Dienstag, 28. April 2026 Fahrt nach Chiayi

Wie (fast) immer werde ich vor dem Wecker wach und schaffe mir damit eine Extra-Viertelstunde. Ich war dann auch rechtzeitig am Pier und war da  nach kurzer Wartezeit auf dem Schiff. Jetzt geht es zurück nach Donggang, wo ich meinen Bus erwischen muss. Es ist schon jetzt sehr warm und ich finde die Klimaanlage an Bord nicht mehr so schlimm. Das Schiff ist von 2022, wie ich auf einer Plakette sehen kann und es ist größer und heller als das von der Hinfahrt. 





Hier die Kurzfassung des Vormittags:


Zu Fuß von meiner Unterkunft zur Fähre in Liuqiu

Fähre von Liuqiu nach Donggan

Zu Fuß vom Jetty zum Busbahnhof Donggan

Bus von Donggan nach Pingtong

Zug von Pingtong nach Kaohsiung

Zug von Kaohsiung nach Chiayi


Nun zu den Details:


In Donggang hatte ich dann erst mal die Bushaltestelle gesucht. Aber kein Problem, sie war direkt neben dem Eingang. Nur verstand ich das Schild dort nicht. Laut Schild nach fuhr der Bus 9172 nicht ins Zentrum von Kaohsiung, sondern nur ein kleines Stück hier am Ufer entlang. Ich schaute auf Google Maps und ich schaute auf das Schild und kam irgendwie nicht klar. 


Dann sah ich einen kleinen Ticket Shop und fragte dort. Das sehr freundliche Mädchen erzählte sehr viel und erst nach einiger Zeit begriff ich, dass hier kein Bus ins Zentrum von Kaohsiung fährt! 

Offensichtlich sind da die Google Maps Informationen falsch oder veraltet. Sie sagte ich solle zum Donggang Busbahnhof gehen von dort fahren. Der Busbahnhof ist knapp 40 Minuten zu Fuß entfernt und die Temperaturen steigen bereits. Aber was soll ich machen? 


Also bin ich los gestiefelt und schwitzend dort angekommen. Hier gab es einen Ticketschalter und eine sehr hübsche junge Taiwanesin, die mir helfen wollte. 


Sie checkte verschiedene Fahrpläne, um einen Bus zu finden, der bald losfährt. Dann hatte sie einen, der sollte in 40 Minuten starten. Ich wollte schon gehen, fragte dann aber noch, bis wann der denn am Hauptbahnhof sei. 


In 1 Stunde 40 Minuten meinte sie. Dann hätte ich meinen Zug nach Chiayi nicht bekommen! Das Ticket hatte ich, wie die anderen auch, online gekauft. Mist! Ich sagte ihr das und sie überlegte kurz, durchsuchte dann wieder ihre Fahrpläne und meinte, ich sollte mit dem Bus nach Pingtung fahren und dort mein Ticket umtauschen von Pingtung aus könnte ich direkt nach Chiayi fahren!


Sie schrieb es auf einem Zettel, teilweise in Englisch und teilweise in Chinesisch, so dass das im Prinzip jeder lesen konnte. Dann brachte sie mich noch zum Bus und instruierte den Busfahrer!

Während es in der Unterhaltung mit ihr hin und herging, hatte sie mich auch gefragt, wo ich herkomme. Und dann meinte sie, es seien viele Deutsche hier! Das hatte ich aber auch schon mal gehört. Seltsam! Ich kenne keinen!






Wenn man die Geschichte so liest, ist sie etwas verwirrend, und das war sie für mich auch. Aber die Frau hat sich wirklich ein Bein ausgerissen, um mir zu helfen. Ich bin sehr beeindruckt! Der Busfahrer war aber auch sehr cool! Ich hatte mich ganz vorne in die erste Bank rechts von ihm gesetzt aber er machte Zeichen, ich sollte da weggehen. Erst verstand ihn nicht, aber als er dann immer auf den Fußraum und auf meine Beine zeigte, verstand ich: weiter hinten war der Fußraum größer für meine langen Beine. Bei so viel Freundlichkeit fiel der Stress ziemlich schnell von mir ab!


