Donnerstag, 23. April 2026 Taitung-Kaohsiung

Die Stadt Taitung mit ihren 100.000 Bewohnern liegt im Südosten der Insel am Fluss Beinan. Früher haben hier die Puyuma gelebt, ein altes, indigenes Volk. Nach denen ist auch ein Zug (Puyuma-Express) benannt, mit dem ich hierhergekommen bin und auch später von Chiayi aus nach Taichung fahren werde. Einmal im Jahr findet hier ein Ballon-Wettbewerb mit verrückten Ballons statt. Die Bahnlinie, die hierher führt, ist wegen der alten Schienen eine der langsamsten in Taiwan. Man sagt: „Der Zug fährt so langsam, damit du die Landschaft auch wirklich genießt.“ Dafür gibt es hier angeblich am Bahnhof die beste Bento-Box. Das ist ein Reisesnack für die Bahngäste.


Heute früh gab es dann das bei weitem beste Frühstück auf dieser Reise. Ein Riesenteller mit Rührei, 2 kleinen gebratenen Würstchen, eine winzige Portion Salat, 8 oder 9 Pommes, 3 winzige Toastscheiben und jeweils ein Stückchen Apfel, Birne und Mandarine. Alles nett angeordnet auf dem Teller und Kaffee dazu. Guter Start!


Ich bin dann gemütlich losgegangen, vorbei am Markt und mitten durch durch die vielen Leute und Scooter. An der Haltestelle standen schon ein paar Leute, nur der Bus, der kam nicht. 

Skandal!




Der hatte tatsächlich volle 4 Minuten Verspätung. Eigentlich nicht schlimm, aber mich macht es immer etwas nervös, wenn ich pünktlich irgendwo sein muss.

Plötzlich sprach mich ein junger Mann an. Hualien? Fragte er und zeigte auf meinen Rucksack. Ich nickte und er lächelte und meinte: I have the same! Damit meinte er einen kleinen Anhänger in Form eines Blattes. Den hatte ich von dem Museum im Pine Park in Hualien bekommen.  Wir kamen ins Gespräch und er outete sich als Amerikaner, der hier seine Eltern besucht. Wir quatschten noch etwas, bis der Bus kam. Im Bus erstaunte mich dann aber ein Zeichen, das ich hier nicht so explizit erwartet hätte.



Der Zug (Tze-Chiang Ltd. Express) stand schon am Bahnsteig und schnell hatte ich meinen Platz gefunden. Das gleiche Bild wie letzten Mal: modern sauber komfortabel gute Klimaanlage. Es ist gut auszuhalten. Die Fahrt heute dauert etwas über 3 Stunden und ich wechsle von der Ost- auf die Westseite der Insel. 


Während ich gestern viel durch Reisfelder gefahren bin, komme ich heute a riesigen Feldern von kleinen Bäumen vorbei, deren Früchte alle mit weißen Tüten geschützt werden. Chatgbt hat mir verraten, dass das Guavenpflanzungen sind. Oft ist dabei auch ein Pool, dessen Wasser mit Wasserrädern in Bewegung gehalten wird. Die Pools könnten Fischfarmen sein. An manchen lauern viele Reiher-ähnliche Vögel.





Als ich im Bahnhof angekommen bin, war ich erst mal leicht überfordert. Die Station war riesig groß und laut Stadtplan bestand sie aus fünf Stockwerken. Im dritten Untergeschoss war die Metro und im ersten Obergeschoss der Ausgang. 

Ich hatte einen Moment überlegt, ob ich zu Fuß gehen soll oder mit der Metro fahren, aber 22 Minuten laufen nach der langen Zugfahrt hörte sich trotz der hohen Temperaturen spannender an. Aus dem Bahnhof rausgekommen der gleiche Eindruck: wow, eine große Stadt. 








Der Eindruck kam durch die Häuser und die sehr breiten Straßen. Auch hier sind wieder sehr viele Scooter, aber auch Unmengen von Autos. Ich bin eine Weile gegangen, bis ich dann den Eingang vom Hotel fand. Es war ein sehr dunkler kurzer Tunnel, der mit Sicherheit gut für Raub oder Mord geeignet wäre. 


Aber die Beschriftungen waren eindeutig: hier war mein Hotel. Am Ende des Tunnels waren zwei Aufzüge und der Beschriftung nach musste ich in den neunten Stock. Das ging sehr schnell und ein freundlicher Rezeptionist checkte mich ein und nahm mir das Geld ab. Anders als sonst bei booking.com muss man hier in Taiwan alle Hotels vor Ort bezahlen. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass ich hier mit Unmengen von Bargeld herumlaufen muss, aber es wird überall Kartenzahlung akzeptiert. 


