Donnerstag, 16. April 2026 Taipeh von oben
Morgens bin ich dann zum Ximen Markt gegangen, der ist ganz bei mir in der Nähe und eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass da um diese Uhrzeit schon irgendwas zu sehen wäre. Aber es waren schon einzelne Händler da, die Kleinigkeiten zu essen verkauften. Da ich heute Morgen erst zwei Kekse gehabt habe, bin ich an einem Stand stehen geblieben, der Burger verkaufte.
Jetzt bin ich einer der wenigen Menschen die Burger überhaupt nicht mögen, aber das hörte sich interessant an. Der Burger bestand aus zwei Spiegeleiern, die in Form gebracht wurden, so dass sie fast aussahen wie ein Burger Brötchen. Da kam dann Schinken dazu und etwas Käse und das Ganze wurde dann noch mal zusammen gebacken. Was soll ich sagen: das schmeckt unglaublich lecker.
Ein anderer Kunde vor mir hatte sich irgend so einen Spezialburger zusammenstellen lassen, der wahrscheinlich so 7 cm hoch war. Das wäre dann eher nicht so meins, und dieser relativ einfache Burger hat wie gesagt toll geschmeckt.
Die guten und die nicht so guten Stände mit Speisen oder Getränken kann man gut auseinanderhalten. Da, wo 20 Leute in der Schlange stehen, scheint es was leckeres zu geben. Und die Menschen hier sind offensichtlich im Anstehen sehr geduldig, ähnlich wie die in Korea.
| So etwas gibt es hier auch |
Erstes Ziel für heute war dann die Gedächtnishalle von Chiang Kai shek. Da fährt bequem eine U-Bahn hin und das bargeldlose bezahlen mit dieser Karte, die ich mir gekauft habe ist wirklich sehr angenehm. In der U-Bahn-Station dann eine Überraschung: in einem Gang war ein riesengroßes Plakat, das auf eine Veranstaltung hinwies: das Tanztheater Wuppertal und Pina Bausch. Offensichtlich auch hier eine anerkannte Künstlerin. Während meines Studiums in Wuppertal sind wir immer mit Freunden zu den Vorführungen gegangen und haben es sehr genossen.
Direkt neben der MRT Station ist die Gedenkstätte . als ich um die Ecke kam, und das große Tor gesehen habe, war ich erst mal sehr beeindruckt. Die mögen ihn wirklich lieb gehabt haben. Obwohl er in seinem Wirken nicht ganz so vorbildlich gewesen ist. Es gibt viele Dinge, die er getan hat, die man sicher zurecht kritisieren kann. Aber er hat maßgeblich zu Entwicklung und zum Reichtum des Landes beigetragen und das ist so nach dem Motto Ende gut alles gut. Allerdings war für mich jetzt der Weg zu Chiang Kai shek ziemlich weit.
Der Platz ist riesig und ganz hinten steht dann noch viel größer als das Portal am Eingang, das eigentliche „Heiligtum“. Ein weißes Gebäude mit dem typischen Dachformen und riesig groß. Ich muss einige 100 m über den Platz zurücklegen, um überhaupt dahin zu kommen und ich sehe schon die vielen Treppenstufen, die ich gleich hoch laufen muss, um in dieses Denkmal hinein zu kommen.
Vor dem Gebäude neben den Treppen stand eine große Menschentraube. Erst als ich näher kam, konnte ich sehen, dass da offensichtlich die Wache exerzierte. Und als ich dann noch näher kam, war es dann auch klar: sechs Soldaten standen da, ließen ihre Gewehre durch die Luft wirbeln und machten noch andere Kunststücke. Das hat mich alles ein bisschen an die alte Stechschritt-Kultur in Deutschland erinnert, aber das ist hier natürlich ganz was anderes.
Nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte, bin ich dann in das Heiligtum hinein gegangen. Es ist ein großer Saal, überall mit Marmor und die Decke mit Holz und am Kopf des Saales, auf einem gewaltigen Podest, sitzt der Meister dann in einem riesigen Sessel.