Es ist dir sehr unverständlich, wie Google so daneben liegen kann. Aber ich traue dann eher den Menschen vor Ort, vor allem auch nach der Panne auf der Hinfahrt. Da war ja auch ein Bus im Spiel, der aber nicht kam. Allerdings hatte die Hinfahrt auch mit umsteigen nur etwas mehr als 1 Stunde gedauert.


Naja, wie auch immer: um kurz nach zehn war ich in Pingtung und verhandelte dort mit einem Ticketverkäufer. Der verstand, was ich wollte, schlug aber vor, dass ich einfach mein Ticket behalte und den Zug von Pingtong nach Kaohsiung nehmen. Ich hätte da eine Viertelstunde Zeit zum Umsteigen das sei doch okay. Wieder eine sehr freundliche Hilfe. Und beide, die Frau in Donggan und der Mann hier in Pingtung sprachen sehr gutes Englisch.

Mein einziges Papierticket







Bahnsteig 2B, Wagen 9, Sitz 25. Über dem Wartebereich steht: sicherer Bereich, auch nachts! So verlasse ich Donggan, Pingtong und Kaohsiung um letztlich in Chiayi anzukommen.


Nachdem ich mein Gepäck abgeworfen habe, bin ich erst mal in Richtung Gefängnis gelaufen. Da soll ein schönes Museum sein und das stand auf meiner Liste. 

Unterwegs kam ich an einem Eisenbahnmuseum vorbei. 

Sowas finde ich auch immer spannend. Vor allem, weil ich mich hier ja überwiegend per Eisenbahn bewege. Hier steht eine alte Dampflok, mehrere alte Dieselloks und ein paar Anhänger, aber am spannendsten ist eigentlich die Dampflok. 

Unten sieht man den Antrieb


Der vordere Teil mit den Kegelrädern


Antriebsstrang, die Kardanwellen fehlen wohl



Handbetriebenes Drehkreuz




Nägel in den Schwellen…



Sie hat einen komplett anderen Antrieb als das, was ich so von Dampfloks kenne. In der Mitte der Lok sitzt der Antrieb der wird auf beiden Seiten runter auf das Niveau der Achsen gebracht von dort aus werden dann Kardanwellen zu der vorderen und hinteren Drehkreuzen gebracht und die treiben hier über Kegelzahnräder die Räder an. 


Ich habe noch nie so eine aufwändige Technik gesehen! Ich bin dann weiter gegangen zu einer Halle, aber da stand jemand und schaute mich unentwegt an. 

Ich bin dahingegangen und habe mit Gesten klargemacht, dass ich hier spazieren gehen will und mir die Sachen ansehen möchte. Er aber kreuzte die Arme vor der Brust. Mittlerweile weiß ich, dass das Nein heißt. Er zeigte dann in Richtung Dampflok, da könnte ich mir Sachen ansehen. 


Ich bin langsam zurückgegangen und habe voller Bewunderung auf die Schienen geschaut, die mit Nägeln fixiert waren, nicht mit Schrauben. Und die alte Handweiche (so eine hatte ich damals auch bei meiner Märklin-Eisenbahn), fand ich auch toll und dann schaute ich noch mal auf die Schienen und dachte okay, die sind nicht weit auseinander. 

Und dann fiel es mir ein: es gibt, gibt hier eine Schmalspurbahn, die hoch in die Berge fährt, die Alishan Forest Railway. 


Ich wollte ursprünglich da auch hin, aber die Unterkünfte oben in den Bergen liegen bei fast 300 € pro Nacht und das war mir dann doch ein bisschen viel. 


Das hier ist also nur zum Teil ein Museum und ansonsten ist das der Betriebshof dieser Schmalspur-Eisenbahngesellschaft. Und die aufwändige Dampflok, die ich gesehen habe mit diesem seltsamen Antrieb, die ist für die Bergbahn gedacht und muss hohe Steigungen überwinden. 

Jetzt erklärt sich vieles! 

Es gibt hier auch noch ein altes handbetriebenes Drehkreuz und noch weitere, alte Waggons. Sehr interessant! 