Leider kann ich nicht sofort einchecken, sondern muss noch 1 Stunde warten. Ich gebe mein Gepäck ab und versuche wenigstens schon mal rauszukriegen, wo hier die nächste U-Bahn ist oder wo man vielleicht einen Kaffee trinken kann. 


Ich fand einen kleinen Supermarkt, der nicht Family Mart hieß und der auch nicht Seven Eleven ist, sondern irgendwie anders. Und hier bekam ich einerseits endlich mal Kekse, die ein bisschen leckerer aussehen und einen ganz guten Cappuccino. Bei den ersten beiden Märkten ist ein kleiner Bereich, wo man vor Ort etwas essen oder trinken kann immer im Laden. Hier war das im ersten Stock. Ein großer Raum mit vielen Tischen und Stühlen, aber keiner Klimaanlagen. Eins zu null für seven eleven! 


Aber die Kekse für mein Frühstück morgen habe ich zumindest schon mal. Also trinke ich ruhig meinen Kaffee, schwitze dabei ein bisschen und danach geht’s zurück ins Hotel, um mein Zimmer zu beziehen.


Das Hotelzimmer ist riesig. Es scheint auch wieder ein Vierer Zimmer zu sein, nur das hier zwei große Doppelbetten stehen. Die Dusche ist wieder so ausgelegt, dass man darin joggen kann. 


Nur auf das elektrische Klo muss ich leider verzichten. Dabei hatte ich heute so einen tollen Start! 😎👊 Ich habe aber nur mein Zeug abgeworfen und bin dann wieder losgezogen zum Wasser. Hier ist der Pier 2, das soll irgendwas mit Kunst zu tun haben, das will ich mir anschauen. Der Nahverkehr funktioniert wirklich gut, ein paar Schritte laufen, in den Bus springen und 500 m vor dem Pier werde ich abgesetzt.









Als ich dann näher komme, erkenne ich, wo ich gelandet bin. Das Erste, was ich sehe, ist eine monumentale Skulptur, zusammengesetzt aus Industriecontainern. Da kann man wirklich nur sagen. Wow! 

Ein Stückchen weiter, schaut mich ein Roboter böse an, und ich bin ein bisschen froh, dass es sich um Kunst handelt und nicht um irgendetwas Reales.

Das Ganze ist eine lange Straße, schnurgerade, und es stehen diese Objekte hier (und alle sind sehr groß) oder die Häuserwände sind kreativ bemalt. An dem einen Ende der Straße stehen dann zwei monumentale Figuren, die auch eine Menge her machen. 

Ich weiß, ich wiederhole mich mit dem Wort „monumental“, aber was soll ich tun, wenn hier alles monumental ist??


Am Ende der Straße ist dann eine mehr als fußballfeldgroße Wiese, die sich aber beim näheren hinschauen eher an ein Eisenbahndepot herausstellt. 


Die Schienen sind alle fast in der Wiese versunken, und überall stehen diese Objekte herum und mehrere Schulklassen bestaunen das, was hier errichtet worden ist. Gerade hier, in der Großzügigkeit der Fläche, kommt das Ganze gut zur Geltung.












Von da aus bin ich dann in das kleine Eisenbahnmuseum gegangen. Dort wurden ziemlich am Anfang einige Bento-Boxen gezeigt, dass sind kleine Schachteln oder Dosen mit Proviant für Reisende. Als ich meine Tickets gebucht habe, stand bei den meisten Zügen dabei: no Bento Box, also keine Verpflegung im Zug. Offensichtlich eine Alternative zu Speisewagen.

Bento-Box


Bento-Box


Bento-Box


Ich und die Draisine



Bento-Boxen




In einem weiteren Raum war eine leibhaftige Lokomotive zu sehen, aus der guten alten Zeit und ein kleines Schienennetz. Auf diesem Schienennetz stand eine Draisine und die Museumswärterin rum. Sie lud mich ein, da mal eine Runde drauf zu drehen. Ich mach so einen Scheiß ja gerne mit! Und ich durfte mir die Seele us dem Leib trampeln und über verschiedene Weichen fahren. Großartig!


Ein Raum weiter war dann der feuchte Traum eines Modelleisenbahners zu besichtigen. 


Es war tatsächlich eine Märklin Eisenbahn und ich denke, ein großer Teil von Taiwan wurde hier nachgebaut.



Bei Nacht



Eine unglaubliche Anlage mit einer unfassbaren Detailverliebtheit. Da sind natürlich die Schienennetze mit Brücken und Tunneln, da sind Straßen auf denen viele Autos unterwegs sind und Fußgänger, es sind mehrere Flüsse mit entsprechenden Häfen und Schiffen zu sehen. 


