Donnerstag, 9. April 2026 Seoul


Gestern Abend bin ich dann noch in die Stadt gegangen, um mir etwas zu essen zu suchen. Das war etwas schwierig, weil wirklich alles verdammt lecker aussieht. Aber dann fand ich ein Restaurant, die hatten eine ganz ansprechende Speisekarte und ich habe mir da Yangji Muchim bestellt. Das ist ein sehr leckerer Rindfleisch – Gemüsesalat, das Fleisch ist so wie Pullled Pork, darunter gemischt. Und dazu dann alle Gewürze (vor allem die scharfen) der Welt. Großartig!

Lecker!


Das Gesicht lügt




Ich bin in meiner Kapsel schnell eingeschlafen, wurde aber gegen 3:00 Uhr wieder wach, weil mein Wecker noch gestellt war. Nach einiger Zeit bin ich aber wieder eingeschlafen und dann rekordverdächtig um 9:30 Uhr vormittags aufgewacht!!! 


Das ist für mich völlig ungewöhnlich, aber wohl auch der Zeitverschiebung geschuldet. Nach einem gemütlichen Frühstück bin ich dann losgegangen und habe erst mal den Treffpunkt für die Tour, die ich morgen machen will, ausgekundschaftet. Die Navigation hier ist wirklich sehr sehr schwierig. Google Maps funktioniert nicht. Aber Apple Maps geht einigermaßen. Immerhin etwas! 


Den Treffpunkt habe ich gefunden und bin dann zur Stadthalle gegangen. Leider regnete es und es war nicht ganz so toll, durch die Stadt zu laufen. Wenn man die achtspurigen Straßen hier überqueren will, kann man sich entscheiden, ob man bis zu 3 Minuten an einer roten Ampel wartet oder ob man circa 40 Stufen runtergeht zu einer Unterführung und auf der anderen Seite wieder 40 Stufen hoch. Alles nicht so einfach.

City Hall


Viel Grün!


Miniatur des beeindruckenden Gebäudes




Die City Hall ist architektonisch unglaublich beeindruckend, aber leider zur Zeit eingerüstet, weil sie offensichtlich saniert wird. Pech!

Innen drinnen gibt es eine Ausstellung über Seoul, die sehr futuristisch, aber auch sehr schön und sehr informativ ist. Es ist ein buntes Volk!


Ausstellung Seoul


Stadtrelief







Als Nächstes steht für mich das Kunstmuseum oder ein Palast auf dem Zettel, die beide hier ganz in der Nähe sind.

Leider ist der Regen zwischendurch ernsthaft geworden. Was am Anfang eher leichtes nieseln war, ist jetzt ein gesunder Dauerregen. 






Zudem ist es auch relativ kalt. Wenn man circa 200 m durch die Stadt läuft, ist man nass. Allerdings gibt es hier in der Innenstadt viele Möglichkeiten, unterirdisch zu gehen. Es gibt unzählige Gänge, vor allem in der Nähe der Bahnhöfe, die allesamt Shopping Malls sind. 

D.h. keine tristen Gänge, wie bei uns, sondern alles ist voll mit Geschäften, in denen, sehr Korea-typisch, viele sehr bunte Sachen verkauft werden. Hier unten funktioniert natürlich die GPS Navigation nicht mehr, so muss ich eher raten, wo es langgeht. Aber es ist interessant, warm und trocken. 


Und tatsächlich finde ich auch den Ausgang, der zum Palast führt und das Eingangstor ist auch schon sehr beeindruckend, allerdings informiert mich die Frau an der Information, dass der Palast bis Ende August geschlossen ist. 


Theoretisch müsste hinter dem Palast das Kunstmuseum sein, aber ich frage sicherheitshalber nach. Von der Frau bekomme ich die Info, dass das Kunstmuseum wohl hinter dem Palast liegt, es aber diese Woche geschlossen ist. Offensichtlich haben die alle hier bei dem Wetter keine Lust. Ich aber auch nicht! 


Die Leute hier in Seoul lassen sich von dem Wetter nicht abhalten. Sie scheinen es zu kennen. Sie haben eigentlich alle einen Regenschirm, viele davon einen übergroßen. Das macht natürlich das Gehen auf dem Bürgersteig etwas anstrengend, vor allem weil die mir alle nur bis zum Kinn gehen und ich so durch einen Meer von Koreanern mit Schirmen waten muss. 

Sie sind auch fast alle in ihren Bewegungen eingeschränkt. Einerseits laufen hier unheimlich viele, vor allem Frauen mit großen Koffern herum. Dafür habe ich keine Erklärung. 