Es ist wirklich ein beeindruckendes Bild und eine für mich sehr ungewohnte Form der Heldenverehrung. Vielleicht eine Inspiration für Mr. Trump?
Im unteren Stockwerk findet sich dann noch eine Kunstausstellung taiwanesische Künstler, die von den Motiven her ziemlich Koalalastig ist. Generell habe ich aber zur Malerei ein eher schwieriges Verhältnis (keine Ahnung).
Dann ging es weiter mit der U-Bahn in Richtung Taipeh 101. Das ist das bekannteste und höchste Gebäude in dieser an hohen Gebäuden nicht armen Stadt.
Die Sicht ist heute nicht so prickelnd, aber wenn es halbwegs bezahlbar ist, will ich mir das noch einmal ansehen. Die U-Bahn-Station ist genau unter dem Gebäude und man muss den Hals ganz schön recken, um nach oben zu gucken. Wow! Aber genauso wow ist die Anzahl von Besuchern, die in das Gebäude streben. Darunter sind mehrere Schulklassen, aber die verteilen sich zum Glück zuerst auf die unzähligen Restaurants in Basement. Dann geht es erst mal mit dem Aufzug in den fünften Stock, da ist der Ticketverkauf. 600 $ Eintrittsgeld sind ein hübsches Sümmchen, aber man lebt nur einmal.
Ich glaube, die nicht so tolle Sicht hat dazu geführt, dass nur wenige Menschen an dem Ticketcounter stehen. Umso besser. Die gleiche Erfahrung am Aufzug, in den vielleicht 20 Leute passen, aber wir sind vielleicht mit 14 oder 15 da drin. Es ist ein Highspeed-Aufzug, der einen mit beeindruckender Geschwindigkeit in den Himmel katapultiert. Aber es ist völlig lautlos und auch die Beschleunigung ist kaum bemerkbar. Es ist also nicht so, dass man irgendwie in die Knie geht, sondern es fühlt sich an wie eine normale Aufzugfahrt, nur, dass man innerhalb weniger Sekunden 89 Stockwerke höher ist.
Auf der Plattform oben kann man dann einmal um den Turm herumlaufen und aus allen Richtungen auf die Stadt schauen. Auch bei der eingeschränkten Sicht bekommt man doch einen guten Überblick.
So wie ich, machen auch alle anderen Leute unzählige Fotos von der Stadt und auch unzählige Selfies. Es gibt einzelne Stellen, wo man sich zwischen Pflanzen oder Tieren drapieren kann, um da ein Foto zu machen. An einer solchen Stelle hatte ich dann auch meinen Fotoapparat auf einen wackeligen Ständer gestellt, um ein Foto von mir zu machen, aber dann kamen drei junge Mädchen an und haben gefragt, ob sie ein Foto machen sollten. Die eine von denen tat das dann auch gleich aber sie war nicht glücklich. Das Bild war sehr unterbelichtet und sie wollte dann, dass ich den Blitz einschalte. Sie hat wirklich einen guten Job gemacht.
Von hier oben entdeckt man ein paar Perlen der Architektur, jede Menge hohe Gebäude mit Hubschrauber, Landeplätzen und einige, die auf dem Dach einen Pool haben. Daneben aber auch ältere Viertel mit kleinen 4,5 oder 6-geschossige Häusern.
Eigentlich das größte Highlight ist die riesengroße Kugel, die hier aufgehängt worden ist, an armdicken Stahlseilen. Sie soll im Falle eines Erdbebens die Schwingungen auffangen und das Gebäude stabilisieren. Sie besteht aus 41 Stahlplatten, ist 5 m hoch und wiegt 660 t. Im unteren Bereich wird sie von riesigen Stoßdämpfern stabilisiert.
Als in Taipeh mal ein Taifun war, der mit 11 Windstärken über das Land ging, hat sich die Kugel bis zu 15 cm bewegt.
Er wird von acht starken Kabeln gehalten und von acht hydraulischen Dämpfern fixiert.