Eine der alten Dieselloks hatte ein eine Plakette mit dem Produktionsdatum an der Seite. 

1953! 

Wir sind also gleich alt. 





So subjektiv finde ich ja, dass ich mich besser gehalten habe! 😇

Dann kam ich zum Hinoki Village. Das Dorf hat früher mal in den Bergen gestanden während der Zeit der japanischen Besetzung. Man hat die 29 historischen Holzgebäude, die alle aus Zypressenholz gebaut worden sind, abgebaut und wieder hier aufgebaut.







Neben den alten Häusern gibt es hier auch einen Wunschbaum. Hier hängt man kleine Schilder auf, auf die man seinen Wunsch oder seine Wünsche geschrieben hat. 







In China aber auch in anderen asiatischen Ländern habe ich das öfters gesehen und mit meinen Wünschen gefüttert! Hier ist neben dem Wunschbaum aber auch eine massive Wunschwand, die  vollgehängt ist mit den Wünschen der Leute, die hier gewesen sind.

Interessant, auch der riesige Stumpf eines Kampferbaumes. Es wird beschrieben, dass der Saft daraus bei Insektenstiche hilft und es eine aromatische Note hat. Er ist allerdings auch giftig. Es ist einer der am häufigsten vorkommenden Bäume hier in Taiwan.

Der ganze Park ist (natürlich) sehr kommerzialisiert, aber von irgendwas muss man ja leben.


Nach 1 Stunde strammen Laufens komme ich zu dem Gefängnis. Es ist ein unscheinbarer Bau im japanischen Stil, und viel mehr kann ich dazu nicht sagen. 

Es gibt einige Glaskisten mit Exponaten, aber das Glas ist so schmutzig, dass man nicht dadurch fotografieren kann. Außerdem, da ich immer noch des Chinesisch-Lesens unkundig bin, erschließt sich mir der Sinn dieser Gegenstände nicht. Teilweise könnten es Dinge sein, die den Gefangenen abgenommen sind, aber wissen tue ich es nicht.


Chefbüro


Leider alles in Landessprache



Einer der Zellentrakte ist offen und man kann in die Zellen reingucken. Am Anfang sind es Zellen von vielleicht 3 m Länge und maximal 2 m Breite. Hinterher sind es Zellen von 1 m mal knapp 2 m. Zweiteres dürften Einzelzellen  sein, nur mit einem Waschbecken und Toilette. Die anderen müssten dann Zellen für mehrere Gefangene gewesen sein. Es gibt keinerlei Liegen oder Sitzgelegenheiten, die einzigen Möbel sind wirklich nur das Klo und das Waschbecken. 

Zellentrakt


Große Zelle


Große Zelle


Große Zelle



Das Exit-Schild war nicht für die Gefangenen….🤪


Einzelzelle




Ich kann nicht sagen, wie viel Leute da in einer Zelle gesessen haben. Verschlossen sind sie mit vergitterten Holztüren, die aber recht stabil zu sein scheinen. Neben der Tür ist immer eine kleine viereckige Durchreiche, wahrscheinlich für das Essen. 


Richtig gemütlich sind die Zellen nicht. Dahinter war noch ein Badehaus, mit großen Bassins, in denen man sich offensichtlich waschen konnte und einen Bereich mit Duschen. 

Und ja, natürlich fällt einem hier immer das mit dem „nach der Seife bücken“ ein. 




In einem anderen Bereich wird Kunst gezeigt, die hier im Gefängnis entstanden ist. Das eine Objekt erinnert mich ein bisschen an Jim Knopf und die wilde 13, aber das ist nicht nett von mir.


Augsburger Puppenkiste?


Alishan Trin



Ich bin ja schon in einigen Gefängnissen gewesen (hört sich nicht so toll an, nicht wahr?), zuletzt noch im Kosovo in Pristina, aber auch in verschiedenen indischen Gefängnissen, zum Beispiel in Port Blair (Circular Jail) oder auch in Alcatraz. 

Schön sind die alle nicht und die Unterbringung der Gefangenen aus heutiger Sicht sicherlich auch sehr unmenschlich. 


