Dienstag 14. April 2026 Erkundung von Busan

Heute ist ein eher trüber Tag. Die Temperaturen sind ziemlich runtergegangen, da bleibt für ein T-Shirt kein Raum. Als ich mein Apartment verlasse, steht vor der Türe ein kleiner Korb mit einer frischen Flasche Wasser und einem neuen Handtuch und einem Zettel von Young. Da  schreibt sie, dass sie mir einen schönen Tag wünscht und ein paar Empfehlungen für Dinge, die ich heute machen kann. Sie ist wirklich unübertrefflich! 




Ich hatte leider gestern vergessen, mir Kekse zu holen, so gab es heute zum Frühstück nur Kaffee. Als erstes bin ich dann zum Biff Place gegangen. Das ist hier offensichtlich einer der Sehenswürdigkeiten, aber es ist einfach ein kleiner Markt. Er steht unter dem Motto der hiesigen Filmindustrie beziehungsweise des Filmfestivals, das wohl jährlich hier stattfindet. Auf der Straße sind dann analog zu Los Angeles Platten eingelassen, wo prominente Teilnehmer des Festivals ihre Handabdrücke hinterlassen haben.




Auf dem Markt kaufe ich mir einen kleinen Kuchen (honey hotteok) der offensichtlich hier ein populärer Morgensnack ist.



Ich bin dann erst noch mal zurück ins Hotel gegangen, weil es zwar kühl war, aber im Sweatshirt dann doch etwas zu warm. Dann bin ich zur nächsten Busstation gelaufen und habe dort einige Zeit zugebracht, den Fahrplan zu verstehen. Nicht einfach! Die Busse haben teilweise keine Nummern, sondern Namen und diese koreanischen Schriftzeichen zu erkennen ist nicht einfach. Aber ich habe es geschafft und bin in den richtigen Bus gesprungen. Der Busfahrer war auch sehr freundlich und half mir bei dem Ticket und als er dann sah, wie ich in dem sehr voll besetzten Bus etwas unglücklich stand, bot er mir sogar den Beifahrersitz an. Der beste Platz im Bus!

Busfahrplan



Wenig später kamen wir am Culture Village an. Es ist tatsächlich genauso, wie Young das beschrieben hat. Wie die Orte auf den kleinen griechischen Inseln in Europa. Oder wie auf Santorini.

Naja, so ähnlich.







Man kann es fast schon ahnen, dass diese kleinen Häuser, die hier so in den Berg hineingequetscht sind, früher mal ein Slum waren. Und so war es auch. Und dann, in den späten neunziger Jahren, sind Studenten auf die Idee gekommen, das Ganze etwas bunter zu gestalten, und seitdem ist es ein Touristenmagnet geworden. Es ist immer wieder interessant, wie kreative Leute solche elenden Orte verwandeln können. In Kolumbien, in der Stadt Medellin, wurde das gleiche auch sehr erfolgreich gemacht.



Danach wollte ich eigentlich zu einem Park mit einer Seilbahn fahren, aber leider hatte es angefangen zu regnen. Da war ich jetzt auch kleidungsmäßig nicht drauf eingerichtet und bin dann erst mal nach Hause gegangen. Ich habe diese Zeit genutzt, um meinen Rucksack umzupacken, weil der Wetterbericht für morgen 30° vorhergesagt hat. Da ist andere Kleidung angesagt. 


Nach einer Pause bin ich dann losgezogen und wollte doch einmal die Schweinesuppe probieren, die hier in Busan eine Spezialität ist. Man bekommt sie hier auf dem Markt, aber man muss suchen. Und wenn man nicht weiß, wie sie aussieht, ist es doppelt schwierig. 

Zum Glück hat mir Young den Namen aufgeschrieben und so konnte ich den Leuten hier auf dem Markt mein Handy mit den koreanischen Schriftzeichen unter die Nase halten. Ich ging von Suppenstand zu Suppenstand und nahm Kontakt auf und schon beim dritten war ich erfolgreich.




Wie soll ich die Suppe jetzt beschreiben? Was mir spontan einfällt, ist Klunkersuppe. Meine Eltern stammen aus Ostpreußen und Klunkersuppe ist ein typisches arme-Leute-Gericht. Dies besteht nur aus gesüßter Milch, die warm gemacht wird und dann wird da Mehl hineingerührt. Das Mehl löst sich nicht auf, sondern bildet Klumpen (Klunker). Das hört sich nicht lecker an? 


Nein, ist es auch nicht. Lecker ist nur die süße Milch. Damit kriegt man kleine Kinder ja immer. 


Die Schweinesuppe ist sehr dickflüssig. Besteht aus Klunker und… keine Ahnung. Was ich vielleicht ein bisschen vermisst habe, war vielleicht etwas Schwein.

Und warum heißt die Suppe dann Schweinesuppe und nicht Klunkersuppe? Vielleicht hieß der Erfinder mit Nachnamen Schwein? Ich werde es nie erfahren. Aber ich habe es probiert. Es gibt mittlerweile viele Gründe, nach Korea oder speziell auch nach Busan zurückzukehren, aber die Schweinesuppe wird nicht dabei sein.