In der Luft sind Ballons und Flugzeuge an Fäden aufgehängt, und die Züge fahren natürlich auch. Es wird Tag und Nacht simuliert, indem das Licht ausgeht und in den Häusern das Licht wiederum an. Da, wo vereinzelt noch Dampfeisenbahnen fahren, schnaufen die natürlich auch hörbar.  Es ist wirklich unfassbar auch für jemanden, der nicht so ein Modelleisenbahnfan ist, beeindruckend. 


Die Bahnhöfe sind alle Original Bahnhöfen nachempfunden und die sind auch entsprechend in eine bergige oder flache Landschaft eingebettet.


Ich bin sprachlos! 


Ich bin dann an dem Pier entlang gegangen zu der Harbour Bridge, die architektonisch sicherlich auch ein Highlight ist. Es ist eine Drehbrücke, damit die Schiffe passieren können. Gewaltiges Teil! 

Es ist die längste Drehbrücke in ganz Asien. Wenn sie öffnet, dauert es ungefähr 30 Minuten, bis sie wieder geschlossen ist.










Von dieser Seite des Piers hat man einen Blick auf das Zentrum mit seinen Wolkenkratzern. Einerseits sind sie ziemlich hoch, andererseits ist aber auch die Architektur bemerkenswert und beeindruckend. Spontan würde ich sagen, dass ich zumindest von diesem Teil der Stadt mehr beeindruckt bin als von Taipeh.










Ich habe mich ziemlich lange hier im Hafen aufgehalten. Es gab einfach unglaublich viel zu sehen und die ganze Stimmung hier ist sehr schön. Das ist ein sehr gelungener Entwurf, aus einem alten, wahrscheinlich nicht mehr benötigten Hafenbecken etwas zu schaffen, was einen wirklichen Wert hat. 


Chappeau!


Ich bin tief beeindruckt und bin fast geneigt, den Leuten hier in Taiwan zu verzeihen, dass sie keine Fahrräder bauen können.

Eine Pleite gab es aber noch. Gegenüber, auf dem anderen Pier, war ein großer Kran, und man konnte es nicht so gut sehen, aber ich war sehr sicher, dass da Leute drauf waren. 

Und ich war durchaus motiviert, da auch mal drauf zu steigen. So etwas liebe ich ja! Also habe ich mich auf den Weg gemacht und bin um das Hafenbecken herumgelaufen und als ich näher kam, fiel mir ein Geräusch auf. 

Es war der Kran. 



Die Leute auf dem sehr alten Kran waren (ich hätte es mir natürlich denken können), keine Touristen, sondern ganz normale Arbeiter. Naja, war trotzdem ein schöner Spaziergang.


Der Bus auf dem Rückweg war dann auf angenehme 18° runtergekühlt und das kam jetzt wirklich gut. Außentemperatur: 29°.

Was mich hier in Taiwan generell ein bisschen stresst, sind die Fußgängerampeln. Auf der einen Seite ist es ganz schön, dass hier die Sekunden angegeben werden, wie lange sie noch grün ist, dazu kommt dann noch das Ampelmännchen. Bei Rot steht das Ampelmännchen natürlich als rotes Männchen still und bei grün fängt das grüne Männchen an zu gehen. Aber schon nach kurzer Zeit fängt es an zu laufen. 



Das entspricht auch der Realität: bei den sehr breiten Straßen kann man auf keinen Fall gemütlich über die Straße gehen, sondern auch ich muss das recht zügig tun, sonst muss ich genauso laufen wie das Männchen. Bei 29°. Da wüsste ich was von!


Abends war ich dann noch auf dem Nachtmarkt, das ist von mir aus circa 300 m zu laufen und er besteht fast ausschließlich aus Essensständen. Es gibt alle Arten von Seafood, Steaks vom Rind, gegrilltes Schweinefleisch, Hühnchen in jeder Form und viele Sachen, die ich nicht kannte, und auch ein paar süße Dinge. 









Der Markt ist auf einer Straße und schätzungsweise 250 m lang und das Schöne ist, dass in der Mitte viele Tische und Hocker stehen. Man kann also durchaus im Sitzen essen. Mein Menü für heute Abend stand aus vier Spießen, von denen ich glaube (aber nicht ganz sicher bin), dass es Hühnerfleisch war und dann noch eine kleine Portion Reis mit Schweinefleisch, sehr lecker abgeschmeckt und ein Bier. Das ganze war verbunden mit einem netten Spaziergang und hat letztendlich 240 $ gekostet. Das entspricht ungefähr sieben Euro und hat mich satt gemacht.


Ein Tag nach meinem Geschmack!

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