Das Gebäude wird sich bei starkem Wind immer bewegen, aber durch die Dämpfer wird es um mindestens 40 % reduziert
Die Technik selber ist schon einigermaßen alt und wurde grundsätzlich in Japan erfunden. Hier in Taipeh ist, ist der einzige sichtbar für das Publikum. Offener Dämpfer der Welt. Andere Bekannte Dämpfer sind in den Petronas Twin Towers in Malaysia und der Trump World Tower in New York. Die Japaner sind mittlerweile schon einen Schritt weiter und haben in Yokohama in einem 296 m hohen Wolkenkratzer den ersten aktiven Dämpfer installiert. Es computergesteuert und ahnt die Erdbewegungen vor im Voraus.
Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf hat wahrscheinlich auch so einen Mechanismus, zumindest habe ich mal gelesen, dass sich das Haus oben bei Sturm um bis zu einem Meter hin- und herbewegt.
Die Fahrt hinunter ging dann im wahrsten Sinne des Wortes schnell. Mit 600 m/min stoßen wir den Boden entgegen und das Bremsen hat man doch schon etwas gemerkt. Aufwärts waren wir noch schneller!!
Auf dem Rückweg habe ich dann den hiesigen Wetterbericht entdeckt. Man muss nur drauf schauen, wie viele Leute Regenschirme dabei haben, dann hat man ne Idee, welche Wahrscheinlichkeit für Regen besteht. Hier gibt es übrigens nicht diese Regenschirmtrockner wie in Korea, sondern hier werden, zumindest an öffentlichen Stellen, Plastiküberzüge angeboten, die man über den Schirm pellen kann, um zu verhindern, dass alles nass und rutschig wird. Auch nicht schlecht! Und apropos Regen: es gibt Schirmverleihstationen. Da kann man Schirme Stunden- oder Tageweise mieten. Kreative Idee!
Nach einer Pause brachte mich die zuverlässige U-Bahn zur Dihua Street. Das ist eine sehr beliebte Einkaufsstraße hier in Taipei. Dahinter ist auch noch der Yongle Market, auch ein hochgelobter Touristen Spot. Leider fing es sehr leicht an zu regnen, gerade so, dass man noch gut gehen konnte.
Das U-Bahn System hier ist nach Farben geordnet. Man muss sich also nicht, wie bei uns, irgendeine Nummer merken, sondern ich weiß, wenn ich zurück zu meiner Unterkunft will, muss ich irgendwie zu früh zur grünen U-Bahn kommen. Oder zu irgendeiner anderen, die zur grünen U-Bahn fährt. Das kenne ich allerdings aus vielen anderen europäischen Städten auch schon.
Hier wurde ich dann auch Zeuge des Müllbeseitigungsystems. Vier LKWs fahren hintereinander, der vorderste ist so ein typischer Müllwagen mit gleichzeitiger Müllpresse. Dahinter sind es drei normale, kleinere LKWs. Die Arbeiter sammeln dann ans Sammelstellen, den Mülleimer und die Einwohner bringen dann teilweise ihren Müll zu den Autos. Natürlich streng getrennt, je nachdem, wie die Autos außen beschriftet sind. Sieht für mich effektiv aus.
Das Geschäftskonzept auf der Straße hier ist mir noch nicht so ganz klar. Es gibt alles mögliche, Nüsse wurzeln oder andere kleinen Lebensmittel,kekse, getrocknete Fische und andere Set,jere, Schmuck und natürlich ab und zu Einstand mit etwas zu essen. Ich denke fast, es ist generell die alte Bebauung hier, das sind maximal zweigeschossige Häuser im Erdgeschoss sind wirklich nur Geschäfte. Das hat natürlich Charme.
Der Yongle Market ist etwas schwerer zu finden, als ich ihn dann finde, muss ich leider feststellen, dass er geschlossen hat. Es ist ein großer Markt in einer Halle und hier scheint es alles zu geben von Kleidung über Schuhe und natürlich alles, was man irgendwie essen kann. Große Fleischabteilungen, große Fischabteilungen, Gemüse, Obst, alles, was das Herz begehrt. Aber wie gesagt: geschlossen.