Nächstes Ziel auf meiner Tour ist die Gwangan Bridge am gleichnamigen Strand. So langsam lerne ich, wie man hier mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Man steigt immer vorne in den Bus ein, wenn man  barzahlen will und da ist ein Kasten. In dem Kasten ist ein Schlitz wie in einem Briefkasten und da hinein wirft man sein Geld, Scheine oder Münzen, egal. Unten in dem Kasten sitzen ganz winzig kleine Koreaner, die speziell dafür ausgebildet worden sind, das Geld zu zählen. Wenn es dann passt, bekommt der Fahrer ein Zeichen, dass es okay ist und der winkt einen weiter. Wenn es zu viel ist, werfen Sie ein paar Münzen in ein Ausgabe Fach. Geniales System!

Die Leute, die eine Karte haben, können einsteigen, wo sie wollen, und halten die Karte beim Ein- und beim Aussteigen an einen Automaten. Der sagt dann jedes Mal: Gam sa ham nida! 

Das bedeutet „danke schön“. Das ist aber auch die einzige Floskel, die ich auf koreanisch kenne.


Die Fahrt wird eine halbe Stunde dauern, kostet umgerechnet nur 1,20€ (das ist ja sehr viel Geld, aber wenn man bedenkt, dass es in dem Bus auch noch kostenloses WLAN gibt, relativiert sich der Preis wieder 🤡) und bringt mich auf dem Stadtplan von Busan auch nur 3 cm weiter. Die Stadt ist unglaublich groß, es gibt ein mittelalterliches Fort, dass ich mir ansehen wollte, aber die pure Fahrzeit mit dem Bus beträgt 1 Stunde 20 Minuten, das war mir dann doch etwas zu aufwändig. Der Verkehr hier in Busan ist ähnlich furchtbar wie in Seoul, nur dass die Straßen hier schmaler sind. Allerdings werden die Busspuren hier eher respektiert, als in der Hauptstadt.










Und so bin ich am Strand angekommen. Der Strand zieht sich über eine ziemlich breite Bucht und von hier aus kann man die Brücke gut sehen. Der Verkehr fließt auf zwei Etagen übereinander auf der 7 km langen Stahlkonstruktion. Es ist eine Hängebrücke,  von dem Punkt, wo ich stehe, kann ich vielleicht nur etwas weniger als die Hälfte sehen, bin aber auch so schon sehr beeindruckt. Leider hat es angefangen zu regnen und meine Freude ist etwas gedämpft. 






Fußgebläse 😂



Das hält aber einige Koreanerinnen und Koreaner nicht davon ab, den Strand zu genießen. Sie sind warm angezogen, tragen einen Regenschirm und waten mit nackten Füßen durch das Wasser.

Abends ist die Brücke natürlich beleuchtet und einmal in der Woche findet es hier eine große Drohnenshow statt. Neulich in Soul gab es auch so eine Show, aber offen gestanden: so toll finde ich das dann auch nicht.

Auf der Promenade steht das eine oder andere Kunstwerk, aber am beeindruckendsten fand ich ein Originalstück des Hauptkabels der Brücke. Wenn man sich das aus der Nähe so ansieht, hat man schon das Gefühl, dass diese Brücke rein theoretisch halten müsste.


…trotz Regen…



Brückenkabel



Angelspiel





Was mich auch noch beeindruckt hat, war eine Druckluftanlage, mit der man sich den Sand von den Füßen oder von den Schuhen machen konnte. Hier waren vier Düsen, ähnlich wie die in einer Autowaschanlage und damit habe ich dann auch meine Schuhe sauber gemacht. 


Das sind meine alten Laufschuhe, die ich mitgenommen habe und die eventuell auch hierbleiben werden. Und ich habe schnell aufgehört, mit dem scharfen Luftstrahl auf die Sohle zu zielen, bevor die dann abfliegt. Ein paar Tage müssen die Schuhe noch halten!


Ich habe auch noch eine alte, nicht sehr geliebte Jacke bei mir, die mich hier vor den niedrigen Temperaturen schützen sollte. Diese Jacke wird Korea definitiv nicht mehr verlassen. Ich habe das schon öfter praktiziert, dass ich für den kalten Teil der Reise Kleidung mitnehme, die ich danach dann spenden oder entsorgen kann und somit mein Gepäck wieder erleichtere. Hat sich bewährt!


An der äußersten Ecke der Bucht war ein großes Videospiel. Es ging ums Angeln: man hatte ein Boot, das konnte man vor und zurückfahren lassen und man hatte eine Angel, die man hoch und runter biegen konnte und einen Knopf mit der Aufschrift Catch. Während das Boot dann im Wasser dümpelte, schwammen unten die Fische vorbei und man musste die Angel so plazieren, dass sie vor dem Maul des Fisches war. Wenn man dann auf catch drückte, hatte man den Fisch. Das ganze fand auf einem 80 Zoll Bildschirm statt und im Hintergrund war ein Bildschirm von 2x10 m, auf den man (vor allem die Passanten) auch verfolgen konnte, was für ein Mist man da fabrizierte. Genial!


Ich bin dann ganz um die Bucht herumgelaufen bis zum Ende, also bis zur Spitze. Von hier aus konnte man dann sehen, dass da die Brücke auch noch endlos weiter ging. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk!



Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mich voll umfänglich dem Slogan der Stadt Pusan anschließe. So steht zum Beispiel überall auf dem Bussen und auch an anderen Stellen der Slogan: Busan is good! Damit ist alles gesagt.

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