Das ist hier sicher ein interessanter Bau, aber etwas mehr Dokumentation vielleicht auch in Englisch würde hier viel Nutzen stiften. Aber wahrscheinlich ist das auch erst im Aufbau. 

Interessante Runde, aber ich bin sehr froh, dass ich wieder raus kann.


Bevor ich mich wieder auf dem Rückweg mache, bin ich erst noch mal in einem 7/11 eingekehrt, um dort bei Kaffee und Klimaanlage ruhig zu sitzen.


Und wieder war es ein junges, hübsches Mädchen, das mir aus der Patsche half. Ich bin zur Bushaltestelle gegangen und laut Google fuhr da ein Tourist Shuttle Bus. Keine Nummer, sondern nur diese Bezeichnung. 


An der Haltestelle war angeschrieben, welche Busse hier abfahren und es waren circa zehn verschiedene Busse, alle mit vierstelligen Nummern. 


Ich versuchte herauszubekommen, ob ich wirklich an der richtigen Haltestelle stand, aber laut Google war ich goldrichtig. 


Neben mir stand diese kleine, hübsche Frau, und irgendwann sprach sie mich an. Wo ich denn hin wolle. Ich versuchte, es ihr zu erklären, nannte ihr die Haltestelle und die Straße und auch den Hotelnamen, bin aber mit Sicherheit an meiner Aussprache gescheitert. Sie verstand nichts. 

Dann fragte sie mich nach der Straße und den Straßennamen habe ich wohl halbwegs richtig ausgesprochen, denn sie meinte, ich sollte auf jeden Fall den roten Bus nehmen. 


Ich bedanke mich und stieg in den roten Bus. Und was soll ich sagen: es war nicht der Tourist Shuttle, es war nicht vierstelliger Bus, es war der rote Bus.


Was noch? 


Ach ja, das Abendessen.


Ein Drama. 


Das Problem ist, dass ich nur noch ein paar Tage hier habe und nicht noch mal Geld abheben will und dafür sehr hohe Gebühren bezahlen möchte. Mein Bargeld ist knapp, während meine Karte geduldig ist. Aber hier ist es auch so, dass wahrscheinlich 90 % aller Restaurants Bargeld wollen.

Ich bin eine Zeit lang rum gegangen und habe gecheckt, ob ich irgendwo was essen kann mit Karte, aber Fehleranzeige. Letztendlich bin ich in einem Restaurant gelandet, direkt neben dem Hotel, was ein Qualitätsmerkmal erfüllte: es war brechend, voll. 


Eine nette Frau (wieder mal) hat mir ein bisschen geholfen, durch die Speisekarte zu steigen. Sie war natürlich chinesisch geschrieben, aber auch mit Google Lens ist da sehr mühselig. 


Also hat sie einfach Fragen gestellt. Willst du Fisch? Rind? oder Schwein? willst du Gemüse? und so weiter. Da ich überhaupt gar nicht weiß, wie groß diese Portionen sind, ist das natürlich eine Falle.


Eigentlich will ich nicht viel, aber ich fürchte, ich habe wieder eine Mahlzeit für drei Bauarbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben, bestellt. Und so kam es auch.

Auf der Straße war leider kein Platz mehr, aber hinten gab es noch einen Raum, der auch klimatisiert war und in dem circa 40 oder 50 Taiwanesen saßen, die alle gleichzeitig redeten und sich dabei zu übertönen versuchten. Ich denke, auf einem Rockkonzert würde es leiser zugehen.

Aber das, was ich in der Küche gesehen habe, sah schon mal ganz gut aus. Und war es auch. Zu viel, aber lecker!















Chiayi


Chiayi hat mit 260000 Einwohnern etwa so viele Bewohner wie Mönchengladbach. Die Gegend wurde ursprünglich von den Hoanya, einem austronesischen Ureinwohnervolk Taiwans besiedelt, bis dann im 17. Jahrhundert Han-Chinesen in das Land kamen. Viele (oder auch alle??) Städte in China haben eine offizielle Blume. Hier ist es die Blüte des Hongkong-Orchideenbaumes, die auch auf der Flagge Hongkongs zu sehen ist. 

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