurde offensichtlich etwas diskutiert, wer jetzt von denen aussteigen musste, als das Alarmsignal ertönte. Bei der zweiten Fahrt konnte ich dann in den Aufzug reingehen, aber das Alarmsignal tönt wieder. Resigniert stieg ich aus, aber dann stellte sich heraus, dass es nicht an mir allein lag, sondern dass noch jemand aussteigen musste. Das beruhigt. Es ist heute relativ kalt und der Wind ist auch sehr unangenehm, dafür regnet es nicht mehr.


Aber dann klappte es doch. Und ich fuhr bis zur Station, wo die Seilbahn den Berg hochfährt. Hier musste ich auch nur kurz warten dann ging es mit einer sehr vollbesetzten Gondel nach oben. Oben war es dann noch dunstiger und noch kälter. Der Dunst ist aber auch nicht nur dem Wetter geschuldet, sondern generell hat Seoul nicht die beste Luftqualität (Autos).











Oben auf der Plattform streckt sich dann der Old Tower nach oben, ein Fernsehturm, offensichtlich auch mit Restaurant und/oder Aussichtsplattform, aber die bringt bei dem Wetter heute wirklich gar nichts mehr. Auf der Plattform selber gibt es einen unendlich langen Wandelgang, der voll gestopft ist mit Liebesschlössern. Diese Tradition hat also auch ihren Weg in das K-Pop Land gefunden. Tonnenschwer hängen die ganzen Schlösser an dem Zaun. Keine Ahnung, wo man hier noch ein weiteres Schloss anbringen sollte.


Von hier aus ging es dann in das Hostel.

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