In der anderen Hand haben sie dann alle (wirklich alle) einen coffee to-go und in der dritten Hand (ich weiß auch nicht, wie sie das machen) das Handy. Auf das schauen Sie auch die ganze Zeit, die hiesigen Mobiltelefone scheinen alle wasserdicht zu sein. 

Natürlich ist das jetzt etwas übertrieben, aber die Anzahl von Leuten mit Kaffee in der Hand und mit Handy fällt schon sehr auf.

Interessant ist auch, dass an allen Eingängen zu Gebäuden eine Vorrichtung angebracht ist, wo man seinen Schirm trocknen kann. Es ist wie eine lange, tiefe Schiene, durch die man den Schirm durchzieht und ihn dabei dreht. Dann bleibt das Wasser an den weichen, bürstenähnlichen Rändern hängen. Da hat jemand nachgedacht!



Generell ist es dann zumindest in den Gebäuden, nicht nur trocken, sondern auch sauber. Das mit dem sauber gilt auch für die Bürgersteige und Straßen. Es gibt so gut wie keine Abfallbehälter aber es gibt auch keinen Müll auf der Straße. Auch ich kaue stundenlang auf meinem Kaugummi rum, weil ich nicht weiß, wohin damit. 

Am Bankautomat wurde mir die Frage gestellt, ob ich eine Quittung haben wollte. Ich habe das mit Ja beantwortet, und daraufhin kam ein Hinweis, dass das wegwerfen dieser Quittung mit hohen Strafen geahndet wird. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen!


Und so wage ich mich todesmutig in die U-Bahn-Station im Untergrund, studiere den Routenplan und finde tatsächlich einen Weg zurück in mein Viertel. Dazu muss ich einmal umsteigen, aber ich versuche es einfach mal. 


Der Ticketautomat spricht Englisch und tatsächlich kann man hier mit einem Ticket umsteigen (in vielen anderen Ländern muss man beim Umsteigen jeweils ein neues Ticket kaufen). Ich kaufe mein Ticket, schaffe das auch mit dem Umsteigen und komme so pünktlich zu mindest  an die Myeon-dong-Station.

Ich fürchte, mit dem Tag kann man nicht mehr viel machen und gehe jetzt erst mal zurück in mein Hostel, wohl nicht ohne an einer kleinen, aber sehr sympathischen Kaffeebude einen Cappuccino zu trinken. Die Frau kennt mich wohl noch von gestern und begrüßt mich geschäftstüchtig-freundlich. Sie weiß auch noch: Cappuccino mit etwas Zucker! Genau! 


Nach einer kleinen Pause (ich bin immer noch müde) habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. Nicht weit von mir ist die Seilbahn, die über die Stadt führt und am Seoul-Tower endet. Da wollte ich hin. Die Seilbahnstation war auch nur ca. 700m vom Hostel entfernt, aber es ging stramm bergauf. Das haben Seilbahnen oft so an sich. 

Es regnete immer noch! 

Aber die Idee war insgesamt nur so mittel. Die Gondeln verschwanden nach 40m in den Wolken / im Dunst und man konnte absolut nichts sehen. Also löste sich auch dieser Plan im Regen auf. 




Leider habe ich zu Hause einen Adapter für meine Kamera vergessen, so dass ich jetzt keine Fotos auf das iPad bringen kann. Ärgerlich. Ich hatte gestern schon im vorbeigehen gecheckt, ob es irgendwo ein Elektronikgeschäft gibt, aber ich fand leider nur Fashion und was zu essen. 


Heute bin ich dann mal in einen von den großen Konsumtempeln gegangen, die einen natürlich mit Musik und Farben völlig überfordern. Aber ich hatte Glück. 


Die hatten tatsächlich eine kleine Abteilung mit Mobiltelefonen und da gab es allerlei Ladegeräte und auch Adapter, so dass mein Leben jetzt weitergehen kann. So gut gelaunt bin ich dann auch mal in die Herrenabteilung gegangen und was ich da gesehen habe, hat mir auch gut gefallen. Die Mode hier ist meiner Meinung um einiges Fantasievoller als das, was man in Deutschland sieht, und wenn ich nicht so restriktiv mit meinem Gepäck umgehen müsste, hätte ich mir hier eventuell das eine oder andere Teil auch gekauft. 





Obwohl das vielleicht nicht ganz meine Liga ist. Das Publikum hier ist vielleicht maximal 45 Jahre alt, und die Leute in dem Alter sind schon die Ausnahme. Die meisten sind in den Zwanzigern und Dreißigern und ich bin bei weitem der älteste hier. Aber egal!

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