Dafür hat es mittlerweile aufgehört zu regnen, was ja auch ganz schön ist.
Ca. 2,5 Millionen Einwohner zählt die Taiwanesische Hauptstadt Taipeh, die in einem Becken am Zusammenfluss von Danshui, Xindian und Jilong liegt. Die Stadt beherbergt unzählige Universitäten und Fachhochschulen und hier steht auch Taipei 101, das bis 2007 höchste Gebäude der Welt. Nicht weit vom 101 steht der Shin-Kong-Life Tower, der diese Auszeichnung bis 1997 hatte. Mit über 330 Milliarden BIP hat Taipeh in der Liste der wirtschaftsstärksten Metropolregionen Platz 29. Viele namhafte Unternehmen aus der Elektrotechnik / Computertechnik haben hier ihren Sitz und mit 7,5 Millionen Touristen pro Jahr war Taipeh vor 10 Jahren auf Platz 15 der meistbesuchtesten Städte der Welt. Die Stadt ist bekannt durch die singenden Müllwagen. Es gibt hier keine Mülltonnen, sonder die Müllwagen ziehen ‚Elise‘-spielend durch die Stadt und die Bewohner rennen mit den Müllbeuteln hinterher, um die loszuwerden. Quasi wie die Eiswagen bei uns. Und auf der Dihua Street habe ich ja was ganz ähnliches gesehen.
Und dann war da noch das Abendessen. Gestern habe ich das Problem sehr schnell und einfach gelöst. Während ich unterwegs war, ein Restaurant zu suchen, fing fürchterlich an zu regnen. Also bin ich einfach in das nächstbeste Restaurant reingegangen und habe mir irgendwas bestellt. Es war sagen wir mal okay. Die Not hat mich halt da rein getrieben. Heute wollte ich es anders machen.
Direkt bei mir gegenüber ist ein sehr einfach aussehendes Restaurant, das aber eigentlich immer völlig überfüllt ist und wo vor allem abends immer Leute davor stehen und warten, dass sie rein können.
Es gibt sehr einfache Tische, sehr einfache Hocker und auf Dekoration hat man völlig verzichtet. Da wollte ich heute rein. Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert. Aber habe mich einfach mal an die Tür gestellt und gewartet. Eine Kellnerin kamen, fragte, ob ich alleine sei, und sortierte mich dann an einem der Tische ein. So kam ich zumindest ohne Wartezeit zu meinem Tisch.
Es gab eine Speisekarte mit unzähligen Gerichten, die alle so zwischen fünf und zehn Euro kosten. Es gab Seafood, Huhn, Schwein, Rind, vegetarisch, es war eigentlich für alle was dabei.
| …sehr kleines Glas! |
| Lecker! |
Ich habe ein Rindfleisch-Gericht bestellt und etwas Reis und ein Bier. Das Bier kam schnell, es war eine riesige, hier in Asien durchaus übliche 600 ml Flasche dazu ein Glas, mit dem man bei uns eher Schnaps trinkt.
Meine Tischgenossen waren einige sehr lebhafte Einheimische mittleren Alters.
Ich denke, das Konzept ist eher, dass man mehrere Gerichte bestellt und sich die dann mit mehreren Leuten teilen aber für mich wären zwei Gerichte deutlich zu viel gewesen.
Dieser eine Teller mit dem Fleisch und einem Gemüse, was ähnlich wie Lauch ist, eine leckeren Sauce dabei und dazu den Reis, das war genau richtig und nicht zu vergessen: Die 8-10 Gläser Bier, die ich dazu getrunken habe. Lecker!
Das ist kein Koala, das ist ein Panda
AntwortenLöschenWenn du die Chance hast, komm in meine Heimatstadt Nanjing. Im Sun-Yat-sen-Gedenkhaus gibt es eine Statue von Sun Yat-sen, die in derselben Sitzhaltung dargestellt ist.
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